Das Thema Unterrichtsausfall ist bei vielen Eltern ein Dauerbrenner. Foto: picture alliance/dpa/Bodo Schackow

Wie erreicht man bildungsferne Eltern? Was kann man gegen massiven Unterrichtsausfall tun? Und weshalb dürfen Lehrer nicht WhatsAppen? Mit solchen Fragen wurde Kultusministerin Eisenmann beim öffentlichen „Elternabend“ im Cannstatter Kursaal konfrontiert. Fürs Bashing sorgte Christoph Sonntag.

Stuttgart - Wie erreicht man bildungsferne Eltern? Was kann man gegen massiven Unterrichtsausfall tun? Und weshalb dürfen Lehrer nicht per WhatsApp kommunizieren? Mit solchen Fragen wurde Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) beim öffentlichen „Elternabend“ im Cannstatter Kursaal konfrontiert. Viele Mütter und Väter, aber auch etliche Lehrer nutzten die Gelegenheit zur direkten Nachfrage.

Oder auch, um Frust abzulassen. Ein Elternvertreter aus einer neunten Realschulklasse berichtet von 19 Stunden Unterrichtsausfall gleich zu Schulbeginn und manchen Lehrern, die erst im Oktober ihren Dienst begonnen hätten. „Es können keine Arbeiten geschrieben werden, und später häuft sich alles“, kritisiert er. Eisenmann widerspricht nicht: „Ich hab Hunderte von offenen Stellen in diesem Schuljahr, auch im Realschulbereich.“ Grund seien die Pensionierungswelle sowie eine Lücke beim Lehrernachwuchs, da Realschullehrer inzwischen zwei Semester länger studieren. „Ja“, sagt sie, „das hätte man wissen können – aber wir haben den Bedarf nicht berechnet“. Da hat sie die ersten Lacher. Mit einem „Die Berechnungsfehler waren 2012/13“ bringt sie die Lachenden zum Schweigen.

Die Kultusministerin kündigt einen neuen Messengerdienst für Lehrer an

Eine Lehrerin berichtet: „Wir haben Eltern, die ausschließlich per WhatsApp zu erreichen sind, aber das dürfen wir ja nicht – warum eigentlich nicht?“ Die Ministerin klärt auf: WhatsApp sei unter Datenschutzgesichtspunkten nicht sicher. Sie kündigt an: „Wir werden bis Ende nächsten Jahres einen Messengerdienst für Lehrer anbieten, datenschutzgesichert.“

Nicole Schluchter, Real- und Werkrealschullehrerin aus Bad Friedrichshall, empfiehlt der Kollegin, mit den Eltern doch über den Schulplaner zu kommunizieren, ein Heft, das die Kinder daheim vorzeigen. Darauf die Lehrerin: „Wir haben Eltern, die das nicht lesen können.“

Auch eine zahlreiche oder engagierte Teilnahme am Elternabend bleibt an manchen Schulen ein frommer Wunsch. Ulla Seitz von der Elternstiftung Baden-Württemberg und ehemalige Rektorin, tröstet: „Ich glaub nicht, dass man alle Eltern erreichen kann. Nichtteilnahme ist auch ein Elternrecht.“

Ein Stuttgarter Elternvertreter zeigt kein Verständnis für Elternabendschwänzer

Martin Schick, Elternvertreter aus dem Stuttgarter Dillmann-Gymnasium, sieht das anders: „Eltern sollen Vorbild sein.“ Auch für Kinder, die sich ebenfalls engagieren sollten. „Bei uns“, sagt er, „war der Elternabend immer voll“. Christian Jeisel, ebenfalls gymnasialer Elternvertreter, aus Wendlingen, berichtet, dort sei man gemeinsam mit dem Ordnungsamt gegen Elterntaxis vorgegangen, indem man jeden Fahrer angesprochen habe. Womöglich ein Vorbild für Stuttgart?

Auch Christoph Sonntag sitzt auf dem Podium – als Kabarettist, aber auch als Vater von vier Kindern. Er erheitert das Publikum unter anderem, indem er sich über Waldorfschulen lustig macht und erklärt, man müsse nicht alles glauben, was in der Zeitung stehe. Auf Elternabenden pflege er sich immer wegzuducken, habe dann aber doch einen Brötchenbackauftrag kassiert. Und per Backshop erledigt.

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