Das Stuttgarter Architekturbüro Behnisch soll die Erweiterung des Erich-Kästner-Gymnasiums in Eislingen planen. Der Gemeinderat hat die nächsten Schritte vergeben.
Das Stuttgarter Büro Behnisch Architekten wird vermutlich den Erweiterungsbau für das Erich-Kästner-Gymnasium betreuen. Der Gemeinderat hat das „renommierte Architekturbüro“, so Christoph Braun, Leiter des Hochbauamts, damit beauftragt, das Bauvorhaben weiter zu planen. Zunächst wurden jetzt die Leistungsphasen 1 und 2 nach Honorarordnung vergeben. Dazu gehören Beratung, Klärung des Aufgabenbedarfs, Erarbeiten eines Planungskonzepts und die Kostenschätzung.
Damit ist zwar noch keine verbindliche Entscheidung für weitere Aufträge ans Büro Behnisch getroffen, aber die Stadt geht laut Braun davon aus, dass Behnisch „die gesamte Schulbaumaßnahme für uns umsetzt und mitbetreut“.
Bauarbeiten sollen im zweiten Quartal 2028 beginnen
Die Stadt möchte mit den Bauarbeiten im zweiten Quartal 2028 beginnen. Gegen Ende 2026 sollen Vorplanung samt Kostenberechnung sowie ein Termin- und Projektplan dem Gemeinderat vorgestellt werden, berichtet Braun. Er rechnet mit einer Bauzeit von 18 Monaten, somit könnte der Erweiterungsbau Ende 2029, Anfang 2030 fertig sein. Bisher gibt es eine skizzenhafte Vorplanung.
Der Erweiterungsbau dockt nordöstlich am Gymnasium entlang der Talstraße an. Der dreigeschossige Bau bietet auf 3300 Quadratmetern Bruttogeschossfläche 2000 Quadratmeter Programmfläche. Das Flachdach soll begrünt werden und eine flächendeckende Photovoltaikanlage erhalten. Ins Erdgeschoss kommt eine neue Aula, die flexibel mit dem Musiksaal auf der Nordseite kombiniert werden kann. Dort sind auch Unterrichtsräume. Auf die Südachse kommen die Werkstätten mit der Maschinenhalle. In der Mitte werden Toiletten und Räume für die Haustechnik platziert. Im ersten Obergeschoss sind acht Klassenzimmer, zwei kleinere Gruppenräume, größere offene Lehrbereiche und Toiletten vorgesehen. Das 2. OG bietet Klassenzimmer für die Oberstufe und offene Lehrbereiche. Die Architekten schlagen vor, dass ein Teil des 2. OGs frei bleibt. Dort wäre Platz für eine begehbare Terrasse, die auch als „grünes Klassenzimmer“ genutzt werden kann. Dieser Bereich könnte später überbaut werden, falls eine weitere Erweiterung erforderlich wird. Das Raumprogramm haben Verwaltung, EKG und Architekten abgestimmt. Ob es so umgesetzt wird, werden die weiteren Planungsschritte zeigen, erläutern die Fachbereichsleiterin Bauen, Mira Irion, und Christoph Braun in einem Telefongespräch.
Dies gilt auch für Änderungen im Altbau. Der flache Anbau soll etwas zurückgebaut werden, um einen „grünen Übergang“, wie es in der Verwaltungsvorlage heißt, zwischen Bestand und Neubau zu schaffen. Die Verbindung wird als zentrales Gestaltungselement verstanden. Erst das Abrücken des Neubaus vom Bestand um fünf Meter schafft Platz für den Übergang. Zusammen mit dem reduzierten zweiten Obergeschoss werde die „Belichtungssituation“ des Altbaus gewährleistet. Die geplante Platzierung des Neubaus soll auch ermöglichen, den Baumbestand weitgehend zu erhalten.Die Planer haben sich auch Gedanken über den Flurbereich im Bestandsbau gemacht. Da die Wegführung ohnehin verschachtelt sei, sollen die Flure breiter werden. Dafür sollen zwei für den Biologieunterricht genutzte Räume wegfallen. An deren Stelle soll neben dem breiteren Flur ein zentrales SMV-Zimmer eingerichtet werden.
Die Kosten für die Erweiterung sind noch unklar
Für die Schulerweiterung nutzt die Stadt das sogenannte VGV-Verfahren . Das Verfahren wird von kommunalen Spitzenverbänden und Vertretern von Architektenverbänden laut einem Leitfaden für VgV als Chance verstanden, „Vergabeverfahren effizient durchzuführen“ und die „Qualität der Leistungen bei der Vergabe stärker zu gewichten“. Neben dem Auftrag ans Architekturbüro Behnisch wurden auch die nächsten Planungsschritte in den Bereichen Tragwerksplanung, Brandschutz und technische Gebäudeausrüstung vergeben.
Was die Erweiterung kosten wird, ist noch unklar. Bisher stehen in der Finanzplanung 16,5 Millionen Euro. Allerdings ist das laut Stadtverwaltung ein „reiner Platzhalter“, bis eine erste Kostenberechnung vorliegt.
Von 49 Büros wurden fünf ausgelost
Verfahren
Eine europaweite Ausschreibung nach der Vergabeverordnung für öffentliche Aufträge wird als VgV-Verfahren bezeichnet. In einem ersten Schritt hatten sich für die Planung des Eislinger EKG 65 Architekturbüros beworben. Davon haben sich 49 fürs VgV-Verfahren qualifiziert. Sie hatten die volle Punktzahl erreicht. Das Verfahren sah vor, dass von den 49 Büros fünf für die Objektplanung ausgelost wurden.
Projektskizzen
Die fünf Büros haben im Januar ihre Projektskizzen vorgestellt. Eine Verhandlungskommission aus Vertretern der Verwaltung, der Schule, des Gemeinderats und eines externen Beraters hat die Vorschläge nach einem Punktesystem bewertet. Das Architekturbüro Behnisch holte bei der Objektplanung die meisten Punkte.