Sven Regener mit seiner Band Element of Crime, bei ersten von zwei Stuttgart-Konzerten Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Sven Regener ist mit seiner Band Element Of Crime in Stuttgart aufgetreten. Beim ersten von zwei Konzerten im Theaterhaus gab es wunderbar inszenierten Chansonpop voller hübscher Regnerismen zu hören.

Stuttgart - „Romantik!“ ruft die Sven Regener, wirft enthusiasmiert die Arme in die Höhe. Es ist Dienstagabend, Regeners Band Element Of Crime hat sich gerade bei ihrem ersten von zwei Auftritten im Stuttgarter Theaterhaus warm gespielt und die Nummer „Mehr als sie erlaubt“ in eine zackige Polka verwandelt, bei der auch Regeners Trompete und Rainer Theobalds Saxofon ein kurioses Tänzchen wagen.

Knapp 1 600 Zuhörer feiern die Band um den Bestsellerautor Regener („Herr Lehmann“), der wieder einmal den herrlich schnoddrigen Alleinunterhalter spielt. Zwischen den Liedern doziert er auch mal mit norddeutscher Lakonie über fließende Gewässer und niedersächsische Kleinstädte, und in den Liedtexten erzählt er mit kunstvoller Beiläufigkeit entlang von Erdbeermarmeladenbroten, Nudelsalaten, erzürnten Subarufahrern oder defekten Türklingeln von den großen Dingen des Lebens.

Natürlich stehen fast alle Songs des aktuellen Albums „Lieblingsfarben und Tiere“ auf dem Programm.Von der süffisant-kauzigen Fassbinder-Paraphrase „Liebe ist kälter als der Tod“ über die Hippie-Nostalgie „Schwert, Schild und Fahrrad“ bis zum Liebeslied „Dieselben Sterne“, mit dem Element Of Crime nach drei Zugabenblöcken das Konzert beenden und in dem es so schroff-schöne Regnerismen gibt wie: „Ruf mich an, wenn du die Schnauze voll hast!“

Live erlebt man aber auch einen durchaus kritischer Umgang mit älteren Material. Stücke der früheren Alben werden kräftig durchgeschüttelt. In „Damals hinter Mond“ hat die funky Gitarre von Jakob Ilja das Kommando übernommen, während die Stroboskop-Scheinwerfer grell blitzen und die Stimme des unheimlich von unten beleuchteten Sven Regener ungewohnt krächzt. Fast rezitativ gerät die Interpretation von „Weißes Papier“, „Immer da wo du bist bin ich nie“ wird zu einem fiesen Boogie. Und „Alten Resten eine Chance“, der schönste aller Element-Of-Crime-Songs, entwickelt eine betörend-tänzerische Leichtigkeit: „Deine Hand in meinen Haaren, mein Gebiss an deinem Hals / So stolpern wir durch das Morgenlicht / Doch genug der schönen Worte / Es geht auch ohne, dass man spricht“, singt Regener bevor die Trompete und das Saxofon dem Publikum mit wunderbar verschnörkelten Melodien einmal mehr ein beglücktes Lächeln in die Gesichter zaubern.

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