Er trägt schlichtes Schwarz, sein Instrumentenpark ist groß: Christopher von Deylen mit seinem Bandprojekt Schiller in der Porsche-Arena. Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt

Christopher von Deylen, der sich Schiller nennt, zelebriert auch in Stuttgart den Surround-Sound und Licht-Effekte bei seiner großen Hallen-Tournee.

Stuttgart - Es klingelt in der Porsche-Arena. Der altvertraute Ton des Telefons kommt aus der Vergangenheit und springt hin und her, in dieser Halle, in der 2 800 Menschen lauschen, zwischen den tiefblauen Leisten aus Neonlicht, die die Ränge markieren. Dann wird der Hörer abgenommen, eine Stimme singt erst in der Ferne, verrauscht, singt dann samtig tief im Spotlight auf der Bühne. Christopher von Deylen, der sich Schiller nennt, ist auf Tournee, feiert den Surround-Sound bei seiner großen Hallen-Tournee, feiert 20 Jahre seines Bandprojektes.

Schiller ist die Wiederauferstehung der elektronischen Musik im Rock- und Pop-Mainstream. 1999, nach einem Jahrzehnt des Techno, reaktivierte Christopher van Deylen Vorbilder wie Tangerine Dream oder Jean Michel Jarre, begann, mit minimalistischen Elektrosounds zu spielen, sie mit Gesang zu unterlegen, in den Kontext einer Rockband einzubetten, eine große Lightshow um sie kreisen zu lassen, all dies auf hitparadentauglichem Niveau.

Spiel mit der Vergangenheit

Das Spiel mit dem Klang, dem Licht, ist bei Schiller immer wieder auch ein Spiel mit der Vergangenheit, die mit den technischen Möglichkeiten der Gegenwart aufgegriffen wird, dabei aber doch in weiter Ferne bleibt. Auf sein Publikum geht Christopher von Deylen kaum zu; stattdessen hüllt sich der Musiker in seinen Instrumentenpark, lässt dort, gekleidet schlicht in Schwarz, die Finger auf Tasten fallen, aus denen Noten strömen, die fein nuancierte Klangmuster weben.

Auf seiner Jubiläumstournee inszeniert Schiller diese Zutaten in großem Stil. Ein Gitarrensolo bricht in seinen Elektrosound ein wie eine Erinnerung an Pink Floyd, das Fell der Bassdrum vibriert, ein Solo des E-Basses erkundet lange, flirrend viele Lagen. Erhöht auf Podesten die Sängerinnen, deren Stimmen sich vor allem schön und sinnlich ausnehmen, aber doch auch ein wenig beliebig wirken. Darin liegt die Gefahr, der Schiller sich jederzeit aussetzt: so geschmackvoll, aufwändig stellt er seine Musik auf die Bühne, dass sie oft wie bloßes Kunsthandwerk wirkt.

Freilich: auch dies lässt sich genießen, garniert mit staunenswerten Lichteffekten, die so plastisch durch die Porsche-Arena geistern wie der Klang der Elektronik. „Es werde Licht“ – diesen Titel hat Schiller seiner Jubiläumstour gegeben. Einige echte Popstücke führt er im Repertoire, bei denen es seine Stuttgarter Fans kaum auf ihren Stühlen hält. Ethno-Flair, akustische Gitarren treten ein in den klingenden Zaubergarten. Zuletzt versammeln sich von Deylen und seine Musiker weit vorne auf der Bühne, spielen gemeinsam Trommelrhythmen zu den Beats: ein Raumflug von mehr als zwei Stunden endet mit der Rückkehr zur Erde.

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