Der Techno-König mischt sich unters Volk. Weitere Fotos in unserer Bildergalerie. Foto: factum/Weise

Knapp 6000 Besucher, diverse Techno-Größen im Line-up und ein barocker König auf Stelzen: bei der dritten Auflage des Electrique Baroque feiern die Raver elf Stunden im Schlosshof.

Ludwigsburg - Ihro Majestät ist definitiv eine Attraktion: Hoch oben auf Stelzen stolziert ein mit Nerzmantel und Perücke gekleideter König durch die Massen. Er wird umringt von leicht gekleideten Ravern, viele strecken ihm ihr Smartphone hin, um ein Foto zu machen. Der Techno-König nimmt’s gelassen und winkt seinem Feier-Volk zu. Nur teilweise ist er auch ein echter Sonnenkönig: Die meiste Zeit verhängen Wolken den Himmel.

Knapp 6000 Gäste kamen am Samstag in den Ehrenhof des Ludwigsburger Residenzschlosses, um zu lauten Bässen zu tanzen. Die dritte Auflage des Electrique Baroque stand an, und es wurden – trotz schlechterem Wetter als im vergangenen Jahr – sogar mehr Besucher als 2017. Das Festival ist in diesem Jahr ausverkauft.

Die Headliner-würdigen Moonbootica spielen nachmittags

Das Line-up ist quasi auch aufs Wetter abgestimmt. Während im vergangenen Jahrder Ibiza-Party-DJ Luciano der Headliner war, ist es dieses Mal die Berliner Techno-Größe Monika Kruse. Ebenfalls mit von der Partie: Marcel Dettmann, Milanyo, Extrawelt und Âme. Etwas verwunderlich am Zeitplan ist der frühe Auftritt der renommierten Hamburger DJs von Moonbootica. Sie stehen von 13 bis 15 Uhr an den Pulten. Ein Blick auf ihre Website verrät: Sie haben am Abend noch einen Auftritt in Friedrichshafen.

Anders als 2017 setzt der Veranstalter dieses Mal mehr auf klassischen Techno denn auf jüngere Formen der EDM – elektronische Tanzmusik, zu der vor allem junges Publikum auf Festivals tanzt. Das Durchschnittsalter der Gäste schätzt der Veranstalter dann auch auf 35 Jahre – und damit relativ alt für ein Rave-Fest.

Residenzschloss: Super Sache, gerade auch für junge Leute

Aber auch sehr jung im Vergleich zum durchschnittlichen Schlossbesucher. Das Electrique Baroque soll daher Botschafter und Türöffner für die nächste Generation von Schlossbesuchern sein. Nach dem Motto: „Das Residenzschloss ist eine super Sache, gerade auch für junge Leute.“

Dass das Keramikmuseum am Tag des Raves freien Eintritt hat, dürfte dennoch wenige Techno-Fans interessiert haben. Wenn diese Augen für Barockes hatten, dann vermutlich für den Stelzenkönig oder die Go-Go-Tänzerinnen, die in knappen Kostümen und mit Spitzen-Schirmen und Mozart-Perücke auf der Bühne getanzt haben. Die Besucher selbst waren nur wenig barock unterwegs, obwohl es einen Selfie-Wettbewerb für das barockste Selbstbildnis auf Facebook gab und empfohlen wurde, im Kostüm zu kommen. Bei den meisten tat es aber eine Sonnenbrille als moderne Form der Maske.

Gegen 21 Uhr übernimmt dann Monika Kruse die Pulte von Marcel Dettmann. Viele Besucher haben da aber nur Augen für die Lichtshow an den Wänden des Schlosses. Pacman-Geister, Seifenblasen, flirrende Lichtfäden oder eine Schlosswand, die sich um die eigene Achse dreht, sind dabei zu sehen. Das als „Mapping“ bezeichnete Verfahren bezieht die Architektur, auf die die Lichtstrahlen geworfen werden, in die Show mit ein. Schon zum dritten Mal liefert das Stuttgarter Visual-Büro Frischvergiftung die zur berauschenden Musik passenden Optiken – ein Highlight, das man anderswo vergeblich sucht und das den hohen Eintrittspreis von knapp 50 Euro für einen Tag Musik rechtfertigt.

Ein Highlight ist wieder die Lichtshow am Abend

Die Raver haben Glück mit dem Wetter: Trotz wolkenverhangenem Himmel regnet es am Samstag nicht. So können die Techno-Freunde nach Ende der Show um 23 Uhr trockenen Fußes zu den Aftershow-Partys im Fräulein Cluss in Ludwigsburg sowie im Romy S. in Stuttgart gehen.

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