Elizabeth II. in Stuttgart "Gin und Tonic" für die Queen

Von Theresa Schäfer 

Eintrag ins Goldene Buch der Stadt: Queen Elizabeth II. mit Stuttgarts OB Arnulf Klett. Im Hintergrund: Prinz Philip. Foto: dpa
Eintrag ins Goldene Buch der Stadt: Queen Elizabeth II. mit Stuttgarts OB Arnulf Klett. Im Hintergrund: Prinz Philip. Foto: dpa

Tragen die Damen Hut? Wer darf mit der Queen im Aufzug fahren? Und was bietet man als Erfrischung an? Der Besuch von Elizabeth II. und Prinz Philip in Stuttgart brachte vor 50 Jahren die Mitarbeiter im Rathaus ins Schwitzen.

Suttgart - Dem Zufall wurde nichts überlassen, als Queen Elizabeth II. und ihr Mann, Prinz Philip, am 24. Mai 1965 Stuttgart besuchten. Das geht aus einem Protokoll der Rathausverwaltung hervor, das im Stadtarchiv lagert. Das Dokument zeigt, wie detailliert die Mitarbeiter von Oberbürgermeister Arnulf Klett den royalen Besuch vorbereiteten. So machte man sich beispielsweise über die Kleiderordnung ("Stresemann oder schwarzer Anzug? Damen mit oder ohne Hut?") und die angemessene Begrüßung ("Hofknicks oder nicht?") Gedanken.

Bilder von damals: Als die Queen durch Stuttgart fuhr

Mögliche Blumengrüße für die Monarchin machten der Stadtverwaltung offenbar besondere Sorgen: So sollten die Stuttgarter über die lokale Presse dazu aufgerufen werden, Elizabeth bei ihrer Autofahrt durch den Kessel keine Sträuße zuzuwerfen, "weil dies in England als unhöflich gilt". Bei ihrer Ankunft am Fernsehturm sollte die Königin von Kindern Blumen überreicht bekommen - allerdings, da ist das Protokoll ganz klar, nur "kleine Sträuße".

Wer darf mit der Queen in den Aufzug?

Die anschließende Aufzugfahrt in die Kanzel des Fernsehturms stellte die Organisatoren des Staatsbesuchs vor besondere protokollarische Herausforderungen: Wie viel Gedränge darf dem Oberhaupt von 53 Commonwealth-Staaten zugemutet werden? Schließlich entschied man sich dazu, OB Klett und Ministerpräsident Kurt Georg Kiesinger samt Frauen in einen Aufzug mit dem Königspaar zu stecken. Für die Queen "sollte an der Rückseite eine schmale Polsterbank zur Verfügung stehen." Auch an Erfrischungen wurde gedacht: Der Queen und Prinz Philip sollte "Gin und Tonic, Whiskey und Orangensaft" angeboten werden - und das am hellichten Nachmittag.

Nach dieser Stärkung trugen sich die Königin und ihr Gatte ins Goldene Buch der Stadt ein. Dabei fassten sie sich kurz: "Elizabeth R." - das R steht für Regina, das lateinische Wort für Königin - und "Philip" stehen samt schwungvoller Schnörkel mitten auf der sonst weißen Seite. Dazu hat die Queen das Datum notiert. Es ist das falsche: Nicht am 23., sondern am 24. Mai besuchte sie die baden-württembergische Landeshauptstadt.

Der Eintrag im Goldenen Buch

Auch für Regen hatte man geplant

Das Wetter machte mit an diesem Montag vor 50 Jahren: Doch auch für einen Regentag hatte man im Rathaus vorgeplant. Vom Parkplatz am Fernsehturm bis zum Turmeingang stand die "weibliche Polizei" Spalier. Bei Regen sollten "die Politessen" (so nannte man sie damals) "als Schirmträgerinnen fungieren."

Etwa ein Jahr später bekam der Buckingham Palace Post aus dem Schwäbischen: OB Klett schrieb "Ihrer Majestät Königin Elizabeth II. von Großbritannien", um sich für den Besuch zu bedanken und der Queen ein Erinnerungsalbum zu offerieren. Der Brief fiel überschwänglich aus: "Die Freude und Begeisterung über den Besuch, den Sie und Seine Königliche Hoheit Prinz Philip Stuttgart abgestattet haben, sind in der Erinnerung unserer Bürgerschaft lebendig und unvergessen."

Der Dankesbrief von OB Arnulf Klett

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