Der Ausbau der Elektromobilität ist das erklärte Ziel der Stadt. Foto: dpa/Jan Woitas

In Stuttgart sollen mehr als 300 weitere Ladesäulen für Elektrofahrzeuge installiert werden. Die Standorte für die neuen Schnellladesäulen auf der Filderebene stehen weitgehend fest. Doch es gibt auch noch viele ungelöste Probleme.

Filder - Der Ausbau der Elektromobilität ist das erklärte Ziel der Stadt Stuttgart. Sie war bei diesem Thema bundesweit Vorreiter. Zwischen 2012 und 2018 installierte die EnBW in Kooperation mit der Stadt etwa 200 öffentliche Ladesäulen und vier Schnellladesäulen. Dafür gab es Fördermittel vom Bund und vom Land. Doch diese Programme laufen nun aus. Das Thema Elektromobilität nimmt mittlerweile in allen deutschen Großstädten breiten Raum ein. Stuttgart steht zwar bezüglich der Anzahl der Ladepunkte pro Einwohner noch immer im bundesweiten Vergleich an der Spitze. Ende Februar waren hier 3920 Elektrofahrzeuge gemeldet. Doch der Vorsprung wird geringer. Nun möchte die Verwaltung nachlegen und die Ladeinfrastruktur weiter ausbauen.

Was sind AC- und DC-Ladesäulen?

Jeder kennt die Band AC/DC, doch nicht alle wissen, dass es sich dabei um die Abkürzungen für Gleich- und Wechselstrom handelt. AC steht für Alternating Current, also Wechselstrom, DC bedeutet Direct Current und damit Gleichstrom. Die sogenannten AC-Säulen sind die Normalladesäulen, wie es sie an vielen Stellen in der Stadt bereits gibt. Sie haben eine maximale Ladeleistung von 22 Kilowatt. Auch private Lademöglichkeiten, beispielsweise in der heimischen Garage, sind AC-Ladepunkte. Die DC-Säulen sind Schnellladesäulen, werden mit Gleichstrom betrieben und haben eine Ladeleistung von mehr als 22 Kilowatt.

Wie viele normale AC-Ladesäulen braucht es in Stuttgart?

Eine Studie hat gezeigt, dass in Stuttgart bis 2020 etwa 500 AC-Ladesäulen im öffentlichen Raum gebraucht werden. Das bedeutet, dass 300 neue Säulen aufgestellt werden sollten. Diese werden entsprechend der Einwohnerzahl und der Zahl der Beschäftigten in den insgesamt 152 Stadtteilen verteilt. Im Schnitt bekommt jeder zwei neue Standorte. Darüber hinaus werden zusätzliche Ladesäulen auf privaten Flächen benötigt und von der Stadt gefördert.

Wie viele Schnellladesäulen sind in der Landeshauptstadt geplant?

Zudem ist der flächendeckende Ausbau von Schnellladesäulen in der Region Stuttgart geplant. Vorgesehen ist, dass Autofahrer künftig von jedem Standort aus innerhalb von fünf Minuten ein DC-Lader erreichen können. Zu beachten ist zudem, dass Schnellladesäulen nicht zu weit vom nächsten Umspannwerk entfernt sein dürfen. Für die Landeshauptstadt bedeutet das, dass insgesamt 23 Schnellladepunkte gebraucht werden. Vier gibt es bisher, wobei sich aber nur einer auf städtischer Fläche befindet. 20 weitere werden also noch benötigt. Da im Laufe der Jahre mit einer steigenden Nachfrage zu rechnen ist, möchte die Verwaltung darüber hinaus zehn weitere Standorte untersuchen, die gegebenenfalls später realisiert werden können.

Wer installiert die Ladesäulen?

Die Stadt selbst baut und betreibt keine Ladesäulen und möchte das auch in Zukunft nicht tun. Nach Abschluss der Pilotphase mit Fördermitteln vom Bund und Land soll es nun der freie Markt regeln. Darum werden Investoren gesucht. Wie bei einem Bauprojekt auch, hat die Verwaltung die Installation der neuen Ladesäulen öffentlich ausgeschrieben. Bis Ende September konnten die Unternehmen ihre Angebote vorlegen und mögliche Standorte vorschlagen. Die Investoren, die den Zuschlag bekommen, schließen einen Vertrag mit der Stadt ab, der ihnen die Nutzung des Grundstücks gestattet.

Wo kommen die Ladesäulen hin?

Wo die neuen Schnellladesäulen hinkommen, stimmt die Verwaltung derzeit mit den Bezirksbeiräten ab. In Möhringen ist der Schnelllader an der Plieninger Straße 5 geplant, in Degerloch am Königsträßle 3 und in Vaihingen an der Heerstraße 19. In Plieningen soll der Schnellader in der Nähe der Grenze zu Birkach aufgestellt werden. Im Stadtbezirk Sillenbuch und im Stadtteil Kaltental werden aktuell keine Standorte untersucht. Wo die neuen Wechselstrom-Ladesäulen installiert werden, wird derzeit geprüft.

Welche offenen Fragen sind noch zu klären?

Bisher haben Fahrer von Elektrofahrzeugen noch keine Möglichkeit, im Vorfeld herauszufinden, welche Ladesäulen frei sind. Dauerparker verschärfen das Problem. Eigentlich dürfen dort, wo Ladesäulen sind, ausschließlich Elektrofahrzeuge für die Dauer des Ladevorgangs stehen. Doch oft blockieren Fahrzeuge die Stellplätze tagelang. Die Verwaltung hat darum neue Schilder aufgestellt und ein absolutes Halteverbot ausgewiesen. Nun bekommen die Autofahrer, deren Wagen widerrechtlich auf diesen besonderen Parkplätzen stehen, nicht nur ein Knöllchen, die Fahrzeuge können auch abgeschleppt werden. Als Problem könnte auch gewertet werden, dass mit jedem gesonderten Stellplatz für Elektrofahrzeuge ein Stellplatz für andere Autofahrer wegfällt. Hinzu kommt, dass zumindest in Altbaugebieten die Stabilität der Stromversorgung leiden kann, wenn Ladesäulen für Elektrofahrzeuge installiert werden.

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