Klaus Gjasula im Dress der albanischen Nationalmannschaft (li.) und mit Helm im Trikot der Stuttgarter Kickers 2016. Foto: //imago/Nderim Kaceli/Baumann

Mit seinem Tor zum 2:2-Ausgleich gegen Kroatien rettete Klaus Gjasula Albanien vor dem Duell an diesem Montag mit Spanien die Minimalchance aufs EM-Achtelfinale. Was zeichnet den ehemaligen Spieler der Stuttgarter Kickers aus?

Dass Klaus Gjasula in der Saison 2015/16 mal ein halbes Jahr in der dritten Liga für die Stuttgarter Kickers spielte, ist wahrscheinlich außer den eingefleischten Fans der Blauen nicht jedem Fußballfan in Deutschland bekannt. Fest steht jedenfalls: Dass der Mittelfeldspieler es mal als Nationalspieler von Albanien zur EM schaffen würde, konnte damals definitiv noch keiner erahnen. Auch wenn sein damaliger Mitspieler Alessandro Abruscia noch heute von dem 34-Jährigen schwärmt: „Klaus ist der beste Sechser, mit dem ich je zusammengespielt habe. Er ist zweikampfstark, hat ein gutes Auge – und er ist ein überragender Typ auf und außerhalb des Platzes.“

 

Ex-Markenzeichen Helm

Gjasulas Markenzeichen damals: Sein Schutz-Helm. Den trug er auch noch, als sein Jochbeinbruch längst ausgeheilt war. Diese Spezialanfertigung aus Schaumstoff und Carbon, die Farbe und Form des Helms erinnerten an die Kampfmontur römischer Legionäre. Gjasula hätte damit ohne Probleme eine Rolle in „Gladiator“ übernehmen können.

Inzwischen geht er nicht mehr behütet auf den Platz, aber mindestens genauso resolut zur Sache wie seinerzeit. Zuletzt beim 2:2 der albanischen Nationalmannschaft in Hamburg gegen Kroatien machte er mit einem verrückten Auftritt ganz besonders auf sich aufmerksam: Einwechslung in der 72. Minute, Gegentor zum 1:1 (74.), Eigentorschütze zum 1:2 (76.), Torschütze zum 2:2 in der Nachspielzeit. „Ich bin eigentlich in die Partie gekommen, um das Spiel zu beruhigen. Das ist mir nicht gelungen. Ich bin die ersten 15 Minuten durch die Hölle gegangen“, sagte Gjasula.

Außenseiter gegen Spanien

Doch mit seinem Ausgleichstreffer, der fließend in den Schlusspfiff überging, rettete er seinem Team bei der zweiten EM-Teilnahme die Minimalchance aufs Weiterkommen – vor der Partie an diesem Montag (21 Uhr/RTL) in Düsseldorf gegen die Spanier. Der dreimalige Europameister steht bereits vorzeitig als Gruppensieger fest, hinterließ bisher einen bärenstarken Eindruck und ist noch ohne ein Gegentor. Möglich, dass Trainer Luis de la Fuente rotiert und gelb-belasteten Spielern eine Pause gönnt.

Stichwort Gelbe Karten: Die hat Gjasula schon immer besonders intensiv gesammelt. Egal ob bei den Stuttgarter Kickers, oder seinen anderen Stationen beim SV Waldhof, beim HSV, beim SC Paderborn, dem Halleschen FC, bei Kickers Offenbach, beim MSV Duisburg, zuletzt beim SV Darmstadt 98 oder eben in der Nationalmannschaft. Der 1,90-Meter-Mann hat sich als gnadenloser Abräumer eine gewaltige Strafakte ergrätscht. In der Saison 2019/2020 hat er mit 17 Gelben Karten in einer Saison die Spitzenposition in der bisherigen Bundesliga-Geschichte übernommen.

Insgesamt hat Gjasula die beeindruckende Anzahl von 151 Verwarnungen, fünf Gelb-Roten und vier Roten Karten in seinem Register stehen. Was an der Einschätzung seines Ex-Mitstreiters Abruscia nichts ändert: „Klaus ist ein Beispiel dafür, was man im Fußball mit unbändigem Willen und einer überragenden Einstellung erreichen kann.“ Klaus Gjasulas Bruder Jürgen (38) war übrigens auch Profi. Warum die beiden nicht gerade Albanien-typische Vornamen tragen, hat einen ziemlich ungewöhnlichen Hintergrund: Ihre Oma war ein Fan der TV-Serie „Schwarzwaldklinik“ und fand den von Klausjürgen Wussow gespielten Professor Brinkmann toll.