Die batteriebetriebene B-Klasse von Mercedes Foto: Max Kovalenko

Die Zwischenbilanz nach sechs Monaten und 50 000 Kilometern, davon die Hälfte ohne Fahrgäste, zeigt großes Verbesserungspotenzial bei Elektroautos auf, die als Taxen genutzt werden.

Stuttgart - Bund, Land, Autohersteller und Forschungsinstitute haben sich zum Ziel gesetzt, bis 2020 eine Million Elektroautos auf Deutschlands Straßen zu bringen. Mit den Fahrzeugen sollen die Abkehr vom endlichen Öl und das Fahren ohne Schadstoffausstoß möglich werden. Um Erfahrung zu sammeln, wurden bundesweit beim „Schaufenster Elektromobilität“ Forschungsvorhaben gestartet. Eines rollt in Form von fünf Elektrotaxen der Marke Mercedes (B-Klasse und ein Vito) in Stuttgart. Die Zwischenbilanz nach sechs Monaten und 50 000 Kilometern, davon die Hälfte ohne Fahrgäste, zeigt großes Verbesserungspotenzial auf.

Vier Taxifahrer, ein Vorstandsmitglied der Taxi-Auto-Zentrale Stuttgart und die Projektleiter berichteten am Dienstag in der Zentrale des Prüfunternehmens Dekra über ihre Erfahrungen. Im Publikum saß die vielfache Zahl an Ingenieuren und Wissenschaftlern. Die für Taxiunternehmern wohl wichtigste Botschaft kam auf Nachfrage ganz am Ende des Pressetermins: Die eingesetzte B-Klasse Electric Drive von Mercedes-Benz (39 151 Euro mit Batterie) ist für den Betrieb als Taxi überhaupt nicht zugelassen. Das räumte Mercedes-Projektleiter Andreas Söns ein. Das Fahrzeug sei „absolut wettbewerbsfähig“, sagte Söns, der Taxibetrieb zeitige aber ein „sehr hartes Profil“, weshalb der Wagen „noch nicht freigegeben worden ist“. Ob sich das ändern wird, ist unklar. Zunächst will Mercedes die Ergebnisse des Praxistests auswerten.

Die Taxiunternehmen im Test seien zwar zufrieden, es zeigten sich aber „sehr deutlich die Grenzen der Technik“, sagte Manfred Hülsmann, Vorstandsmitglied der Taxi-Auto-Zentrale Stuttgart. Reichweiten und Ladezeiten seien problematisch, auch die Versorgung der Taxi-Standplätze mit Ladestationen. Mercedes gibt im Prospekt der B-Klasse eine Reichweite von 200 Kilometern mit voller Batterie an. Die Taxler erreichten im Winter laut Hülsmann nur 80 bis 90 und im Betrieb ohne Heizungsnutzung 110 bis 120 Kilometer. Der batteriebetriebene Vito, ein Kleinbus, müsse nach 60 bis 80 Kilometern an die Steckdose. Nach vier bis fünf Stunden Fahrt müsse fünf bis sechs Stunden lang geladen werden.

Wegen der gegenüber einem dieselbetriebenen Taxi eingeschränkten Verfügbarkeit komme es zu Umsatzeinbußen von etwa einem Drittel, erläuterte der Taxiunternehmer Günther Mannschreck. Sehr zufrieden zeigten sich die Unternehmer mit dem Fahrverhalten. „Das Fahrgefühl ist sehr viel entspannter“, sagte Markus Kukral, der sich im Dauerbetrieb auch eine „geringere Abnutzung als beim Verbrenner“ erwartet. Damit das E-Taxi wettbewerbsfähig wird, sollten 400 Kilometer am Stück möglich sein, sagte Manschreck. „Deutschland braucht die E-Mobilität, auch als Wirtschaftsfaktor“, verdeutlichte Franz Loogen, Geschäftsführer der Landesagentur für E-Mobilität, die Bedeutung des Themas.

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