Unendliche Geschichte oder Schlusspunkt? Der Streit um den Radweg Marbacher Straße ist übergekocht. Foto: factum/Granville

Eine hitzige Debatte über Radwege in Ludwigsburger Bauausschuss endete mit einem Eklat: Nachdem die Stadträte von CDU und Freien Wählern einen Beschluss gekippt hatten, verließen sie unter Protest den Ratssaal. Ob es beim Nein zum Radweg Marbacher Straße bleibt, muss der Gemeinderat Ende Juni entscheiden.

Ludwigsburg - Eigentlich sollte es im Ludwigsburger Bauausschuss am Donnerstag nur um die Vergabe der Arbeiten für einen Radweg an der Marbacher Straße gehen, doch dann wurde das Vorhaben in einer sehr turbulenten Sitzung komplett über den Haufen geworfen: Nun empfiehlt der Ausschuss, statt des zwei Kilometer langen Radweges nur ein Provisorium zu bauen. Ein Unding, wie Baubürgermeister und Verkehrsplaner versicherten: „Mit ein paar Pollern oder Markierungen ist es hier nicht getan“, sagte Michael Ilk.

Die Freien Wähler hatten bereits vor zwei Wochen Widerstand angekündigt, die CDU hat sich dem nun offenbar angeschlossen. Gemeinsam machten die Vertreter beider Fraktionen Front gegen den im Juli 2016 beschlossenen Bau eines Radwegs entlang der Marbacher Straße. Am Ende reihte sich – für viele überraschend – auch Elga Burkhardt (Lubu) ins Lager der Gegner ein, sodass der Antrag der Freien Wähler, statt eines Radweges erst einmal ein Provisorium zu bauen, eine Mehrheit von acht zu sieben Stimmen bekam.

Hitzige Debatte

Zu einer Abstimmung über den Verwaltungsvorschlag kam es erst gar nicht, da die FW- und CDU-Räte unter Protest den Saal verlassen hatten. Elfriede Steinwand (Grüne) hatte unterstellt, dass einige von ihnen als Geschäftsleute von der Verwaltung bevorzugt behandelt würden. Sie finde diese Blockadehaltung darum „verwunderlich“. Ilks Bemühungen, die Wogen zu glätten, waren erfolglos. Der Eklat war da.

Bevor Steinwand mit ihren Anschuldigungen die FW- und CDU-Räte gegen sich aufgebracht hatte, hatten diese ihrerseits die Rathausexperten und den Baubürgermeister gegen sich aufgebracht. Vor allem Maik Stefan Braumann (CDU) und Andreas Rothacker (FW) hatten alles daran gesetzt, die Umsetzung des Beschlusses von 2016 zu verhindern. Im Verlauf der hitzigen Debatte hatte Braumann gerügt, die Stadt habe sich nicht für eine Verbreiterung der Neckarweihinger Brücke eingesetzt, was Arnim Leban (Fachbereich Tiefbau) empört zurückwies. Ilk ärgerte sich, weil Rothacker Beispiele von verkehrswidrigem Verhalten heranzog, um zu belegen, dass Radler das Konzept nicht annähmen.

Bereits im Herbst 2014 hatte der Gemeinderat ein Radroutenkonzept für Ludwigsburg beschlossen. Es sieht vor, dass die Stadt auf mehreren Nord-Süd- und Ost-West-Achsen gut für Radler zu queren ist. Für den Start war als vermeintlich einfachste Etappe der Radweg Marbacher Straße ausgewählt worden. Dort gibt es bereits eine relativ breite Fahrbahn, man kann davon Spuren für Radfahrer abzwacken, so die Argumentation. Das Konzept wurde mehrmals überarbeitet und, um vorhandene Sicherheitsbedenken auszuräumen, auch noch entsprechend verändert.

Auto contra Radweg

Das Regierungspräsidium Stuttgart hat die Pläne gebilligt und das Land eine Fördersumme von 400 000 Euro in Aussicht gestellt; die Gesamtkosten für den Umbau werden auf eine Million geschätzt. In Simulationen war nachgewiesen worden, dass der Autoverkehr nicht beeinträchtigt wird, da auf der zwei Kilometer langen Straße schon bisher nur abschnittweise doppelte Spuren vorhanden sind. „Autos werden nicht ausgebremst“, betonte Ilk.

Genau das aber befürchteten Bürger aus Neckarweihingen und Poppenweiler, sagten FW und CDU. Und mehr noch: der Radweg werde gar nicht angenommen, weil sich die Radler nicht den Abgasen dort aussetzen wollten. „Es geht nicht, über den Stau zu lamentieren, und keine Alternativen zuzulassen“, sagte Markus Gericke (Grüne). Auch ein Provisorium koste die Stadt mindestens 600 000 Euro, sagte Ilk. „Und wir verlieren dann die Zuschüsse.“ Am 28. Juni entscheidet der Gemeinderat.

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