Immer mehr Bürger werfen ihren Müll einfach auf die Straße, klagen viele Städte. Auf der anderen Seite wird es selbst ordentlichen Zeitgenossen manchmal schwer gemacht, Abfälle richtig zu entsorgen, etwa weil Mülleimer zu selten geleert werden. Foto: imago/Ralph Peters

Weil immer mehr Menschen ihren Müll einfach auf die Straße werfen, hat man im Rathaus ein Konzept erarbeitet, das künftig für mehr Sauberkeit sorgen soll. In Göppingen wünscht sich so mancher mehr Engagement bei diesem Thema.

Göppingen - So mancher Bürger wird in Eislingen womöglich bald sein blaues Wunder erleben: Die Stadt wird demnächst zwei Menschen auf 450-Euro-Basis einstellen, die im Grunde nur eine Aufgabe haben, nämlich Müllsünder auf frischer Tat zu ertappen. Die Müll-Sheriffs sollen in Zivil an Brennpunkten in der Innenstadt patrouillieren und die Personalien von Bürgern aufnehmen, die ihre Kippen einfach auf die Straße werfen, ihren Müll im Schlosspark liegen lassen oder Abfälle vor bereits vollen Containern abladen. Die Daten geben die Sheriffs dann an die für das Thema illegale Müllentsorgung zuständige Bußgeldbehörde des Landratsamtes weiter, die dann Geldbußen in Höhe von 50 bis 250 Euro kassiert.

Die Stadt Eislingen folgt damit dem Beispiel von Göppingen, das seinen Gemeindevollzugsdienst schon lange auch dazu einsetzt, Müll-Sünder in der Innenstadt dingfest zu machen. In der Hohenstaufenstadt gibt es allerdings trotz der zum Teil hohen Geldbußen, die Müllsünder erwarten, regelmäßig Ärger, wenn es um das Thema Abfälle geht. Denn der Gemeindevollzugsdienst behält in erster Linie die City im Auge. Standorte mit Recycling-Containern hingegen werden nicht kontrolliert – zum Ärger der Freien Wähler Göppingen. Sie haben erst jüngst zum wiederholten Mal bemängelt, dass manche Bürger dort einfach ihren Müll abladen, darunter vieles, was weder in die Altkleidersammlung noch zum Altglas gehört.

Mini-Aschenbecher waren ein großer Erfolg

Ein weiteres regelmäßiges Ärgernis sind die gelben Säcke, die von manchen Bürgern schon Tage vor der Abholung auf die Straße gestellt werden und sich dort oft zu Bergen stapeln. Der Versuch der Stadt, das Problem per Androhung eines Bußgelds zu lösen, hat wenig geändert. Theoretisch dürfen die Säcke frühestens am Vorabend der Abholung um 18 Uhr auf die Straße. Andernfalls droht ein Bußgeld. Doch die Müllsünder bei frischer Tat zu ertappen ist nicht einfach.

In Eislingen geht man das Abfallproblem nun mit einem umfangreichen Konzept an, dass auf drei Säulen setzt: Die Bürger sollen erstens für das Thema sensibilisiert werden. Dazu soll beispielsweise eine Plakataktion dienen, die auf das Thema aufmerksam machen soll. Die humorvoll gestalteten Plakate sollen in der Innenstadt, bei Recycling-Containern und in Grünanlagen aufgehängt werden.

Bereits vor einigen Monaten hat die Stadt mit Mini-Aschenbechern für die Hosentasche dafür geworben, Zigarettenkippen nicht auf die Straße zu werfen. Die 1000 Mini-Ascher, die man sich im Rathaus schenken lassen konnte, sind bereits alle weg. „Wir haben deshalb 1000 weitere bestellt“, berichtete der Bürgermeister Klaus Heininger jüngst im Gemeinderat.

Künftig gibt es mehr und teilweise auch größere Mülleimer

Die zweite Säule des Konzepts ist die Verbesserung der Infrastruktur. Schließlich müssen Bürger, die ihren Müll ordentlich entsorgen wollen, auch die Möglichkeit dazu haben. In erster Linie bedeutet das, dass die Stadt künftig noch mehr Mülleimer aufstellt und diese möglicherweise auch häufiger leeren lässt. Geplant sind zusätzlich Mülleimer an Containerstandorten, größere Mülleimer rund um den Bahnhof und Mülleimer mit Aschenbecherfach im Schlosspark.

Die Stadt will den Bürgern aber nicht nur bei der Entsorgung, sondern auch bei der Vermeidung von Abfällen behilflich sein. Die Stadt ist deshalb in Kontakt mit dem Unternehmen Recup, das statt Einwegbechern, etwa für Kaffee-to-go, Becher anbietet, die zurückgegeben werden können, gereinigt und dann erneut verwendet werden. Denn ein großer Teil des Mülls in der City besteht aus To-Go-Produkten. Allerdings gebe es bei Recup eine Warteliste für Kommunen, berichtete Heininger. „Daran sehen wir, dass das Problem auch in anderen Städten omnipräsent ist.“

Bei den Fraktionen im Gemeinderat kam das Konzept gut an. Sie stellten sich alle hinter den Plan, auch wenn er die Stadt alles in allem rund 90 000 Euro kosten wird und es für das Problem mit den Gelben Säcken, das auch Eislingen kennt, bisher keine Lösung gibt.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: