Er spuckt Blütenblätter in die Landschaft: Der Künstler Andy Goldsworthy in „Leaning into the Wind“ Foto: Haus des Dokumentarfilms

Zur „Ekstase“-Ausstellung im Stuttgarter Kunstmuseum hat der Filmpublizist und Filmhistoriker Kay Hoffmann vom Haus des Dokumentarfilms eine Filmreihe kuratiert.

Stuttgart - Die „Ekstase“-Schau im Stuttgarte Kunstmuseum zeigt viele Facetten des Themas – die nun in fazu passenden Filmen aufgegfriffen werden.

Herr Hoffmann, auf welche Formen der Ekstase dürfen wir uns freuen?

Die Ausstellung und das Thema haben sich für diese Kooperation zwischen dem Haus des Dokumentarfilms und dem Kunstmuseum angeboten. Zusammen mit dem Kurator Markus Müller haben wir überlegt, welche Filme sich anbieten. Wir zeigen Maya Derens Voodoo-Dokumentation „Divine Horsemen“, Material, das sie um 1950 mit mobiler Kamera auf Haiti gedreht hat, „Trances“ über eine in Marokko sehr populäre Band, die das Publikum mitreißt, und den berührenden Film „Leaning into the Wind“ über den Landschaftskünstler Andy Goldsworthy: Er geht in der Natur auf, spuckt Blütenblätter oder er malt Ornamente in der Stadt, die der Regen dann wegspült. Der Regisseur Thomas Riedelsheimer kommt für ein Filmgespräch.

Die Tänzerin Anita Berber ist in der Ausstellung das Motiv einiger Werke, darunter das berühmte Gemälde von Otto Dix von 1925. Da war Rosa von Praunheims Film „Anita – Tänze des Lasters“ wohl naheliegend?

Ja, allerdings ist das kein reiner Dokumentarfilm, sondern eine Inszenierung, in der Lotti Huber sich die Figur auf sehr intensive Weise aneignet. Sie wurde nach einer Performance auf der Straße sogar in die Psychiatrie gebracht, weil man sie für durchgedreht hielt.

Was sagt uns „Koyaanisqatsi“ heute noch?

Das ist ein Bildrausch pur zur Musik von Philip Glass, und das Thema ist aktueller denn je: Der Titel bedeutet in der Sprache der Hopi-Indianer „Welt aus dem Gleichgewicht“, der Film hinterfragt unsere ­Zivilisation. Solche Werke sind nicht mehr so leicht zu bekommen, wir haben jetzt eine neurestaurierte Kopie aus London. Die Filmgeschichte geht völlig verloren, das Fernsehen behandelt solches Repertoire auch eher stiefmütterlich. Es wäre die Aufgabe eines Kommunalen Kinos, das zu pflegen – leider hat Stuttgart keines mehr.

Termin So, 20. 1., Kino Cinema, 11 bis 22 Uhr

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