In Dingolfing beginnt am Freitag die Produktion des elektrischen Fünfer-BMWs. Er steht in direkter Konkurrenz zum EQE von Mercedes-Benz. Wir zeigen, wie die beiden Autos für unterschiedliche Produktstrategien stehen.
Am 21. Juli startet BMW in Dingolfing die Produktion des vollelektrischen Modells i5. Wie die E-Klasse von Mercedes gehört der „Fünfer“ zu den klassischen Business-Limousinen deutscher Hersteller. Wenn der i5 im Winter auf den Markt kommt, werden erstmals von beiden Reihen rein batteriebetriebene Varianten verfügbar sein. Der Vergleich ist reizvoll, denn in den Autos zeigt sich auch die unterschiedliche Konzernstrategie.
Mercedes hat mit dem EQE schon 2021 ein Fahrzeug vorgestellt, das auf einer speziell für den Elektroantrieb konstruierten Plattform basiert. Es unterscheidet sich optisch und konstruktiv deutlich von der E-Klasse mit Verbrennungsmotor, deren neueste (und letzte) Generation vor wenigen Monaten Premiere feierte. Der i5 hingegen teilt sich die konstruktive Basis mit dem herkömmlich angetriebenen Fünfer.
Auch bei der Grundausrichtung des Unternehmens gehen die Chefs Oliver Zipse (BMW) und Ola Källenius (Mercedes-Benz) unterschiedliche Wege. Mercedes hat sich einem ehrgeizigen Elektrofahrplan verschrieben und will bis 2030 die Produktpalette komplett auf Stromautos umstellen, „wo immer es die Marktbedingungen erlauben“. BMW gibt sich hingegen konservativer, betont die weiterhin große Bedeutung von Verbrennern und hat auch eine Kleinserie von Pkw mit Brennstoffzellen-Antrieb aufgesetzt.
Erster Unterschied: die Plattform
Mit dem Kleinwagen i3 hat BMW einst ein Pionierfahrzeug hergestellt, das mit Leichtbaukarosse und rollwiderstandsarmen Rädern ganz auf den Elektroantrieb abgestimmt war. Derzeit aber setzt der Münchner Konzern auf eine multifunktionale, so genannte Cluster Architecture (CLAR). Verbrenner-, Plug-In-Hybrid- und Elektromodell gleichen sich damit wie ein Ei dem anderen – das ist beim Fünfer genauso wie beim Spitzenmodell, dem Siebener.
Anders als beim EQE mit seiner bogenförmigen Dachlinie müssen sich BMW-Fahrer beim Umstieg auf Elektro dadurch nicht an eine andere Formensprache gewöhnen. Für ein E-Modell leistet sich der i5 in Folge dessen eine unnötig lange Motorhaube. Das mindert den Platz im Innenraum. Obwohl der BMW mit 5,06 Metern sechs Zentimeter länger ist, haben die Passagiere im Fonds des Mercedes EQE mehr Beinfreiheit. Der cw-Wert, der die Windschlüpfigkeit misst, liegt eng beieinander: Beim Mercedes beträgt er 0,22, beim BMW 0,23.
Zweiter Unterschied: vom BMW wird es einen Kombi geben
Fürs kommende Jahr hat BMW eine Kombivariante des i5 angekündigt, die bei den Bayern traditionell als „Touring“ bezeichnet wird. Mercedes hingegen bietet kein „T-Modell“ des EQE an. Auch an Spekulationen, es sei ein Coupé mit Heckklappe nach dem Vorbild der „Shooting-Brake“-Modelle geplant, ist nichts dran, heißt es vom Unternehmen. Wer einen üppigeren Kofferraum und eine große Heckklappe wünscht, wird auf die SUV-Variante des EQE verwiesen. Dies folgt der Logik, dass sich SUV weltweit verkaufen, Kombis hingegen außerhalb von Europa kaum gefragt sind.
Die deutschen Hersteller fahren auch hier sichtbar unterschiedliche Strategien. VW zum Beispiel hat für den elektrischen Passat-Nachfolger ID.7 schon eine Kombiversion in Planung.
Dritter Unterschied: das Cockpit
Mercedes bietet im EQE den aus dem Spitzenmodell EQS bekannten „Hyperscreen“ als Sonderausstattung an. Drei Displays ziehen sich dabei hinter einer Glasfront quer über das Armaturenbrett vor Fahrer und Beifahrer. Bei BMW dagegen sind die Bildschirme stärker auf die Fahrerposition hin ausgerichtet und enden rechts von der Mittelkonsole. Vor dem Beifahrersitz befindet sich kein eigenes Display.
Vierter Unterschied: die Leistung
Vergleicht man die Modelle Mercedes EQE 350 und BMW i5 40e, liegen die Münchner bei der PS-Zahl vorn: 340 zu 292. Das höhere Drehmoment in Newtonmeter aber weist das Stuttgarter Auto auf: 565 zu 430. Die Spitzengeschwindigkeit wird mit 210 km/h (Mercedes) und 193 (BMW) angegeben. Sie spielt wegen des hohen Stromverbrauchs bei Vollgas aber bei Elektromodellen generell keine entscheidende Rolle.
Fünfter Unterschied: die Reichweite
Bei der Reichweite haben die Schwaben dank einer etwas größeren Batterie mit bis zu 654 Kilometern (nach der Standardmessmethode WLTP) die Nase vorn, der BMW kommt auf maximal 582 Kilometer. Beim durchschnittlichen Stromverbrauch von rund 16 bis 19 kWh auf 100 Kilometer gibt es kaum nennenswerte Unterschiede. Fast gleichauf liegen die Autos auch bei der Ladezeit, die es braucht, um die Batterie von zehn Prozent Füllstand auf 80 Prozent zu hieven. Beim Mercedes mit 89 kWh Stunden großem Akku ist mit 32 Minuten zu rechnen, beim BMW mit 81,2 kWh-Batterie sind es zwei Minuten weniger. Die Preisliste beginnt beim Basismodell EQE 300 übrigens bei 67 200 Euro, für den BMW i5 werden 70 200 Euro aufgerufen.
Wie läuft es derzeit mit den Elektroautos?
Von der Marke BMW (ohne Mini) wurden im ersten Halbjahr 133 972 reine Elektroautos verkauft, das entspricht 12,5 Prozent des Gesamtabsatzes. Bei Mercedes-Benz waren es mit 102 600 Pkw elf Prozent.