Eiswelt in Stuttgart-Degerloch Ausgliederung der Beschäftigten war nicht rechtens

Von Eileen Breuer 

In der Eiswelt herrscht im Winter reger Betrieb. Um den Einlass zu kontrollieren und die Schlittschuhfahrer auf dem Eis zu beaufsichtigen, braucht es Personal. Foto: Eileen Breuer
In der Eiswelt herrscht im Winter reger Betrieb. Um den Einlass zu kontrollieren und die Schlittschuhfahrer auf dem Eis zu beaufsichtigen, braucht es Personal. Foto: Eileen Breuer

Die Stadt Stuttgart hatte geringfügig Beschäftigte der Eiswelt in Stuttgart-Degerloch einer externen Firma überlassen. Das muss sie ändern. Gleichzeitig wird geprüft, ob Maschinen die Menschen ersetzen könnten.

Degerloch - Vor einigen Jahren hat die Stadt die geringfügig und kurzfristig Beschäftigten der Eiswelt ausgegliedert; sie wurden damals von einer externen Firma übernommen. Nun kommt eine Rolle rückwärts: Die Stadt muss sie aus formalen Gründen wieder anstellen. Der Gemeinderat bewilligte diesen Schritt vergangene Woche einstimmig.

Aber von vorn. Die Eiswelt-Mitarbeiter wurden im Jahr 2002 ausgegliedert. Anlass waren Änderungen im Tarifvertrag. Die Stadt wollte Anpassungen der Gehälter umgehen, also letztlich Geld sparen.

Bis zur Saison im vergangenen Winterhalbjahr beschäftigte ein externer Dienstleister rund 30 geringfügig Beschäftigte im Rahmen einer sogenannten Arbeitnehmerüberlassung. Nachdem die Bundesagentur für Arbeit und ein Anwalt der Firma den Betrieb prüften, stellte sich heraus: Das von der Stadt gewählte Modell ist nicht rechtens. „Das darf man so gesetzlich nicht“, erklärt Fred Stradinger, CDU-Stadtrat und Mitglied im Sportausschuss.

Deshalb musste eine neue Lösung her. „Die einzige mögliche Beschäftigungsform ist eine bei der Stadt Stuttgart“, sagt Daniela Klein vom Sportamt. Deshalb präsentierte die Stadt dem Gemeinderat eine entsprechende Vorlage zur Abstimmung. „Wir sind froh, dass wir so viel Personal benötigen, weil das heißt, dass die Eiswelt gut angenommen wird“, sagt Stradinger. Für ihn sei die Eiswelt „das größte Jugendhaus Stuttgarts“. Dort treffen sich Jugendliche aus allen Stadtbezirken, um auf dem Eis entlang zu gleiten.

Können Automaten die Aufsicht übernehmen?

Der Gemeinderat bewilligte Stellen von insgesamt 500 Prozent – allerdings zunächst nur für die kommende Saison, die von Oktober bis März geht. Denn zeitgleich soll geprüft werden, ob Maschinen die Arbeit der Angestellten zumindest teilweise übernehmen könnten.

Die geringfügig Beschäftigten in der Eiswelt haben vor allem zwei Aufgaben: Einerseits kontrollieren sie den Einlass, andererseits beaufsichtigen sie Schlittschuhläufer auf dem Eis. Ein automatisiertes Zugangssystem könnte die Kassenwarte am Eingang ersetzen. Schon jetzt bezahlen die Schlittschuhläufer den Eintritt an Automaten, von Angestellten bekommen sie nur einen Stempel auf die Hand gedrückt. „Das ist ein althergebrachtes System, das nicht mehr zeitgemäß ist“, sagt Daniela Klein vom Sportamt. Die Kontrolleure überprüfen lediglich, ob diejenigen, die rein- und rausgehen, gezahlt haben.

Stradinger ist skeptisch, ob Automaten die Menschen tatsächlich ersetzen könnten: „Ohne Personal können sie nicht auskommen,“ meint er. Ein Computer könnte seiner Meinung nach beispielsweise kaum die Aufsicht übernehmen.

Eine rein saisonale Beschäftigung soll verhindert werden

Ein weiteres Problem: Die Eiswelt hat nur in der kalten Jahreszeit für den Publikumslauf geöffnet. Eine rein saisonale Beschäftigung wolle man aber verhindern, betont Stradinger. Dafür werde derzeit geprüft, ob die Leute im Winter auf der Eisbahn arbeiten könnten und im Sommer in den Freibädern. „Was man im Winter an Kräften für die Eiswelt braucht, das braucht man im Sommer in den Freibädern“, erklärt er.

Daniela Klein vom Sportamt bestätigt: Man spreche bereits mit den Bäderbetrieben über dieses Thema. Und die Idee komme auch schon zum Einsatz: An den Kassen und der Infothek der Eiswelt arbeiten schon jetzt Vollzeitkräfte, die im Sommer am Beckenrand der Freibäder stehen und hinter den Bäderkassen sitzen. Dieses Angebot wolle man künftig auch den geringfügig Beschäftigten machen. In Fortbildungen sollen die Angestellten lernen, was dafür nötig ist.

„Das ist auch eine soziale Frage“, sagt Stradinger. Denn wer nur für ein halbes Jahr einer festen Arbeit nachgehen könne, der müsse in der anderen Hälfte des Jahres bangen. Im Moment müsse man aber noch prüfen, ob das rechtlich funktioniert. Stradinger vertritt eine klare Meinung: „Ziel ist es, den Personen eine sinnvolle, ganzjährige Arbeit zu ermöglichen.“

Redaktion Degerloch

Ansprechpartner
Ralf Recklies
degerloch@stz.zgs.de

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