Der Bau der neuen Elefantenanlage in der Wilhelma wird auch vom Team Elefant unterstützt. Wer steckt dahinter? Ein Blick auf die Hilfsmaßnahmen.
Der Stuttgarter Zoo und die Umweltstiftung WWF Deutschland (World Wide Fund For Nature) haben im Jahr 2018 eine besondere Artenschutzkooperation für den Erhalt asiatischer Elefanten gegründet: das Team Elefant. Dieses Bündnis sammelt Spendengelder. Dabei finanzieren die Mitglieder, die mit mindestens neun Euro im Monatsbeitrag dabei sein können, Tierschutzprojekte in Thailand – und in Stuttgart den Bau der rund zwei Hektar großen Elefantenanlage in der Wilhelma.
„60 Prozent der Spendengelder gehen in die WWF-Projekte, die die Asiatischen Elefanten und ihren Lebensraum in Thailand und Myanmar schützen. 40 Prozent werden für den Gehegebau im Zoo Stuttgart eingesetzt“, erklärt Freya Duncker, Pressesprecherin von WWF Deutschland. Wilhelma-Direktor Thomas Kölpin rechnete letzten Angaben zufolge mit Einnahmen von etwa 500.000 Euro aus den Spenden der Kooperation. Derzeit zähle das Team Elefant laut WWF etwa 1000 Mitglieder.
Das Land trägt als Eigentümer der Wilhelma den Großteil der Kosten für den Bau der neuen Elefantenwelt in Stuttgart mit rund 68,5 Millionen Euro. Der Wilhelma-Förderverein gibt einen Zuschuss von 15 Millionen Euro.
Der Bau der neuen Elefantenwelt hatte Ende Januar begonnen. Vorteile der neuen Anlage in der Wilhelma sieht Duncker in der modernen Haltungsform, die den Bedürfnissen der Tiere besser entspreche. So könnten die natürlichen Gruppenstrukturen besser nachgebildet werden. Und sie biete mehr Sicherheit für das Zoopersonal durch die „Protected Contact-Methode”, den geschützten Kontakt. Tierärztliche Untersuchungen erfolgen künftig durch Luken in einer Trainingswand. Das neue Gehege biete Platz für eine bis zu 15-köpfige Herde – Muttertiere mit Jungtieren, eine Junggesellengruppe mit Jungbullen und einen Zuchtbullen. Dies entspreche der Sozialstruktur der in der Natur lebenden Asiatischen Elefanten. Unter diesen Voraussetzungen sei eine bessere Zucht der stark gefährdeten Art im Rahmen des EAZA Ex-situ Programms möglich, um eine gesunde Reservepopulation in Zoos zu erhalten, so Duncker.
Bedroht seien die Asiatischen Elefanten in Asien durch Wilderei, Mensch-Wildtier-Konflikte und Lebensraumverlust. Darüber könne der Zoo besser aufklären. In Thailand selbst engagiert sich der WWF für den Schutz der Elefanten im Kaeng-Krachan-Waldkomplex, zu dem der Kui-Buri-Nationalpark, der Chaloem-Phra-Kiat-Prachan-Nationalpark und das Mae-Nam-Phachi-Wildlife-Sanctuary gehören. „Im Rahmen dieses Einsatzes unterstützt die Organisation die Ausbildung und Ausrüstung der Ranger, damit sie effektive Patrouillen durchführen und die Wildtierbestände überwachen können“, so Duncker. Dem Kui-Buri-Nationalpark ist auch die Elefantenwelt in der Wilhelma nachgebildet, die 2029 fertig gebaut sein soll.
Intelligente Kamerafallen, Salzleckstellen und Wasserquellen
Beim Projekt in Thailand werden für die Elefanten Salzleckstellen und Wasserquellen geschaffen, damit die Tiere sich überwiegend innerhalb der Schutzgebiete aufhalten und seltener die umliegenden Felder der Bauern zur Nahrungssuche aufsuchen. Sollten Elefanten dennoch den geschützten Bereich verlassen, um etwa in die Ananasplantagen der lokalen Landwirte zu gehen, greift im Kui-Buri-Nationalpark das so genannte SMART-Early-Warning-System mit intelligenten Kamerafallen. Einsatzgruppen leiten dann die Elefanten schnellstmöglich zurück. Das habe dazu geführt, dass Konflikte drastisch reduziert werden konnten, erklärt Duncker.
Im Nachbarland Myanmar testet der WWF solar-betriebene Elektrozäune und Straßenlaternen, um die Elefanten von Feldern und Dörfern fernzuhalten. In Zukunft sollen in Thailand zudem Gemeindevertreter und Landwirte geschult werden, um ein langfristig friedliches Zusammenleben von Mensch und Tier zu fördern.
In Thailand gibt es Schätzungen zufolge nur noch rund 3.000 wildlebende Elefanten, in Myanmar weniger als 2000. „Während des letzten sechstägigen Monitorings konnten im Kui Buri Nationalpark 104 Elefanten gesichtet werden“, berichtet Duncker.