Junge Frauen in technischen Berufen und Ausbilderinnen aus der Region Stuttgart berichten in einer digitalen IHK-Runde der Frau des Bundespräsidenten von ihrer Arbeit.
Remshalden - Was lange währt, wird endlich gut – auf die IHK-Veranstaltung mit Elke Büdenbender trifft das zu. Nachdem die virtuelle Runde mit der Frau des Bundespräsidenten zum Thema „Mädchen in MINT-Berufen“ schon mehrmals verschoben worden war, war sie nun um so ergiebiger. Und der Ehrengast wurde ausgiebig begrüßt. „Toll, Sie dazuhaben. Sie haben digital den Weg nach Stuttgart gefunden, und wir wollen viele unserer Botschaften nach Berlin tragen“, sagte Marjoke Breuning, Präsidentin IHK Region Stuttgart, als der Kopf von Elke Büdenbender – bezeichnenderweise mit dem Namen Bellevue – in der Videoschalte auftauchte.
Mädchen in technischen Berufen geben Einblicke in ihre Arbeit
Doch bevor die Frau von Frank-Walter Steinmeier zu Wort kommen durfte, waren erst mal die Mädchen in den sogenannten MINT-Berufen, also in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, an der Reihe. Die Azubis im ersten bis dritten Lehrjahr gaben einen anschaulichen Einblick in ihre Arbeit. Dabei führten die Mechatronikerinnen, die technische Produktdesignerin, die Fachkraft Lagerlogistik und die Werkzeugmechanikerin auch Arbeitsgeräte wie einen Roboter, einen 3-D-Drucker oder einen Bluetooth-Messschieber vor. Als Thilo Lindner, ihr Betreuer vor Ort im IHK-Bildungshaus Grunbach, dann auch noch Stichworte wie digitale Lernbücher, Berichtshefte und Dokumente einwarf, war eines schnell klar: Hier sind nicht nur Auszubildende erfolgreich in vermeintlichen Männerberufen, sondern diese werden auch immer computergesteuerter. „Wir Ausbilder merken das und müssen das Digitale vorantreiben und die Handyaffinität der Generation nutzen“, sagte er.
Die First Lady stellt den Auszubildenden jede Menge Fragen
Dann war endlich die First Lady an der Reihe und wollte gar nicht mehr aufhören mit dem Fragenstellen. Wie die Mädchen zu den Berufen gefunden hätten, wie die Akzeptanz bei Kollegen und Freunden sei, wie sich die Pandemie auf die Ausbildung auswirke und ob die Ausbildung auch so sei, wie sie sich das vorgestellt hätten?
Die Befragten machten einen rundum zufriedenen Eindruck. Dass es durch Corona weniger zu tun gebe, bedeute im Umkehrschluss, dass mehr Zeit für Erklärungen bleibe. Bevor die Azubis in die kleinen und mittelständischen Betriebe in Stuttgart und dem Rems-Murr-Kreis kommen, erlernen sie in der Lehrwerkstatt des IHK-Bildungshauses im ersten Ausbildungsjahr Grundlagen- und Fachkenntnisse. Und auch danach sind sie im Wechsel in der Berufsschule und im Betrieb. „Von dieser dualen Ausbildung und ihrer hohen Qualität bin ich überzeugt“, sagte Elke Büdenbender und gab auch Einblicke in ihren Werdegang. Bevor sie Rechtswissenschaften studierte, lag schon eine Ausbildung zur Industriekauffrau hinter ihr.
Die Zahl der erwerbstätigen Frauen in MINT-Berufen ist gestiegen
Die Zahl der erwerbstätigen Frauen in MINT-Berufen ist von 2013 bis 2018 von 226 000 auf 248 000 um fast zehn Prozent angestiegen. Damit hat der Frauenanteil von 15,1 auf 15,8 Prozent zugenommen und liegt über dem Bundesdurchschnitt. Baden-Württemberg hat mit 34 Prozent den bundesweit höchsten Anteil an MINT-Beschäftigten. Spätestens als in einem zweiten Block Ausbildungsleiterinnen von mittelständischen Betrieben im Kreis von der Azubi-Lage bei ihnen berichteten, wurde klar: Nicht nur, aber auch wegen Corona muss gerade das Augenmerk nicht nur auf der Gewinnung weiblicher Azubis liegen, sondern es fehlt generell an geeignetem Nachwuchs.
Die Frauen in Führungsbereichen aus Unternehmen der Region Stuttgart waren sich einig, dass es aktuell schwierig sei, an Jugendliche heranzukommen und viele wegen der Krise und fehlender Hilfe der Eltern durchs Raster fielen. Hier sei Unterstützung nötig. „Die IHK ist da sehr aktiv, aber an die Schwächeren kommen wir auch nicht ran. Viele Eltern wollen unbedingt, dass ihr Kind studiert, dabei braucht es technische Fachkräfte“, sagte Andrea Bosch von der IHK Region Stuttgart. Die First Lady versprach, die Hinweise und Probleme mit nach Berlin zu nehmen. Sie hätte noch viele Fragen gehabt, doch am Ende blieb nur noch Zeit zu loben: „Ich habe tolle starke Frauen kennengelernt, die einen klasse Job machen.“