Mercedes-Chef Ola Källenius (links) in der Montagehalle des neuen CLA in Rastatt mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Mitte). Foto: Mercedes-Benz Group AG

Mercedes-Benz zeigt in Rastatt erstmals die Produktion des neuen vollelektrischen CLA. Für Konzernchef Ola Källenius ist die Entscheidung für den Standort ein klares Statement.

Es ist schwül-warm, es riecht nach Reifen und erhitztem Kunststoff und man hört, dass im Hintergrund mit Metall gearbeitet wird in der Produktionshalle des neuen vollelektrischen Mercedes CLA im Werk in Rastatt nahe Karlsruhe. An einem Mittwoch Anfang Juni zeigt Jan Gärtner die Produktion des neuen Autos. Er leitet die Montagehalle, in der die vollelektrische Kompaktklasse vom Band läuft – auf einer Linie zusammen mit der A-Klasse und dem Kompakt-SUV GLA. Dass der CLA in Rastatt produziert wird, versteht Vorstandschef Ola Källenius als Statement, wie er vor Ort betont.

 

Mercedes ist vom Erfolg der E-Mobilität überzeugt

Denn bei Mercedes sei man vom langfristigen Erfolg der Elektromobilität überzeugt. „Das beste Argument dafür sind Spitzenprodukte wie der CLA. Damit diese auch in Zukunft ‚made in Germany‘ sind, investieren wir als Unternehmen in den Standort, brauchen aber auch Rahmenbedingungen, die wettbewerbsfähig sind“, sagt der Vorstandsvorsitzende der Mercedes-Benz Group AG. Damit meint er einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag, der in den Ausbau des Rastatter Werks investiert wurde. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) ist bei der Präsentation auch dabei und betont, dass ihn die Sorgen der Automobilindustrie umtreiben. Und vermittelt zugleich Zuversicht: „Dass der neue CLA hier in Rastatt vom Band läuft, ist ein Bekenntnis zum Automobil-Standort Baden-Württemberg, zu diesem Werk und zu den Menschen, die hier arbeiten.“

Damit der CLA in Rastatt auf einer Linie mit der A-Klasse und dem GLA produziert werden kann, wurde die Halle aufwändig umgebaut. Die Autos laufen auf dicken gelben Metallstangen hängend durch die Halle. Damit Mitarbeitende auch im Stehen am Unterboden arbeiten können, kann die ganze Konstruktion in der Höhe verstellt werden. Doch bevor die Autos dort durch die Halle laufen, werden digitale Zwillinge der Autos erstellt und die Produktion simuliert. So werde die exakte Position von Maschinen, Versorgungswegen und Produktionslinien vorab bestimmt. Produktionsvorstand Jörg Burzer spricht davon, dass man dadurch um bis zu 50 Prozent schneller geworden sei.

Produktionsvorstand Jörg Burzer bei der Vorstellung der Produktion in Rastatt. Foto: Mercedes-Benz Group AG

Die digitalen Zwillinge sind ein Teil der „neuen Ära“ bei Mercedes, von der Ola Källenius spricht. Der CLA soll sie einläuten. Teil dieser neuen Ära ist es den Angaben zufolge, dass der CLA konsequent digital gedacht gedacht worden sei. So kommt das Auto erstmals zuerst als vollelektrische Variante auf den Markt, erst später, im Laufe des zweiten Halbjahrs, folgt der Hybrid. Zudem ist die Kompaktklasse das erste Auto mit dem selbst entwickelten Betriebssystem MB.OS (Mercedes-Benz Operating System), das mehrere Hochleistungscomputer in sich vereint. Neben einer Navigationsfunktion kann die virtuelle Sprachassistenz auch telefonieren und sich unterhalten – wobei die Software ähnlich wie ein Smartphone direkt und ohne Werkstatt-Besuch aktualisiert werden kann.

Zurück in die Montagehalle: Zu Beginn der Produktion ist nur die Karosserie der Oberseite auf den gelben Metallbalken zu sehen. Die Türen werden „abgeschlagen“, wie Hallenchef Gärtner sagt. „So kann leichter am Inneren des Autos gearbeitet werden und es wird verhindert, dass sie beschädigt werden.“ Alles ist hier genauestens durchgetaktet, sodass ein Roboter in einem späteren Schritt die richtige Windschutzscheibe mit eckigen Bewegungen scheinbar mühelos in die Karosserie hievt. Oder bei der „Hochzeit“, wenn auf die obere Karosserie der dazugehörige Unterboden mitsamt dem Antrieb trifft.

Ein schwarzer CLA mit den LED-Sternen im Kühlergrill Foto: Mercedes-Benz Group AG

Die elektrischen Antriebseinheiten und Achsen des vollelektrischen CLA kommen aus dem Werk in Untertürkheim, die Lithium-Ionen-Batterie von der Mercedes-Benz-Tochtergesellschaft Accumotive aus dem sächsischen Kamenz. Weitere Rohbau- und Karosserieteile stammen aus Kuppenheim in der Nähe von Rastatt und die Motoren für die im Laufe des zweiten Halbjahrs an den Produktionsstart gehende Hybrid-Variante des CLA werden aus dem chinesischen Werk in Peking eingeflogen.

Am Ende der gelben Produktionslinie bekommen die CLA-Modelle ihre Türen zurück, Räder werden angeschraubt. Laut Produktionsvorstand Jörg Burzer rechne man damit, die Autos innerhalb des zweiten Halbjahrs auszuliefern. Die Lieferkette schätzt er als stabil ein. Er sagt, man habe sich in puncto Seltene Erden ein diversifiziertes Portfolio an Lieferanten aufgebaut, um unabhängiger zu werden. Auch von chinesischen Exportbegrenzungen sei man derzeit nicht betroffen, so Burzer.

Zielgruppe des CLA sind junge Menschen

Bestellt werden kann der neue CLA seit Ende April. „Bisher ist die Nachfrage größer als erwartet“, sagt Burzer. Was die Zielgruppe des neuen CLA angeht, nennt der Produktionsvorstand insbesondere junge Menschen – zumal das Modell preislich das Einstiegsmodell darstellt. Doch auch hier bleibt der Premiumhersteller seiner Luxus-Strategie treu: Der Preis für das Auto beginnt bei rund 56 000 Euro, der Hybrid soll ab 40 000 Euro erhältlich sein.