Die Gesellschaft Konzepte soll für Flächen bei der Lutherkirche ein innovatives Wohnkonzept erstellen. Foto: Horst Rudel

Im Umfeld der Lutherkirche in Eislingen-Süd sollen Wohnungen entstehen, die den gesellschaftlichen Wandel berücksichtigen. Die Gesellschaft Konzept-e hat drei mögliche Baufelder ausgemacht.

Eislingen - Wohnungen für alle Generationen und Bevölkerungsschichten sollen im Umfeld der Eislinger Lutherkirche entstehen. Nach einer ausgiebigen Diskussion hat der Gemeinderat einstimmig der Stuttgarter Gesellschaft Konzepte für Bildung und Soziales den Auftrag erteilt, ein innovatives Wohnkonzept für dieses Areal zu erstellen und Pläne für ein erstes Baufeld östlich der Hirschkreuzung zu konkretisieren. Dort soll ein Gebäude mit 22 Wohnungen und zwei großen Wohngemeinschaften entstehen. Die Kosten werden auf 5,9 Millionen Euro geschätzt.

Die brachliegende Fläche an der Lutherkirche ist der Stadtverwaltung und den Fraktionen des Gemeinderats schon seit Jahren ein Dorn im Auge. Doch bisher fehlte es an einem zündenden Konzept. Jetzt scheint sich mit der Gesellschaft Konzepte ein Unternehmen für diese Fläche zu interessieren, das bereits Erfahrungen mit Projekten wie diesem hat. Im Gemeinderat stellten Clemens Weegmann und Silke Hachenberg ihre Ideen für das neue Wohnquartier vor. Sie schlagen vor, das Umfeld der Kirche in drei Baufelder zu unterteilen. Da der Umbau der Hirschkreuzung durch einen Bürgerentscheid fürs erste vertagt wurde, soll das Areal zunächst von Osten her entwickelt werden.

Bürger sollen einbezogen werden

Ein erstes Modul, wie Hachenberg es nannte, soll auf der Fläche zwischen der Lutherkirche sowie der Weber- und Ulmer Straße entstehen. Ein zweites Baufeld ist direkt am künftigen Hirschkreisel geplant, ein drittes würde sich auf privatem Grund an der Weberstraße erstrecken. Jeder der ins Auge gefassten drei Abschnitte funktioniere autark, versicherte Hachenberg. Deshalb sei es auch kein Problem, zunächst nur eine Fläche zu bebauen.

Wohnen mit Komfort lautet das Stichwort für das erste Modul. Vor allem Menschen im Alter von etwa 60 Jahren sieht Konzepte als Zielgruppe an, erläuterte der Geschäftsführer Weegmann. Sie sollen je nach Bedarf Serviceangebote und Zusatzleistungen buchen können, um auch im fortgeschrittenen Alter noch in den eigenen vier Wänden bleiben zu können.

Nicht nur Senioren sollen in dem U-förmigen Gebäude, das das Büro Pesch und Partner im Auftrag der Gesellschaft entworfen hat, wohnen. Angestrebt ist eine lebendige Nachbarschaft, die sich etwa in einer Gemeinschaftswerkstatt, einer Waschbar, einem Veranstaltungsraum oder Gemeinschaftsflächen im Freien manifestieren kann. Damit die Angebote nicht versanden, soll sie ein professioneller Kümmerer koordinieren. Eine Möglichkeit sei auch, das soziale Leben über eine spezielle App zu vernetzen, erläuterte Silke Hachenberg. Sie sicherte dem Gremium ferner zu, die Bürger in die Planungen einzubinden.

Jung und Alt unter einem Dach

Ein erster Entwurf sieht 14 kleinere Wohnungen vor, die sich für Senioren, aber auch für Singles jeden Alters eignen. Außerdem sollen bis zu sechs größere Wohnungen für Familien in dem Gebäude entstehen. Zwei große Wohngemeinschaften ergänzen das Angebot. Während die WG unter dem Dach als Pflegegemeinschaft angedacht ist, könnte im Erdgeschoss eine Jugendwohngruppe entstehen.

Die Ratsmehrheit stand den Vorschlägen aufgeschlossen gegenüber. Positiv beurteilten die Fraktionen, dass Konzepte lediglich 40 Prozent der Wohnungen veräußern will. Die restlichen 60 Prozent sollen als Mietwohnungen vermarktet werden. Allerdings gab es auch einige kritische Stimmen. So forderte Andreas Cerrotta, der Fraktionsvorsitzende der Freien Wählervereinigung, einen Architektenwettbewerb. Ingrid Held (SPD) befürchtete, dass durch die geplante Bebauung vor allem der zweiten und dritten Fläche die Kirche „zugebaut“ werden könnte. Dies sei in dieser Form nicht hinnehmbar.

Auch die Frage nach den Kosten wurde aufgeworfen. Oberbürgermeister Klaus Heininger bremste diese ins Detail gehenden Fragen erst einmal aus. Zunächst gehe es darum, einen ersten Schritt zu machen. Er ist überzeugt, dass Eislingen mit diesem Projekt auf dem richtigen Weg ist. „Wir müssen Ideen für die Stadtentwicklung dem Wandel der Zeit anpassen.“

Große Nachfrage nach Seniorenwohnungen

Der demografische Wandel ist auch in Eislingen spürbar. Die Nachfrage nach Seniorenwohnungen und Pflegeangeboten ist deshalb groß und kann zurzeit nicht gedeckt werden. Die Grünen- und die SPD-Fraktion sind deshalb im Gemeinderat schon mehrfach mit Anträgen zu einer Entwicklung des Lutherkirchen-Areals vorgeprescht. Nachdem die Stadt selbst keine Interessenten für das Generationenwohnen gefunden hat, sieht die Verwaltung nun die Chance, zusammen mit der Gesellschaft Konzepte für Bildung und Soziales einen Schritt in diese Richtung voranzukommen. Konzept-e betreibt und baut seit 25 Jahren Kindertagesstätten. Mittlerweile richtet sie ihr Augenmerk auch auf Generationenwohnen und Seniorenhausgemeinschaften.

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