„"hemen gibt es immer, sonst wäre es langweilig", sagte Chef de Mission Michael Vesper im Deutschen Haus von Krasnaja Poljana. "So lange sie den sportlichen Erfolg nicht beeinträchtigen, kommen wir damit gut zurecht." Foto: dpa

Die von Anni Friesinger-Postma ausgelöste Schlammschlacht ist im Lager der Eisschnellläufer ein viel diskutiertes Thema. Die Sportler gehen professionell damit um. "Themen gibt es immer, sonst wäre es langweilig", sagt Chef de Mission Michael Vesper.

Die von Anni Friesinger-Postma ausgelöste Schlammschlacht ist im Lager der Eisschnellläufer ein viel diskutiertes Thema. Die Sportler gehen professionell damit um. Patrick Beckert, Bruder von Stephanie Beckert, lehnt die Rolle als Schlichter ab. Sein Trainer Stephan Gneupel wehrt sich gegen Kritik.

Sotschi - Die meisten deutschen Eisschnellläufer schütteln über den neuerlichen „Zickenzoff“ nur den Kopf. Patrick Beckert jedenfalls will sich auf seine Rennen konzentrieren und lehnt eine Rolle als Schlichter im Konflikt zwischen Anni Friesinger-Postma und der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft ab. „Das ist nicht meine Baustelle. Das wäre jetzt nicht clever, sich da reinzuhängen“, sagte der Bruder der Team-Olympiasiegerin Stephanie Beckert am Mittwoch nach der Trainingseinheit in der Adler-Arena von Sotschi.

„Da werden jetzt Dinge hochgekocht, die weit vor meiner Zeit lagen. Das kommt von außen, im Team herrscht Ruhe. Auch zwischen Stephanie und Claudia Pechstein“, meinte Beckert. „Viele Dinge werden überspitzt. Wir betreiben eine Einzelsportart: Unstimmigkeiten hat es da immer mal gegeben“, sagte der umgängliche Erfurter mit einem Lächeln.

Auch die Führung der deutschen Olympia-Mannschaft will Konflikte nicht überbewerten. „Themen gibt es immer, sonst wäre es langweilig“, sagte Chef de Mission Michael Vesper im Deutschen Haus von Krasnaja Poljana der Nachrichtenagentur dpa. „So lange sie den sportlichen Erfolg nicht beeinträchtigen, kommen wir damit gut zurecht.“ Man wolle das mannschaftsintern regeln.

Zuvor waren Claudia Pechstein und der Verband Zielscheibe der Kritik der dreimaligen Olympiasiegerin Anni Friesinger-Postma geworden. Sie hatte in einer Kolumne erklärt, im Team herrsche große Unruhe, weil Pechsteins Freund Matthias Große eine Olympia-Akkreditierung erhalten habe. Der DESG warf sie vor, in Kauf zu nehmen, „dass junge und sensible Talente wie eine Stephanie Beckert eben an dieser forschen Art zerbrechen“. Beckert hatte die Aussagen ihrer Freundin und die mangelnde Unterstützung des Verbandes in der Auseinandersetzung mit Pechstein bestätigt.

Wie Friesinger-Postma werden auch die Beckert-Geschwister vom selben Management betreut. „Anni ist seit drei Jahren journalistisch tätig und sieht in diesem Metier auch ihre Zukunft. Auch als Exsportlerin hat sie ihre Meinung. Sieht hat nur Fakten aufgezeigt“, sagte ihr Manager Klaus Kärcher am Mittwoch der dpa.

"Ich habe mit mir genug zu tun"

„Ich muss schon schmunzeln, was ich da so lese“, meinte der Inzeller Moritz Geisreiter, der nun nach seinem zehnten Platz über 5000 Meter auch die 10.000 Meter am 18. Februar in Angriff nehmen darf. „Der Konflikt besteht, Teile der Mannschaft sind betroffen. Das kann man nicht wegdiskutieren. Ich nehme das zur Kenntnis und halte mich da raus“, meinte der 2,00-Meter-Schlaks. Ähnlich sieht es die Erfurterin Judith Hesse. „Äußere Einflüsse muss man ausblenden. Ich habe mit mir genug zu tun“, sagte sie nach ihrer Disqualifikation über 500 Meter wegen zwei Fehlstarts am Dienstag. „Anni war während unseres Trainingslagers mehrere Tage für ihre Fernseh-Show in Inzell. Da hat sie kein Wort zu uns gesagt“, kritisierte ihr früherer Heimtrainer und jetzige Chefcoach Markus Eicher.

Verwundert zeigte sich auch Beckert-Coach Stephan Gneupel über Angriffe des früheren Bundestrainers Ab Krook und Friesingers Ex-Coach Gianni Romme. Die Niederländer hatten die DESG-Strukturen für bürokratisch und das Trainerteam als überaltert bezeichnet. „Ab Krook hat als Bundestrainer nie mehr die Leistung von den Athleten abrufen können, wie er es zuvor in den Niederlanden getan hatte. Und auch da hatten meine Athleten gegen seine meist gewonnen“, konterte Gneupel.

„Die Physis meiner Athleten ist so gut wie früher. Aber bei Stephanie Beckert gab es ja das berühmte 'Aha-Erlebnis' im Team“, meinte der 65 Jahre alte Erfurter, der nach der Saison seine Karriere beendet. Er spielte damit auf die Situation an, als Pechstein der Rivalin nach dem Weltcup-Teamrennen in Heerenveen öffentlich „Arbeitsverweigerung“ vorwarf. Das hatte bei der sensiblen Stephanie Beckert einen mentalen Zusammenbruch ausgelöst, von dem sie sich bis heute noch nicht erholt zu haben scheint.

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