Isabel Belfort an ihrem Arbeitsplatz. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Fußball und Bier, das gehört offenbar zusammen wie Ernie und Bert, Romulus und Remus, Uefa und Kommerz. Doch es gibt auch Menschen, die alkoholfrei trinken. Darum kümmert sich Isabel Belfort während der EM in Stuttgart.

Der neue Deutsche Fußballmeister duscht mit Bier, Max Verstappen spritzt nach einem Sieg bei der Formel 1 mit Schampus herum. Gerne in Zeitlupe und Dauerschleife. Immer wieder wird im Fernsehen gezeigt, wie sich die Fußballer nach ihren Triumphen mit Bier aus Riesenhumpen übergießen.

Zuständig für Jugendfreies

Wundert sich da irgendjemand, dass für viele Menschen Bier zum Fußball dazugehört? Zum Trinken, aber auch im Stadion zum Mitmenschen duschen, aus Jubel oder aus Ungehobeltheit. Isabel Belfort (28) hat mit Alkohol nichts zu tun, sie sorgt dafür, dass auf den vier Fanzonen Stuttgarts die jugendfreien Getränke nicht ausgehen. Fan-Zone-Manager für Coca-Cola ist ihr offizieller Titel. Die Berlinerin ist für drei Monate nach Waiblingen gezogen, um hier ihren Arbeitsplatz auf Zeit anzutreten. Der Zufall hat sie nach Stuttgart geführt, die Zuständigkeit für die Fanzonen in den zehn Austragungsorten ist verteilt worden. Isabel Belfort ist das erste Mal in Stuttgart, viel wusste sie nicht von der Stadt, außer, dass sie bei ihren Lieblingsessen Maultaschen und Spätzle bestens bedient werden würde.

22 Wirte werden versorgt

In Magdeburg hat sie Internationales Management studiert, war dann bei einer Agentur, ehe sie zu Coca-Cola ging. Zu ihrem Trainee-Programm für Führungskräfte gehört auch der Vertrieb, also der Kontakt zu den Gastronomen. Den hat sie nun hautnah jeden Tag. Sie muss dafür sorgen, dass die 22 Wirte auf dem Schlossplatz, dem Karlsplatz, dem Marktplatz und dem Schillerplatz mit allem versorgt sind, was sie brauchen. Das beginnt mit 17 Kühlanhängern und 56 Kühlschränken, geht über Werbematerial bis zu den Getränken.

Ein Werk in Deizisau

Seit 1988 ist Coca-Cola Sponsor des Europäischen Fußballverbands Uefa. Damit erwirbt die Firma nicht nur das Recht, ihr Logo überall in den Stadien und Fanzonen zeigen zu dürfen, sondern auch ihre Produkte konkurrenzlos an diesen Orten verkaufen zu dürfen. Der deutsche Coca-Cola-Ableger verkauft jährlich 4,1 Milliarden Liter seiner 60 Marken. Drei von 14 Werken sind in Baden-Württemberg, in Mannheim, Karlsruhe und in Deizisau. In den drei Werken arbeiten 1000 Mitarbeiter, es werden dort 650 Millionen Liter abgefüllt. Das Werk in Deizisau gibt es seit 1957.

Woher kommt die Fanta?

Beziehungen zu Deutschland gibt es überraschende. Klar, Coca-Cola ist eine der bekanntesten Marken der Welt und eine amerikanische Erfindung. Aber Fanta wurde in Deutschland entwickelt. Coca-Cola wurde in Deutschland seit 1929 in Essen abgefüllt. 1939 waren im Reich bereits 50 Fabriken in Betrieb. Selbst im Krieg wurde die uramerikanische Marke weiter verkauft, denn Mark Keith, Chef der deutschen Tochtergesellschaft, hatte keine Berührungsängste vor den Nazis, und keine Scheu Hakenkreuze in die Cola-Werbung einzubauen. Erst als nach dem Angriff der Japaner im Dezember 1941 auf Pearl Harbour die Amerikaner in den Krieg eintraten, mussten die US-Firmen ihre Geschäfte mit den Feinden einstellen. Der nach streng geheimem Rezept erstellte Cola-Sirup kam nicht mehr nach Deutschland. Man brauchte Ersatz. Chefchemiker Wolfgang Schetelig bastelte eine neue Limo. Aus Molke, Maische und Apfelfasern. Fanta war geboren, als Abkürzung für Fantasie. Die heute natürlich ganz anders schmeckt.

Für Tourismus bleibt erst nach dem Finale Zeit

Fanta zählt natürlich immer noch zum Portfolio. Wenngleich sich die klassische Cola und das Wasser am besten verkaufen. Und tatsächlich ging Alkoholfreies bei den Spielen der türkischen Mannschaften am allerbesten. Jeden Morgen habe sie Gespräche mit den anderen neun Fanzonen-Managern ihrer Firma, dann ist sie auf dem Schlossplatz, hält Kontakt mit den Wirten. Wie groß der Schlossplatz dann doch ist, wie viel Menschen sich dort tummeln, wenn 30 000 Besucher kommen, das fand sie sehr beeindruckend. „Die Lage mitten in der Stadt und die Atmosphäre dort sind was Besonderes“, sagt sie. In Waiblingen wohnt sie in der Altstadt, viel hat sie noch nicht gesehen, während der EM blieb da keine Zeit dafür. „Deshalb werde ich auch nach dem Finale noch zehn Tage hier bleiben, und mir einige Sachen anschauen“. Bevor es dann im Rahmen ihres Trainee-Programms weitergeht, in die nächste schöne Stadt – nach Paris.