Euronics in Echterdingen schließt. Die Konkurrenz durch andere Elektrofachmärkte und das Internet ist groß, heißt es aus dem Unternehmen. Foto: Caroline Holowiecki

Ob kleine oder große Läden – die Konkurrenz mit Internethändlern wächst. Der Elektrofachmarkt Euronics in Echterdingen wird am Samstag zum letzten Mal öffnen. Ein Einblick in die Branche auf den Fildern.

Echterdingen - Alles muss raus! Gelb-rote Schilder an der blauen Fassade läuten das Ende des Euronics-Marktes in Echterdingen ein. Der Elektrofachhändler an der Nikolaus-Otto-Straße öffnet an diesem Samstag zum letzten Mal. „Die wirtschaftliche Entwicklung des Standortes hat nicht unseren Erwartungen entsprochen“, heißt es aus der Zentrale in Ditzingen. Euronics Deutschland ist eine genossenschaftlich organisierte Einkaufsgemeinschaft. 1400 Mitgliedsbetriebe führen knapp 1600 Filialen.

Der Markt in Echterdingen wird als sogenannter Regiebetrieb von Euronics selbst unterhalten. Es sei geplant gewesen, den Standort perspektivisch an ein Euronics-Mitglied zu übergeben, „dieses Vorhaben konnte leider nicht realisiert werden“.

In unmittelbarer Nähe befindet sich die Konkurrenz: Media Markt. Möglicherweise waren zwei einer zu viel. Eine Antwort aus der Zentrale lässt diesen Schluss zu. „Die Wettbewerbssituation in der Consumer-Electronics-Branche ist sehr ausgeprägt, dies gilt insbesondere für den Großraum Stuttgart. Hinzu kommt die Verschärfung des Wettbewerbs durch den Internethandel“, heißt es.

Euronics gehört eigentlich zu den Platzhirschen in der Branche

Dabei ist in dem Segment viel zu holen. Der Elektronikfachhandel in Deutschland erwirtschaftet einen Gesamtumsatz von rund 33 Milliarden Euro, vermeldet das Statistik-Portal Statista. Jeder Bundesbürger gebe demnach pro Jahr etwa 750 Euro für Technikartikel aus. Euronics gehört dabei zu den Platzhirschen – neben Ceconomy (unter anderem Media Markt und Saturn) oder Expert. Im Geschäftsjahr 2017/18 erwirtschafteten die Euronics-Mitglieder einen Außenumsatz von 3,4 Milliarden Euro und einen Zentralumsatz von 1,47 Milliarden Euro, der reine Online-Umsatz konnte um 75 Prozent gesteigert werden, heißt es in einer Unternehmensmitteilung vom März.

Allerdings ist der Druck durch die Internet-Konkurrenz immens – laut Statista im Bereich Elektronik stärker als im übrigen Einzelhandel. „Laut einer Erhebung der Uni Augsburg haben Technikkaufhäuser besonders unter dem sogenannten Showrooming zu leiden, also dem Phänomen, dass Kunden Produkte im Laden in Augenschein nehmen, dann aber online bei der Konkurrenz ordern“, heißt es. Statista zitiert eine Befragung von 2018. Rund drei Viertel der Befragten hätten angegeben, beim Kauf von Elektronikartikeln Internetportale heranzuziehen.

Die Stammkunden in Stuttgart-Degerloch seien gealtert

Ob groß, ob klein: Die Branche wird von vielen Problemen geplagt, sagt auch Rolf Reihle, der Chef des Elektroladens in Degerloch, der seinen Nachnamen trägt. Seit bald 90 Jahren gibt es das Geschäft am Ort, und die Branche sei „zweifellos unter Druck“, vor allem auch in Sachen Nachfolge. Dass der Internethandel boomt, merkt er indes weniger. Seine Stammkunden seien mit ihm gealtert – Rolf Reihle hat die 80 überschritten –, „die wollen weniger die Preise drücken“. Punkten könne er mit Kundendienst, Ersatzteilen und Beratung, zudem mit dem zweiten Standbein, dem Bereich Elektroinstallation. Er sei einer der Letzten seiner Art. Rolf Reihle ist realistisch: Junge Leute könne er mit seinem Angebot nicht erreichen, „die Jungen wechseln eher ins Internet“.

Für die bald leer stehende Euronics-Fläche in Echterdingen gibt es schon – branchenfremde – Interessenten, ist aus Ditzingen zu hören. Zur Zahl der Mitarbeiter und der Frage, was mit ihnen nach der Schließung des Echterdinger Standorts passiert, werden indes keine Angaben gemacht.

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