Endlich Frühling, endlich Wärme, doch für die Kugel Eis muss man in dieser Saison etwas mehr bezahlen. Warum ist das so? Wir haben nachgefragt.
Und wieder bilden sich an der Volmarstraße Schlangen. Am 15. März, pünktlich zum Pferdemarkt in Bernhausen, ist die Eisdiele Eisbär aus dem Winterschlaf erwacht, und viele Fans haben drauf gewartet. Seit 1995 gibt es das kleine Café im Ort, 2022 hat Felix Ruck das Geschäft übernommen, und er weiß: Das Angebot kommt einfach an. „Der Platz ist nett, und jetzt wird’s warm“, sagt er im Schatten eines großen Sonnenschirms. Allerdings: Der Eisbär musste seine Preise erhöhen. Statt 1,60 Euro kostet die Kugel in dieser Saison 1,80 Euro. Felix Ruck spricht von mitunter deutlich gestiegenen Rohstoffpreisen, vor allem für Pistazien.
„Es schwankt stark“, sagt Ruck, auch Energie- und Personalkosten müsse er weitergeben. „Es summiert sich. Es muss sich rechnen“, sagt er. Und Felix Ruck ist nicht allein. Landauf, landab ist Eis in dieser Saison teurer geworden. Laut dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband schlagen sich gestiegene Kosten für Material, Energie und Personal nieder. In Stuttgart etwa kostet die Kugel bis zu drei Euro. Ein paar Meter vom Eisbär entfernt, am Bahnhof in Bernhausen, hat die kleine Eisdiele Verdi ebenfalls von 1,60 auf 1,80 Euro pro Kugel erhöht. 20 Cent draufschlagen auf nunmehr 1,70 Euro pro Kugel musste auch Weli Celik. Er führt mit seiner Frau das Eiscafé Culinaria in Sielmingen; ein Angebot, das es erst seit 2023 gibt. Seinerzeit hatte er seinen Dönerladen um Süßes erweitert. „Das fehlte hier in Sielmingen“, sagt er. Dass Weli Celik nach zwei konstanten Jahren beim Eis-Preis anziehen musste, ärgert ihn. „Die Energiekosten haben uns auch beim Döner das Genick gebrochen“, sagt er, zudem berichtet auch er von stark gestiegenen Rohstoffpreisen. „Ab dem nächsten Monat muss ich meinen Döner für acht Euro anbieten“, sagt er. Trotz aller Schwierigkeiten: Weli Celik freut sich jetzt erst mal übers Frühjahr. Mitte der Woche ist er mit seinen 20 Eissorten in die Saison gestartet. In diesem Jahr wird es bei ihm beispielsweise wieder Zimteis geben, „das wurde letztes Jahr sehr gut angenommen“.
Wohin die Preise gehen? Im Echterdinger Eiscafé Venezia, seit mehr als 40 Jahren am Standort an der Hauptstraße und damit einer der Klassiker auf der Filderebene, weiß man es noch nicht genau. Silvio Maccari, der Chef, hat bereits Anfang März die Winterpause beendet und wieder aufgemacht – zunächst mit dem Vorjahrespreis 1,80 Euro pro Kugel. „Im Moment, aber ich habe auch viele Unkosten“, sagt er. Der Preis für Kakao etwa habe sich nahezu verdoppelt, die sieben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müsse er auch bezahlen. Daher kündigt er eine Preiserhöhung an – auf vermutlich 1,90 Euro pro Kugel. Die werde um die Osterzeit herum kommen, gleichzeitig mit einem umfangreicheren Sortenangebot. Silvio Maccari verspricht: „Die Qualität ist bekannt.“
Dem Eisbär-Inhaber in Bernhausen jedenfalls haben die Kundinnen und Kunden die Preiserhöhung bislang nicht krummgenommen. „Wem die Kugel letztes Jahr 1,60 Euro wert war, der zahlt auch 1,80 Euro“, sagt Felix Ruck. Und immerhin: Die 24 Sorten, die er in der Kühltheke habe, seien alle selbst gemacht. So wie das Haferkeks-Eis, eine Eigenkreation, die derzeit neu angeboten wird. Felix Ruck kündigt an, während der Saison geschmackstechnisch durchwechseln zu wollen. Zeit zum Testen bleibt noch viel. „Die Saison geht im Normalfall bis zum Tag der Deutschen Einheit.“