G-7-Gipfel Außenpolitische Zeitenwende

Von Christopher Ziedler 

US-Präsident Trump zeigt sich von Europas Kritik unbeeindruckt. Foto: dpa
US-Präsident Trump zeigt sich von Europas Kritik unbeeindruckt. Foto: dpa

Der von US-Präsident Trump ausgelöste Eklat beim G-7-Gipfel markiert nach Ansicht von Christopher Ziedler das vorläufige Ende der westlichen Staatengemeinschaft. Europa ist jetzt stärker gefragt denn je.

La Malbaie - Ein Bild dieses G7-Gipfels in Kanada sagt mehr als tausend Worte. Es zeigt eine Szene, in der sechs Staats- und Regierungschefs, Bundeskanzlerin Angela Merkel vorneweg, um Donald Trump herumstehen und energisch auf ihn einreden. Im Sitzen und mit den verschränkten Armen eines trotzigen Teenagers nimmt der US-Präsident das Wortgewitter der westlichen Politelite entgegen. Es hat ihn vorübergehend beeindruckt, weil er danach einen handelspolitischen Minimalkompromiss über weitere Gespräche mitgetragen hat – nur um ihn später via Twitter wieder aufzukündigen. So steht das Foto sinnbildlich für die Spaltung des Westens auf diesem „6+1-Gipfel“.

Als Weltwirtschaftsgipfel sind G-7-Treffen einst bezeichnet worden. Von der Bedeutung früherer Tage ist so gut wie nichts übrig: Die G-20-Runde mit neuen ökonomischen Schwergewichten wie China und Indien spielt längst eine größere Rolle, das Ursprungsformat wurde beibehalten mit der Begründung, dass im vertrauten kleinen Kreis der westlichen Wertegemeinschaft globale Entscheidungen, wenn schon nicht mehr getroffen, so aber doch vorbereitet werden könnten.

Die nationalen Egoismen triumphieren

Auch das ist hinfällig geworden mit Trump, der reihenweise internationale Abkommen über den Haufen wirft, alte Verbündete dauernd provoziert und mit irrwitzigen Positionswechseln im Stundentakt jedes seriöse Verhandeln unmöglich macht. Der vermeintliche „Dealmaker“ entpuppt sich mehr und mehr als Deal-Verhinderer. Mit dem Ergebnis, dass der „Westen“, wie er über Jahrzehnte die internationale Nachkriegsordnung geprägt hat, so nicht mehr existiert.

Der G7-Gipfel markiert den bisherigen Höhepunkt einer außenpolitischen Zeitenwende. Immer mehr Regierungen stellen die eigenen Belange über die aller anderen – in Polen, Ungarn, vielleicht jetzt auch in Italien, vor allem aber in den Vereinigten Staaten. Das höhlt gewachsene multilaterale Bündnisse von innen aus. Die transatlantischen Auflösungserscheinungen betreffen bisher noch nicht die Nato als zentralem Stützpfeiler der europäischen Sicherheitsarchitektur – wer aber garantiert, dass das so bleibt? Der Nationalismus hat die Welt schon einmal in den Abgrund geführt, er könnte es bei so viel Geschichtsvergessenheit wieder tun.

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