Eine Plattform soll mithelfen, den Umstieg aufs E-Auto zu erleichtern. Foto: Lg/ Kovalenko

Noch sind die Zulassungszahlen für Auto mit Elektromotor gering. Mit einem Virtuellen Zentrum Elektromobilität wollen Stadt, Region und Innung das Interesse ankurbeln. Allerdings wird das Portal frühestens Mitte des Jahres starten.

Stuttgart - Über Elektromobilität wird viel geredet, dennoch sind von den fast 350 000 Autos mit S-Kennzeichen nur rund 1400 Elektrofahrzeuge – das sind gerade 0,4 Prozent. Im Jahr 2017 nahm ihre Zahl zwar um 400 deutlich zu, allerdings bei mehr als 50 000 Kfz-Neuanmeldungen. Mit einer Internetplattform, die Mitte diesen Jahres starten soll, wollen Stadt und Verband Region Stuttgart mit der Kfz-Innung den Umstieg auf E-Autos erleichtern. Für das hochtrabend „Virtuelles Zentrum Elektromobilität“ benamste Projekt geben sie 150 000 Euro aus.

E-Autos gegen Luftbelastung

„Es gibt in den Städten keine bessere Lösung als die Elektromobilität, um die Belastung an Schadstoffen nachhaltig und schnell zu senken“, sagte Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) zum Projektstart. Doch auch er weiß: „Die Entscheidung fällt beim Autohändler.“ Und beim Verkaufsgespräch rücken schnell Themen wie Preis, Reichweite und Lademöglichkeiten in den Vordergrund. Auf der Internetplattform sollen deshalb nicht nur Modelle der Hersteller und Autohäuser, die E-Probefahrten anbieten, vorgestellt werden, sondern auch Informationen zur Ladeinfrastruktur und zu Fördermöglichkeiten gebündelt werden. Auf einen Blick und mit wenig Klicks soll der potenzielle E-Autokäufer Antworten auf offene Fragen erhalten. „Elektromobilität muss greifbar und nah sein, nicht abstrakt und weit weg“, so Kuhn.

Auch Regionaldirektorin Nicola Schelling, selbst in einem Elektroauto des amerikanischen Herstellers Tesla unterwegs, betonte: „Das Auto ist das am häufigsten benutzte Verkehrsmittel in der Region.“ Umso wichtiger sei es, dass neue Kfz-Technologien auch zum Einsatz kämen. „Entscheidend ist aber die Alltagstauglichkeit.“ Dass es damit – gerade mit Blick auf deutsche Hersteller – noch nicht gut bestellt ist, räumten auch Torsten Treiber und Christian Reher, Obermeister und Geschäftsführer der Kfz-Innung Region Stuttgart, ein. „Der geringe Anteil der E-Autos hängt natürlich mit dem Angebot zusammen“, sagte Treiber. Das bestätigte auch Kuhn: Auf der Suche nach 43 Elektrofahrzeugen sei die Stadt Stuttgart nur bei einem französischen Hersteller fündig geworden.

Kfz-Innung hofft auf „Jahr der Elektroautos“

Treiber erwartet aber im laufenden Jahr eine Trendwende: „Wir rechnen fest damit, dass 2018 zum Jahr der Elektroautos werden kann und die Zulassungszahlen deutlich steigen.“ Stuttgart sollte zur „Stadt der Elektromobilität“ werden. Die Innung sieht sich dafür bestens gerüstet. Die Kfz-Betriebe in der Region verfügen laut Reher über „ausreichend Servicepersonal für die zehn- bis zwanzigfache Zahl an Elektroautos“. Allerdings räumt auch er ein, dass es momentan für Händler schwierig sei, wenn Elektrofahrzeuge lange Zeit unverkauft auf dem Hof stünden. Bei der Ladeinfrastruktur gebe es ebenfalls noch Nachholbedarf, auch wenn die Zahl der Säulen ständig zunehme.

Das Portal, das zunächst auf drei Jahre angelegt ist und aktualisiert werden soll, wird von der Stadt mit 70 000 Euro und von der Region mit 50 000 Euro unterstützt. Die Kfz-Innung, die die operative Umsetzung erledigt, steuert 30 000 Euro bei. Den Vorwurf, eine bestimmte Technologie zu fördern und eine Branche zu subventionieren, wiesen Schelling und Kuhn zurück: Es werde herstellerneutral informiert, und das Portal habe eine Lotsenfunktion für eine transparente Verkaufsentscheidung. „Der Umstieg ist nicht nur aus Umweltsicht wichtig, sondern auch für den Standort Region Stuttgart als Leitmarkt für Elektromobilität“, sagte Schelling.

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