Der neueste Kindergarten in Marbach ist zum Sorgenkind geworden. Foto: Avanti/Ralf Poller

In der Einrichtung in Marbach am Neckar fehlen unter anderem krankheitsbedingt Erzieherinnen. Das führte zu einer Notbetreuung, die Öffnungszeiten sind verkürzt. Eine Mutter spricht von einer „Katastrophe“.

Was den Mangel an Erzieherinnen anbelangt, scheint man in Marbach aus dem Allergröbsten heraus zu sein. Man habe „sehr viele offene Stellen besetzen können“, resümierte Madlen Geoghegan jetzt im Verwaltungsausschuss des Gemeinderats. Zugleich machte die städtische Fachberaterin für Kindertagesstätten keinen Hehl daraus, dass es vor allem eine Einrichtung gibt, in der es brennt: das Kinderhaus Lauerbäumle. „Das bereitet uns aktuell die größten Sorgen“, sagte Geoghegan.

 

Langzeiterkrankungen, Schwangerschaften und anderes mehr hatten personelle Engpässe heraufbeschworen und in der Konsequenz verkürzte Öffnungszeiten bis hin zu einer Notbetreuung bedingt. Bedeutet: manche Mädchen und Jungs durften nur tageweise kommen. „Das sind Ausfälle, die für uns nicht planbar waren“, betonte Geoghegan. Es fehle aktuell Personal, das mehr als drei Vollzeitstellen entspricht. „Das ist etwas, das uns natürlich sehr beschäftigt“, sagte die städtische Mitarbeiterin. Inzwischen hat sich die Situation wieder halbwegs eingerenkt, auch weil die Fachberaterin interimsweise selbst mit anpackt.

Allerdings rumort es bei den Eltern weiter. Nach wie vor haben diejenigen Mütter und Väter ein Problem, die einen Ganztagesplatz gebucht haben und diesen berufsbedingt benötigen. Zurzeit gelten lediglich verlängerte Öffnungszeiten, die Kids müssen also um 13.30 Uhr abgeholt werden, können nicht wie früher bis 15.30 Uhr in der Obhut der Erzieherinnen bleiben. „Die Eltern schlucken das alles irgendwie noch. Aber wir gehen am Stock. Mehrere von uns würden ihre Kinder gerne in eine andere Einrichtung bringen“, sagt eine Mutter, die ihren Namen aus Angst vor daraus womöglich entstehenden Nachteilen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte.

Kritik an der Kommunikation

Wer berufstätig sei, müsse permanent die Betreuung der Kinder am Nachmittag oder ihr Abholen organisieren und zum Beispiel die Großeltern einspannen. In den ersten zwei bis drei Monaten des vergangenen Kindergartenjahres habe alles funktioniert, seitdem befinde man sich praktisch dauerhaft im Ausnahmezustand. „Es ist eine Katastrophe“, sagt die Mutter. Man müsse jederzeit damit rechnen, dass sich die Situation wieder zuspitzt und der aktuell stabile Zustand nur ein Zwischenspiel ist. Und die Kommunikation vonseiten der Stadtverwaltung sei „sehr schlecht. Wir haben erst auf Nachfrage erfahren, dass im März 2025 die Ganztagesbetreuung wieder aufgenommen werden soll. Außerdem sind wir im Unklaren, wann wir das Geld für die ausgefallenen Betreuungszeiten zurückbekommen. Dabei könnte man solche Dinge doch einfach über die Kindergartenapp mitteilen“, ärgert sich die Frau, die von der Kritik ausdrücklich die Erzieherinnen ausnimmt. „Die können ja nichts dafür“, sagt sie.

Missstimmung rufe bei ihr und anderen auch der Umstand hervor, dass die Stadt auf Ideen zur Verbesserung nicht eingehe. „Wir haben bei einem außerordentlichen Elternabend Vorschläge unterbreitet, doch wie gegen eine Wand geredet“, sagt sie. Die Anregung, dass Mütter und Väter bei der Betreuung mithelfen könnten, sei zum Beispiel mit dem Hinweis auf den Datenschutz abgebügelt worden. Die Haltung zu Quereinsteigern sei im Rathaus ebenfalls eher reserviert. „Ich weiß, dass wir keinen Rechtsanspruch auf einen Ganztagesplatz haben. Aber ich habe aus meiner Sicht einen Vertrag darüber mit der Stadt abgeschlossen und würde mir wünschen, dass die Stadt dann auch ihren Pflichten nachkommt“, sagt sie Mutter.

Franziska Wunschik, die Erste Beigeordnete der Stadt, hat Verständnis für die Sorgen und Nöte der Eltern. Man wolle ihnen aber auch ein verlässliches Angebot unterbreiten und nichts übers Knie brechen. Deshalb werde bei einer Neueinstellung stets die Probezeit abgewartet. Erst nach deren Ablauf und bei Erfüllung des Mindestpersonalschlüssels sei es also möglich, die Betreuungszeit wieder auszudehnen. „Bei einer Einstellung im September beispielsweise wäre der früheste Zeitpunkt März 2025. Da noch immer nicht alle offenen Stellen besetzt sind, kann hier keine verlässliche Aussage getroffen werden“, sagt Wunschik, die zudem bestätigt, dass sich die Eltern bei der Betreuung hatten einbringen wollen. „Wir haben daraufhin die Möglichkeit aufgezeigt, dies in geeigneten Räumen des Elternforums durchzuführen. Dies wurde jedoch nicht in Anspruch genommen“, erklärt sie.

Für Quereinsteiger sei man im Gegensatz zu der Annahme der Mutter offen, habe festgestellt, „dass dies eine gute Möglichkeit ist, um neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu gewinnen und qualifizieren“.

Stadt will keine falschen Versprechungen machen

Zu dem Vorwurf der mangelhaften Kommunikation erklärt Wunschik, dass der Austausch mit den Müttern und Vätern hauptsächlich über die Leitungskräfte des Kindergartens erfolgt sei. Der Träger, also die Stadt, habe durch Elternbriefe und Elternabende informiert, ferner habe ein Austausch mit dem Elternbeirat stattgefunden, der die Ergebnisse weitergegeben habe. Wunschik versichert zudem, dass die Mütter und Väter in puncto Neueinstellung stets auf dem Laufenden gehalten würden.

Rein baulich reichen die Plätze

Ganztagsplätze
Der Kindergarten Lauerbäumle ist in Marbach die Einrichtung, die personell gesehen am stärksten am Stock geht. Ansonsten hat sich die Situation im Vergleich zum vergangenen Jahr offenbar weitgehend entspannt, es konnten viele offene Stellen besetzt werden. In den Ganztagskindergärten Kunterbunt und Ahorn könne verlässlich eine Acht-Stunden-Betreuung angeboten werden, erklärt die städtische Fachberaterin Madlen Geoghegan im Verwaltungsausschuss.

Kapazitäten
Rein baulich scheint die Kommune bei den Betreuungsplätzen ohnehin auf einem guten Weg. Rechnerisch reichen die Kapazitäten laut Bedarfsplan aus. Selbst im Stadtteil Rielingshausen, wo es lange nicht so rosig aussah, hat sich die Situation demnach mit der Erweiterung des Kindergartens Wiesenzauber an der Backnanger Straße gebessert. In den nächsten Jahren dürfte vor allem in der Kernstadt das Angebot sogar die Nachfrage übersteigen.