Der Umbau der Mobilität erfordert mehr Stromtankstellen Foto: /homas Bischof

Das Netz der öffentlichen E-Tankstellen im Kreis ist zu dünn und ungleich verteilt, sagt der SPD-Landtagsabgeordnete Florian Wahl und fordert vom Land mehr Einsatz für die Ladeinfrastruktur. Nur Renningen erfüllt die Vorgaben.

Kreis Böblingen - Wenn es dumm läuft und alle E-Mobilisten zur gleichen Zeit ihren Stromhunger an einer öffentlichen Ladesäule stillen möchten, könnte es in Herrenberg eng werden. 264 Autos lang wäre dann statistisch gesehen die Schlange an jeder der vier Zapfanlagen in der Gäustadt. Herrenberg liegt auf dem letzten Rang bei der Ausstattung mit öffentlichen E-Ladesäulen im Kreis. Dies geht aus einer Erhebung des Landtagsabgeordneten Florian Wahl hervor.

 

Der SPD-Mann hält die Zahl von 259 öffentlichen Strom-Tanken generell für viel zu niedrig und fordert jetzt vom Land mehr Einsatz für die E-Ladeinfrastruktur im Landkreis.

Nicht auf die Supermärkte verlassen

Nicht alle, die ein E-Auto besitzen oder sich eines besorgen wollen, hätten die Möglichkeit oder die finanziellen Mittel, eine eigene Ladeneinrichtung anzuschaffen, erklärt Wahl in einer Pressemitteilung. Das Land müsse daher mit gutem Beispiel vorangehen und rasch den Bau von mehr öffentliche Stationen unterstützen. „Wir dürfen uns doch nicht darauf verlassen, dass jede Supermarktkette eine Ladesäule auf ihren Parkplatz baut“, sagt er.

Ein Blick auf die Zahlen zeige, dass der Landkreis noch weit entfernt sei von den angestrebten Ladesäulen-Zahlen des Landes, meint der SPD-Mann. Laut Kraftfahrtbundesamt waren zum 1. Januar 2022 im Landkreis Böblingen 12 919 E-Autos zugelassen. Das sind fünf Prozent aller Fahrzeuge. Laut Auskunft der Landesregierung handelt es sich dabei um 5638 batteriebetriebene Pkw und 7281 Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge – Autos, die dank zusätzlichem Verbrennermotors auch ohne Strom fahrbereit sind.

50 Autos müssen sich im Schnitt eine Ladesäule teilen

Laut einer Anfrage von Florian Wahl an das Land teilen sich all diese Fahrzeuge 259 öffentlich zugängliche Ladepunkte im Landkreis – das entspricht im Schnitt fast 50 Fahrzeugen pro Ladesäule. Schlichtweg zu wenig, kritisiert Wahl. Denn der Plan der Landesregierung sehe vor, dass bis 2030 statistisch für zehn Fahrzeuge eine öffentlich zugängliche Ladesäule bereit stehen soll – Faktor 5. Die EU-Richtlinie sehe diesen Wert bereits seit 2014 vor. „Davon sind wir weit entfernt“, so Wahl. Mit Renningen erfüllt nur eine Kommune im Kreis diese Vorgabe.

Schlusslicht ist Herrenberg

Eine von dem Abgeordneten erstellte Auflistung zeigt, dass die Kommunen im Kreis ganz unterschiedlich mit öffentlichen Ladesäulen ausgestattet sind. Demnach ist Renningen mit 88 Ladepunkten der unangefochtene Spitzenreiter. Dort müssen sich theoretisch nur 6,4 E-Autos eine Ladesäule teilen. Ein Wert, den keine der übrigen 25 Städte und Gemeinden auch nur annähernd erreicht.

Als nächste Kommunen folgen Steinenbronn und Waldenbuch mit 33,6 und 36,5 E-Autos pro Ladesäulen. Abgeschlagenes Schlusslicht ist Herrenberg. In der Gäustadt müssen sich die dort gemeldeten 995 E- Autos gerade mal vier öffentliche Ladesäulen teilen. Nicht viel besser sieht es in Holzgerlingen (220 Autos/Ladestation) und Aidlingen (154) aus.

Der Überblick mache deutlich, dass vor allem die ländlicheren Gebiete im Landkreis von der Ladeinfrastruktur abgehängt seien, stellt Florian Wahl fest. Aber auch bei den großen Städten im Landkreis ist noch viel Luft nach oben: In Leonberg müssen sich zurzeit 99 Autos eine Ladesäule teilen, in Sindelfingen 58 und in Böblingen 40.