So war es vergangenen Mittwoch: Ankunft der deutschen Mannschaft am Graf Zeppelin. Foto: dpa/Tom Weller

Zwei Hotels sind für die Mannschaften der EM reserviert. Das Mövenpick am Flughafen. Und das Graf Zeppelin in Stuttgarts Innenstadt. Dort war Deutschlands Nationalmannschaft vor dem Spiel gegen Ungarn untergebracht. Und vor dem Viertelfinale?

Es war einmal eine Mannschaft, die Fußball spielte. Es war einmal eine Stadt, die das Bruddeln vergaß und sich selbst feierte. Es war einmal ein Frühsommer, während dem dauernd die Sonne schien. Es war einmal ein Julian, der Jürgen hieß. Es war einmal Deutschland, das sang: Stuttgart ist viel schöner als Berlin. Es war einmal ein Sommermärchen. Es waren einmal Schwaben, die ihr Auto mitten auf der Straße stehen ließen, bloß weil ein Reisebus vor dem Hotel Graf Zeppelin hielt. Am Abend des 7. Juli 2006, Vorabend des Spiels um Platz drei gegen Portugal, hielt das Nationalteam Einzug in Stuttgart. 6000 Fans warteten, ein wichtiges Kapitel des Sommermärchens.

 

So war es 2006: OB Wolfgang Schuster begrüßt Bundestrainer Jürgen Klinsmann. /Michael Steinert

Ihr eigenes Märchen müssen Bundestrainer Julian Nagelsmann und seine Spieler erst noch schreiben. Auf dem Weg dahin müssen sie am Freitag beim Viertelfinale in Stuttgart die Spanier aus dem Weg räumen. Wieder geht es also nach Stuttgart. Doch wo übernachten sie dieses Mal? Zwei Hotels stehen zur Verfügung. Das Mövenpick am Flughafen und das Graf Zeppelin in der Innenstadt. Die Spanier haben sich den Schlafplatz im Graf Zeppelin gesichert, die Deutschen werden am Flughafen sein.

Der Kapitän Ilkay Gündogan in Stuttgart Foto: dpa/Tom Weller

Wenn sie also am Donnerstagnachmittag in Stuttgart ankommen, müssen sich die Deutschen an ein neues Hotel gewöhnen. Die Spanier hatten als erst genannte Mannschaft das Recht des ersten Zugriffs, und wollten gerne in die Innenstadt. Aus dem deutschen Lager verlautet, man hätte gerne das Graf Zeppelin wieder bezogen, aus Tradition und atmosphärischen Gründen. Gegen Ungarn habe man den Zuspruch der Fans und den lautstark vorbeiziehenden Fanmarsch sehr genossen. Das habe die Mannschaft auch gepuscht.

Dank und Freude beim Spiel um Platz drei in Stuttgart Foto: dpa/A3472 Frank May

Also alles anders als beim Sommermärchen. 2024 ist eben nicht 2006. Beim Flughafen werden die Spieler zumindest mehr Ruhe haben. Vor 18 Jahren gab es die nicht.

Obwohl tags darauf das Spiel um Platz drei anstand, skandierten die Menschen unverzagt und stundenlang, „wir woll’n die Mannschaft sehen“ und „ohne Klinsmann gehen wir nicht nach Haus’“. Bis im ersten Stock des Hotels die Fenster aufgehen. Oliver Kahn zeigte sich als einer der Ersten. Und tatsächlich, er kann lachen. Nach und nach tauchten alle auf, jeder Einzelne wurde gefeiert. Spieler fotografieren Fans, Fans fotografieren Spieler. Und dann kam er - Klinsi. „Du darfst nicht gehen!“, kreischten die einen, die anderen brüllten: „Jürgen Klinsmann!“ Und was machte der Bundestrainer? Er winkt und schoß Fotos für die Lieben daheim. Ein echter Knipser - wie früher.

Das Mövenpick-Hotel am Flughafen Foto: Ines Rudel /Ines Rudel

Aber das war der Jubel für den Kick um den Trostpreis. Ein Spiel um Platz drei gibt es bei der EM nicht. Die Mannschaft hat andere Ziele, sie will zum Endspiel nach Berlin. Dort soll anders als 2006 der finale Applaus stattfinden. Das werden die Schwaben den Preußen ausnahmsweise gönnen. Gerade in der Hauptstadt hat man ein neues Märchen nötig.