Wer ein Elektroauto versichern möchte, wird von den günstigen Versicherungsangeboten überrascht sein. Doch worauf muss man bei den E-Auto-Policen besonders achten? Und was ist mit dem Zubehör?
Stuttgart - Derzeit gewähren eine Reihe von Versicherungsunternehmen Prämiennachlässe beim Versichern eines Elektroautos. Die Unternehmen wollen sich in dem wachsenden Markt für Elektroautos gut positionieren. „Wir wollen, dass die Elektromobilität in Deutschland schneller verbreitet wird“, sagt Rainer Grim, Experte für E-Auto-Tarife bei der R+V-Versicherung. Auch die SV Sparkassenversicherung hat einen Beitragsnachlass für Fahrzeuge mit einem „umweltfreundlichen Antrieb“ im Angebot, sagt Sprecherin Andrea Lee-Ott.
Zwar macht der Anteil der E-Autos unter den neuzugelassenen Personenwagen von Januar bis Juli dieses Jahres erst 1,7 Prozent aus. Doch die Nachfrage zieht kräftig an. Im Vergleich mit den sieben Monaten des Vorjahres legten die reinen Stromer um gut 87 Prozent zu. Da stellt sich für interessierte Autofahrer die Frage: Wie versichere ich am besten ein Elektroauto? Wird das teurer? Eine Anfrage beim Vergleichsportal Check24 zeigt große Unterschiede bei den Prämien für den Versicherungsschutz auf.
Die Antriebsart macht beim Abschluss einer Kfz-Haftpflichtversicherung keinen Unterschied. Alle Fahrzeuge – ob Benziner, Diesel oder E-Auto – benötigen eine Haftpflichtversicherung. Das ist gesetzlich vorgeschrieben. Ein besonderer Elektroauto-Tarif wird bei Haftpflichtverträgen nicht angeboten. Anders sieht es bei der Kaskoversicherung aus, die – je nach Umfang – für Schäden am eigenen Auto aufkommt. Der Abschluss einer Kaskoversicherung ist freiwillig. Da E-Autos in der Anschaffung teuer sind, ist es sinnvoll, sie Vollkasko zu versichern.
Akku ein zentrales Thema
Besonderen Wert sollten Autofahrer auf einen „Rundumschutz für den Akku“ legen, empfiehlt das Verbraucherportal Finanztip. Der Akku, also die wieder aufladbare Batterie, ist das Herzstück des E-Autos. „Autofahrer sollten darauf achten, dass dieses sehr teure Bauteil auch entsprechend abgesichert wird“, rät Grim. Den Akku gegen sämtliche Risiken wie „jede Beschädigung, Zerstörung oder den Verlust“ zu versichern, empfiehlt die Sparkassenversicherung. Nicht alle Versicherer böten eine Allgefahrendeckung an, manche auch nur gegen einen Mehrbeitrag.
Vor allem sollte festgelegt sein, dass die Versicherung den Neupreis zahlt, sollte der Akku beschädigt oder zerstört sein. „Da Akkus immer leistungsfähiger werden und sich die Reichweite erhöht, ist es von Vorteil, wenn der Versicherer bei einem Totalschaden den Neupreis des Akkus erstattet“, sagt R+V-Experte Grim. Wird nur der Wiederbeschaffungswert ersetzt, erhält der Kunde nur den Betrag für einen gleichwertigen Akku und muss mit entsprechenden Abzügen rechnen. „Es gibt Anbieter, die bezahlen bis zu 30 Monate den Neupreis, um die Schwelle, auf das E-Auto umzusteigen niedrig zu halten“, so Grim. Ist der Akku allerdings gemietet, dann ist er gegebenenfalls über den Hersteller abgesichert und muss nicht vom Fahrzeughalter versichert werden. In diesem Fall sollte man einen Versicherungsvertrag ohne Akku-Schutz wählen. „Das ist deutlich günstiger“, so Finanztip.
Die Kaskoversicherung eines Elektrofahrzeugs sollte auch das Zubehör wie das Ladekabel oder die Ladekarte mit einschließen, rät Grim, sollte dieses gestohlen werden. Auch die eigene Ladebox zuhause – die so genannte Wallbox -, die fest an der Hauswand montiert ist, gehört mitversichert.
Bedienfehler absichern
Viele Autofahrer haben Angst, mit ihrem E-Auto liegen zu bleiben. Das Abschleppen eines E-Autos ist deutlich schwieriger als bei einem Benziner oder Diesel. Denn beim Elektroauto wird über die Antriebsachse Strom erzeugt, der dann das Fahrzeug beschädigen kann. Hier bietet etwa die R+V im Schutzbrief das Abschleppen des E-Autos bis zur nächsten Stromtankstelle an, sollte das Fahrzeug wegen eines leeren Akkus stehen bleiben.
Nicht zuletzt kann es sinnvoll sein, den Akku auch gegen Bedienfehler des Fahrers abzusichern. Hierzu zählen beispielsweise die Tiefen-Entladung oder Überladung des Akkus. Bei der Überladung kann es zu starker Hitzeentwicklung kommen bis hin zum Brand des Akkus. Brände an E-Autos müssen mit besonderem Equipment der Feuerwehr gelöscht werden. Das kann hohe Kosten verursachen, die von der Versicherung gedeckt sein sollten.
Hier rät Grim aber zu Gelassenheit: „Im Moment beschäftigt uns kein Fall eines Bedienfehlers beim Elektroauto“, sagt der Experte der R+V. „Viel eher tanken Versicherte den falschen Kraftstoff.“
Dennoch fürchten viele Menschen, bei einem Unfall könnte das Elektroauto in Flammen aufgehen. „Aus Sicht der Feuerwehr sind alle Autos ähnlich sicher - egal ob sie mit Benzin, Diesel, Gas oder Elektro angetrieben sind“, sagt Christopher Haigis, Sprecher der Feuerwehr Stuttgart. Benziner und Diesel würden als gefahrlos angesehen, weil der Verbrennungsmotor eine Technik sei, die jeder kennt. „Der Elektroantrieb ist neu und das Unbekannte nehmen Menschen oftmals als Bedrohung wahr“, sagt Haigis.
Keine Erfahrung mit schweren Unfällen
Was passiert bei einem Totalschaden? Die gesetzlichen Bestimmungen sehen vor, dass der Hersteller den Akku zurücknimmt. Manche Versicherer bieten an, Entsorgungskosten für den alten Fahrzeug-Akku bis zu einem bestimmten Preis zu übernehmen, sagt R+V-Experte Grim.
Die Feuerwehr hat bisher „keine Erfahrung mit schweren Unfällen bei E-Autos in Stuttgart“, sagt Feuerwehrsprecher Haigis. Das liege auch daran, dass bisher nur wenige E-Autos auf den Straßen unterwegs seien. Die Feuerwehrleute werden speziell geschult, wie eine Rettung bei einem Unfall mit einem E-Auto ablaufen kann. Auch um sich selbst möglicherweise vor Hochspannung oder austretenden Säuren zu schützen. „Aber das ist nur eins von vielen Themen, die uns beschäftigen“, ordnet Haigis die Dringlichkeit ein.