Die Neue Mitte fest im Blick: Oberbürgermeister Heininger (2.v.l.) und sein Rathausteam erläutern die Planungen. Foto: Michael Steinert

Großbaustellen prägen in den nächsten Jahren das Gesicht der Stadt Eislingen. Als neue Nord-Süd-Verbindung soll westlich des Rathauses und der Stadthalle die Mühlbachtrasse entstehen. Außerdem soll die Bahnüberführung einem zentralen Platz weichen.

Eislingen - In die weitere Entwicklung der Innenstadt will die Stadt Eislingen in den nächsten sieben Jahren 20 Millionen Euro stecken – die Bürger finden das gut. Zumindest konnte diesen Eindruck gewinnen, wer beim achten Forum Stadtentwicklung im Jurasaal der Stadthalle dabei war. Diskutiert wurden dort von den anwesenden Bürgern vor allem Detailfragen. An den Eckpfeilern der Planung für eine Neue Mitte wurde, wenn überhaupt, nur sachte gerüttelt. Es sei unabdingbar notwendig, so formulierte es ein Bürger, „dass bereits Umgesetztes nicht als Torso stehen bleibt“. Das Forum Stadtentwicklung bietet einem festen Stamm an ausgewählten Bürgern, Vertretern des Gemeinderats und der Verwaltung sowie interessierten Bürgern die Möglichkeit, Bedenken und Anregungen vorzubringen. Das letzte Wort aber bleibt beim Gemeinderat.

Der Bau einer Trasse, die die Hauptstraße als Nord-Süd-Verbindung ablöst, der Abriss der bestehenden Brücke über die Bahn und die Anlegung eines Marktplatzes zwischen dem neuen Rathaus und dem historischen Schloss – das sind die zentralen Punkte, welche die Stadt Eislingen in den nächsten Jahren abarbeiten will, um eine neue Mitte zu schaffen. Die Finanzierung sei machbar, ohne andere Pflichtaufgaben zu vernachlässigen, erklärte der Oberbürgermeister Klaus Heininger: „Wir haben jetzt die besten Rahmenbedingungen.“ Er verwies auf die gute Konjunktur, die stabile wirtschaftliche Lage der Stadt und das niedrige Zinsniveau. Er schätzt, dass nach 20 Jahren 70 bis 80 Prozent der Schulden getilgt sein könnten.

Mammutbaustelle unter der Bahn

Zur Vorstellung der Planungen hatte Heininger den Baubürgermeister Jürgen Gröger mit einer ganzen Riege des Baudezernats und den Stadtplaner Christof Weigel vom Architekturbüro Baldauf in die Stadthalle mitgebracht. Sie informierten das sogenannte Stammforum und die knapp 100 interessierten Bürger, die an diesem Abend gekommen waren, in knappen Worten über die nächsten Schritte der Stadtentwicklung. Doch so umfangreich und teuer die nächsten Bauabschnitte auch sein werden, die Stadtverwaltung konnte die Mehrheit des Bürgerforums auf ihre Marschroute einschwören. „Es gibt eine große Übereinstimmung, dass wir weiter machen und das möglichst schnell zu Ende führen müssen“, erklärte der CDU-Fraktionschef Manfred Strohm. In der Geschichte des Forums war das nicht immer so. Über die Gestaltung der Hirschkreuzung entzündete sich ein so großer Disput, dass es 2016 einen Bürgerentscheid gab.

Auf den Nägeln brannten den Bürgern diesmal vor allem Details der Planung, etwa ob die durch die Neugestaltung der Innenstadt zusätzlich frei werdenden Flächen für den Handel genutzt werden sollen. Heininger winkte ab. Mit diesen Flächen werde die Stadt „eher restriktiv“ verfahren, um den bestehenden Einzelhandel nicht weiter zu schwächen.

Ein weiteres Anliegen war den Bürgern der Park & Ride-Platz am Bahnhof. Der Oberbürgermeister bestätigte die Befürchtung, dass die Fläche kleiner werde. Allerdings wolle man später in Richtung Osten erweitern. Erhebliche Einschränkungen während des Baus der Mühlbachtrasse kündigte der Tiefbauamtschef Anton Frey an. Dies sei aber unumgänglich, um diese Mammutbaustelle überhaupt stemmen zu können. Da ein Teil der Straße unter der Bahnlinie durchgeführt werde, sei dieses Projekt eine besondere Herausforderung. Auch die geplanten Parkplätze auf dem künftigen Marktplatz wurden hinterfragt. Der Stadtplaner Weigel hält die Stellplätze aber für unverzichtbar. Dies sei eine zentrale Forderung der umliegenden Geschäfte gewesen. Heininger versprach, diesen Punkt noch einmal zu überdenken.

Brücke über Bahn einst als Meilenstein gefeiert

Den Vorschlag, auf den Bau der Mühlbachtrasse zu verzichten, hielt der Oberbürgermeister für nicht praktikabel. Ohne diese Straße sei der Verkehr nicht zu beherrschen. Die Stadtverwaltung rechnet, dass täglich 11 000 Fahrzeuge diese neue Straße passieren werden.

Fundamentale Kritik äußerten lediglich der SPD-Fraktionschef Peter Ritz und die Grünen-Fraktionschefin Ulrike Haas. Beide gehören dem Stammforum an. Ritz forderte, dass man noch einmal über den Bau der Mühlbachtrasse sprechen müsse, da für dieses Projekt 3,5 Millionen Euro eingeplant seien, die eigentlich für die Neugestaltung des Haug-Areals vorgesehen gewesen seien. Er finde es nicht gut, dieses Geld in das „Autotunnelprojekt“ zu stecken. Haas dagegen formulierte ihr Unbehagen am geplanten Abriss der Bahnbrücke. Das Bauwerk sei 1967 bei seiner Freigabe als „Meilenstein“ gefeiert worden. Daher solle man es erhalten und begrünen.

Auch die lang- und mittelfristigen Ziele wurden noch gestreift. Der Baubürgermeister berichtete, welche Pläne die Stadt für den Bahnhof, das Haug-Areal, das sich neben der Stadthalle entlang der Fils erstreckt, und das frühere Polizeirevier hat.

Die nächsten Schritte

In einem ersten Bauabschnitt muss eine Nord-Süd-Verbindung als Ersatz für die bestehende Verkehrsachse über die Hauptstraße gebaut werden, die sogenannte Mühlbachtrasse. Das Projekt ist anspruchsvoll, verläuft die Straße doch zum Teil unter der Bahn. Die Kosten werden auf 13,5 Millionen Euro beziffert. Davon muss die Stadt voraussichtlich acht Millionen Euro selbst tragen. Die Bauzeit wird auf anderthalb Jahre geschätzt.

Damit die Stadt einen zentralen Platz zwischen dem neuen Rathaus und dem Schloss realisieren kann, muss die Betonbrücke über die Bahn weichen. Sechs Monate sind für den Abbruch eingeplant. Auch diese Arbeiten sind heikel, da unter dem Betonbauwerk Züge verkehren. Erst zum Schluss kann in einem dritten Abschnitt der Marktplatz hergestellt werden. Die Kosten für diese beiden Abschnitte werden auf sieben Millionen Euro geschätzt. Die Hälfte bleibt an der Stadt hängen.

Der Bau der Mühlbachtrasse soll im Jahr 2019 in Angriff genommen werden. Fünf Jahre später, also 2024, sollen alle drei Abschnitte abgeschlossen sein.

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