Werkzeug und Grabkreuz: Blaschke transportiert schwere Ladung auf seinem E-Lastenrad (oben). Foto: Funke

Der Steinmetz Heinz Blaschke aus dem Stuttgarter Norden setzt aufs Elektro-Lastenrad und transportiert sogar Grabsteine damit.

S-Nord - Stuttgart - In diesem Jahr legt die Stadt Stuttgart ihr Förderprogramm für Lastenräder mit Elektroantrieb neu auf: Schaffen sich Familien mit mindestens einem Kind ein solches Rad an, können sie eine Förderung von maximal 1700 Euro pro E-Lastenrad beantragen (die Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten berichteten). Das Land hat seit 2016 ein ähnliches Förderprogramm unter anderem für Gewerbetreibende und Freiberufler: Für die Anschaffung eines Elektro-Lastenrads gibt es für sie vom Verkehrsministerium derzeit einen Zuschuss von maximal 3000 Euro. Während bei der Stadt mittlerweile 300 Anträge eingegangen sind, sind vom Verkehrsministerium bislang 206 E-Lastenräder bezuschusst worden.

Eins davon fährt Heinz Blaschke: Der Steinmetz mit einem Betrieb an der Eckartstraße im Stuttgarter Norden transportiert damit schwere Ladung wie Werkzeug, Arbeitsmaterial und sogar Grabsteine zum Friedhof und zurück, bringt damit Pakete auf die Post und macht damit Kundenbesuche.

Den Entschluss, ein E-Lastenrad einzusetzen, fasste er vor gut einem Jahr: „Da war ich bei einer Informationsveranstaltung über Elektromobilität des Verkehrsministeriums auf dem Marktplatz, hab’ das Lastenrad dort ausprobiert, einen Probetag drangehängt und dann so ein Vehikel angeschafft“, sagt der Handwerker und will nicht mehr darauf verzichten. Er räumt ein, dass es einige Übung braucht, damit zurechtzukommen. Denn immerhin kann er mit dem Gefährt bis zu 130 Kilo transportieren. Dazu kommt noch das Gewicht des Rads mit rund 50 Kilo und das Eigengewicht des sportlichen Handwerkers mit 70 Kilo. „Da muss man schon aufpassen, dass man in der Balance bleibt und darf auch in den Kurven nicht zu langsam fahren, damit man nicht mit dem Rad umkippt“, sagt Blaschke und stellt fest, dass es enorme Vorteile hat, wenn man bereits als Kind radeln gelernt hat.

Autofahrer sind häufig rücksichtslos

Mit dem E-Lastenrad bringt es der Steinmetz im Schnitt auf etwa Tempo 30. Wer denkt, man müsse mit E-Motor nicht mehr treten, täuscht sich. Blaschke: „Durch die Unterstützung geht es lediglich leichter.“ Drei von vier Mann inklusive dem Chef in dem Handwerksbetrieb steigen regelmäßig aufs Lastenrad. Einer sei allerdings nicht dazu zu bewegen, „und dazu zwingen kann und will ich niemanden“, so der Chef.

Die Vorteile des E-Lastenrads: „Ich spare enorm viel Zeit, weil ich nicht im Stau stehe und keinen Parkplatz suchen muss. Dadurch habe ich Planungssicherheit, komme pünktlich zu den vereinbarten Terminen und gerate nicht unter Zeitdruck“, sagt Blaschke und führt auch den Umweltaspekt an: „Das ist unser Beitrag zu Luftreinhaltung.“ Ganz ohne Lkw geht es in seinem Betrieb allerdings nicht: Immerhin wiegen schwere Steine bis zu einer Tonne.

Problematisch für die Fahrer von Lastenrädern ist laut Blaschke der Pkw-Verkehr: Sein Rad ist 70 Zentimeter breit und 2,55 Meter lang. Während es mit Lastern so gut wie nie Schwierigkeiten gebe, hielten die Autofahrer beim Überholen oft den Mindestabstand zum Radfahrer von 1,50 Meter nicht ein. Und die Fahrer vor allem größerer Autos hupten drauf los, wenn sie nicht überholen können. Blaschke ist überzeugt: „Wenn für mehr Sicherheit gesorgt würde, würden mehr Unternehmen das E-Lastenrad einsetzen.“ Für mehr Sicherheit fordert er zum Beispiel auch mehr Hauptradrouten. Die bestehende Hauptroute 1 von Vaihingen nach Bad Cannstatt und die geplante Route 2, die die Innenstadt mit Stuttgart-Ost, Hedelfingen und Wangen verbinden soll, reichen seiner Meinung nach nicht. „Auch Stadtbezirke, die wie Weilimdorf weiter weg vom Zentrum sind, müssen ins Radnetz mit einbezogen werden.“ Außerdem bemängelt er, dass es zu wenig Abstellplätze für die mehrere Tausend Euro teuren Räder gibt.

Für letzteres hat der Steinmetz nun selbst gesorgt: Beim Patentamt in München hat er seinen „Radstein“ angemeldet: einen bearbeiteten Granitblock mit einem Fahrrad als Logo und Loch, um das Rad diebessicher zu befestigen. „Der Radstein lässt sich individuell zum Beispiel mit den Initialen des Besitzers gestalten“, sagt Blaschke und schleift den Stein sogar, damit das Rad keine Kratzer bekommt.

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