Der Selbstbedienungsautomat ist wieder da – und jetzt besser vor Übergriffen geschützt. Foto: Christian Kempf

Eltern in Marbach (Kreis Ludwigsburg) beschweren sich über ein Gerät, das unter anderem mit Naschwerk bestückt ist. Kurzzeitig war der Verkauf ausgesetzt. Nun droht neuer Unmut.

Es schien so, als könnten die besorgten Eltern und Lehrer aufatmen. Der Selbstbedienungsautomat an der Ecke Poppenweilerstraße/Weimarstraße direkt beim großen Schulcampus in Marbach war nach den Osterferien nicht mehr in Betrieb. Kids konnten sich aus dem Gerät also keine Schokolade, Chips oder Energydrinks mehr ziehen. Eine Nahrungspalette, die den Müttern und Väter ein Dorn im Auge war. Auch Volker Müller, Leiter des angrenzenden Friedrich-Schiller-Gymnasiums (FSG), wirkte erleichtert. Der Automat sei vom Netz genommen worden, das sei „für uns das Wichtigste“, erklärte er am Montagmorgen.

 

Da wusste Müller freilich noch nicht, dass sich das Blatt kurz zuvor wieder gewendet hatte. Am Sonntag sei ein neuer, nun besser gesicherter Automat auf dem Grundstück gegenüber der Festwiese aufgestellt worden, sagt der Betreiber Romica Kovacs. Das alte Gerät war auch mitnichten ausgestöpselt worden, weil Kovacs wegen der Eltern-Proteste kalte Füße bekommen hätte. Vielmehr sei „der Automat am 13. April aufgebrochen worden“, sagt der Geschäftsmann. Die Hälfte des Sortiments sei weg gewesen. Ob die Automaten-Knacker die Ware entwendet oder sich vielleicht in der Folge auch Passanten an dem offenen Gerät bedient haben, vermöge er nicht zu sagen. Tatsache ist jedenfalls, dass Kovacs einen neuen Anlauf mit einer per Gitter geschützten Maschine unternehmen wollte. Was jetzt der Fall ist.

„Ich habe nicht vor, den Standort aufzugeben“, betont er. „Ich verkaufe keinen Alkohol, keine Zigaretten und keine Spielsachen. Nichts, was süchtig macht. Ich will keinem schaden“, erklärt er. Er setze darauf, dass Eltern bei ihren Kindern Aufklärungsarbeit leisteten und ihrem Nachwuchs vermittelten, was gut und was vielleicht weniger gut für sie sei. Er schätze die freiheitlichen Werte in Deutschland, halte weniger davon, alles über Verbote regeln zu wollen.

Betreiber: nur eine Dose Red Bull während der Schulzeit

Gleichzeitig verstehe er die Bedenken der Mütter und Väter. Er beteuert aber, dass während der Schulzeit beispielsweise nur eine einzige Dose Red Bull an dem Automaten geordert worden sei. Sollte sich das ändern und überhandnehmen, könne er gegensteuern und einzelne Fächer mit einer Altersfreigabe versehen, erklärt Kovacs. Die Daten über den Zeitpunkt der einzelnen Käufe ließen sich am Computer auslesen.

Allerdings nehmen die Eltern nicht nur an dem Sortiment Anstoß. Ihnen schmeckt auch der Standort an der Kreuzung zwischen Weimarstraße und Poppenweilerstraße nicht. Die meisten Schüler halten sich im Normalfall auf der Seite des Festplatzes auf. Der Automat steht aber direkt gegenüber, sodass die Kinder und Jugendlichen auf dem Weg dahin die mitunter stark befahrende Weimarstraße queren müssen. Romica Kovacs hebt hervor, dass er bereits eine Stellfigur besorgt habe, mit der man damit werbe, hier auf Kinder zu achten. Außerdem sei am Automat ein Bewegungsmelder installiert, der ein Licht aktiviere, damit die jungen Kunden bei Dunkelheit im Winter besser gesehen werden können.

Volker Müller, Leiter des angrenzenden Gymnasiums, dürfte das alles nicht reichen. Man werde bei der Sache am Ball bleiben, damit der Automat „dort auf keinen Fall stehen bleiben kann“, erklärt er.

Kommune hat keine rechtlichen Möglichkeiten

Fraglich somit, ob Kovacs den Chef des Gymnasiums vom Gegenteil überzeugen kann. Der Geschäftsmann bietet Müller und der Stadtverwaltung aber einen Austausch und Transparenz zum Warenverkauf an, um darzulegen, dass die jungen Abnehmer nicht in Massen Süßigkeiten herausließen oder gar „gefährliche Sachen“. So oder so: Die Kommune hat keinen rechtlichen Hebel, um einen Abbau des Geräts zu erzwingen. Darauf weist der Marbacher Bürgermeister Jan Trost hin. „Der Automat steht auf einem Privatgelände. Da sind die Handlungsmöglichkeiten gleich null“, erklärt er.