30 Jahre ist es her, als im Hinterhof der Bismarckstraße engagierte Mütter und Väter den Verein Eltern-Kind-Zentrum Stuttgart-West gründeten. Heute ist das EKiZ im Generationenhaus West Treffpunkt für Menschen jeglichen Alters.
„Erziehungsurlaub hieß Elternzeit.“ Lebendig erzählt Werner Arenskrieger von 1991, als sein erstes Kind geboren wurde und er ein halbes Jahr zuhause blieb. „Das war schön – und herausfordernd, anders als im Beruf. Dein Umfeld bricht weg. Da entdeckte ich diesen offenen Treff. Ohne Termin konnte ich mit unserem Sohn hin, mich austauschen.“ Arenskrieger meint den Mutter-Kind-Treff der Arbeiterwohlfahrt (Awo) im Hinterhof der Bismarckstraße. Andrea Laux hatte diesen 1986 über das Alleinerziehenden-Programm der Landesregierung initiiert.
In den 1980ern wurden bundesweit Mütterzentren (Müze) gegründet, ermutigt vom Buch „Mütter im Zentrum. Mütterzentrum. Wo Frauen mit ihren Kindern leben“. Die engagierten Eltern der Bismarckstraße nannten den Förderverein, den sie am 6. Juli 1993 gründeten, „Eltern-Kind-Zentrum Stuttgart-West EKiZ e.V.“. Von den 25 Mitgliedern waren fünf Väter, Werner Arenskrieger einer von fünf Gründungsvorständen. Seine Frau Elke, die im EKiZ Personal und Öffentlichkeitsarbeit leitet, erinnert sich: „Ohne Vereinsstruktur war es schwer, öffentlich und sozialpolitisch zu agieren, etwa Fördergeld zu bekommen.“
Ein Treffpunkt für Eltern, Kinder, Opas, Omas, Freunde, Nachbarn
Felizitas Keller, ebenfalls Gründungsmitglied, nickt. „Wir konnten nun Spenden nehmen“, sagt die einstige Sozialpädagogin. Als Alleinerziehende war sie froh, Menschen in ähnlichen Lebenssituationen zu treffen. „Zuvor berufstätig, bist du plötzlich mit Kind allein!“ Sie wollte keinen der üblichen Bastel- und Krabbelkurse, sondern ein Mutterkind-Programm. Im EKiZ zunächst „Hilfesuchende“ begann sie ehrenamtlich mitzuarbeiten, dann fest, bis 2018 war sie Geschäftsführerin. Sie konzipierte neue Angebote, etablierte 1998 eines ihrer Herzensprojekte, den Second-Hand-Laden – und wusch schon mal Wäsche des EKiZ zuhause. Dort sollten auch ihre Kinder als Erwachsene helfen. „Viele kommen wieder – für ein Freiwilliges Soziales Jahr, Berufsorientierungspraktikum – oder sie sind im Jugendrat: Sie haben Engagement gelernt.“ Nun in Rente kommt Keller zum Mittagessen ins EKiZ-Café, freut sich, wie der Nachwuchs Krabbelinsel und Spielecke erobert. „Ein Treffpunkt für alle! Eltern und Kinder, Opas und Omas, Freunde und Nachbarn.“ Wie heißt es auf einem alten Flyer? „Willkommen im Mütter-Kind-Zentrum – wo nicht nur über Windeln und Babybrei geredet wird!“
Im Jahr 2006 kam die Auszeichnung „Leuchtturmhaus“
Anfangs traf man sich vier halbe Tage pro Woche, im Mini-Kindergarten und Kindersingen, gründete den Landesverband „Mütterforum“ mit und den Verein „Plattsalat e.V.“, um allen Bioprodukte zu bieten. 1999 übernahm EKiZ e.V., nun Freier Träger, das Landesprogramm Mutter + Kind von der Awo, beschäftige vier Angestellte. Das Projekt „Sternschnuppe“ war eine der ersten Kinderbetreuungseinrichtungen mit Platzsharing-Modell für Kinder zwischen 0 bis 4 Jahren. 2001 dann der Umzug in das Generationenhaus West der Rudolf Schmid und Hermann Schmid Stiftung, fünf Jahre danach kam im Bundesprogramm der Mehrgenerationenhäuser die Auszeichnung „Leuchtturmhaus“.
Auf EKiZ-Initiative kam die Regelfinanzierung für die Stadtteil- und Familienzentren in Stuttgart. Weitere Angebote: Schülermittagstisch, Hausaufgabenbetreuung, Ganztages-Kita-Außenstelle, Angebote für Geflüchtete, Frühchen- und Zwillingstreff, Bewegungsbaustelle, Yoga, Basteln, Frauenchor, Vorträge, das Rat & Tat Büro und mehr.
Ein Ort für Gemeinschaft, soziale Kontakte, Impulse und Ideen
„Wir reagieren auf die Bedarfe“, resümiert Elke Arenskrieger. Etwa darauf, dass Eltern mobil arbeiten. Im Café am Laptop sitzend sehen sie ihre Kinder im EKiZ-Garten spielen – und können sicher sein, dass auch andere aufpassen. „Da werde ich sitzen, wenn ich bald wieder arbeite“, lächelt die SAP-Beraterin Livia Bröhl. Ihr drei Monate alter Paul schlummert im Kinderwagen, Hugo, drei Jahre, ist bei Freunden. „Ich werde Vereinsmitglied!“ Schon jetzt bringt sie ihr Computerwissen ein. „Hier kann ich als Mutter mal loslassen, zur Ruhe kommen, Gemeinschaft und soziale Kontakte finden, Offenheit und Freiraum, Impulse und Ideen. Es ist wichtig, solch eine Initiative zu unterstützen.“
Das freut Arenskrieger. Lang lag die Zahl der Mitglieder bei konstant über 700. „Durch Corona sank sie auf nun rund 650.“ Man habe viele Online-Angebote geschaffen. „Die Pandemie zeigte auch, wie ein Treff ist. Der Mensch ist ein soziales Wesen!“ Durch eine Mitgliedschaft könne jeder das EKiZ finanziell und ideell unterstützen. Neben regelmäßigen Team-Sitzungen findet zwei Mal im Jahr ein Plenum für aktive Ehrenamtliche und Mitarbeitende statt. „Wir entwickeln gemeinsam Projekte. Alle können auf Augenhöhe mitmachen, an Prozessen teilhaben, Gesellschaft mitgestalten, auch politisch, Ziele erreichen.“
Sich einzubringen, zu erleben, was man bewirken könne, mache Spaß, bestätigt Antje Reifferscheidt. „Wir pflanzen die Werte für die nächste Generation!“, sagt die Pflegefachkraft, seit 27 Jahren im Verein. „Meine Familie lebt im Norden, ich war alleinerziehend, das EKiZ wurde zur Heimat. Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein!“
Weitere Informationen unter: www.eltern-kind-zentrum.de