Claudia Unger hat eine Reise mit großem Aufwand hinter sich – aber es hat sich gelohnt. Foto: Günter Bergmann

Die Trainerin Claudia Unger vom TEC Waldau über ihren Einsatz bei „Skate America“ in Las Vegas, einer der wichtigsten Veranstaltungen ihrer Sportart.

Degerloch - Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen – auch Claudia Unger. Die Eiskunstlauf-Landestrainerin und hauptamtliche A-Lizenz-Trainerin des TEC Waldau war in der vergangenen Woche in Las Vegas als sogenannte Spezialistin bei „Skate America“ im Einsatz. Die Veranstaltung gilt neben Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften als eine der größten und wichtigsten der Szene. Welche Erfahrungen die 44-Jährige bei ihrem sechstägigen Kurztrip in die USA gesammelt hat und welche Auswirkungen die von diesem Mittwoch an gültige Corona-Warnstufe auf der Waldau hat? Darüber haben wir uns mit Unger, die mit ihrer Familie im Birkacher Stadtteil Schönberg lebt, unterhalten.

Frau Unger, mit welchen Gefühlen sind Sie in den Flieger gestiegen, der Sie in die USA gebracht hat?

Mit einem rundum guten Gefühl. Denn zu diesem Zeitpunkt wusste ich, dass die Reise nun tatsächlich losgehen kann – nachdem mich die Vorbereitungen viel Zeit und ebenso Nerven gekostet hatten. Es war im Vorfeld nicht zuletzt auch coronabedingt eine Unmenge an Formularen an die unterschiedlichsten Stellen in den USA einzureichen – der absolute Wahnsinn.

Hat sich schlussendlich der ganze Aufwand gelohnt?

Absolut. Ich hatte mich total gefreut, erstmals nach langer Zeit und den Lockdowns hierzulande wegzukommen und in Las Vegas endlich wieder mal ein pulsierendes Leben zu sehen. Möglich war das allerdings nur mit einer Sondergenehmigung. Touristische Einreisen in die USA waren zu diesem Zeitpunkt noch gänzlich untersagt.

Sie waren als Spezialistin bei „Skate America“ im Einsatz. Was darf man sich darunter vorstellen?

Es gibt bei den Veranstaltungen eine Preisrichterebene sowie eine Abteilung mit technischen Abgeordneten. Zu Letzteren habe ich gezählt. Das bedeutet, dass ich in Las Vegas bei den Damen und auch den Herren alle Trainingseinheiten mitverfolgen musste. Anschließend gilt es in Dreierteams, die Qualität der gezeigten Sprünge und Elemente der Läuferinnen und Läufer aus technischer Hinsicht zu bewerten und dann die Ergebnisse den Preisrichtern mitzuteilen.

Das klingt zeitaufwendig.

Das stimmt. Doch waren nach den Trainings auch noch weitere Meetings angesetzt, in denen sich alle Abgeordneten treffen und besprechen, wie die gezeigten Leistungen einzuordnen sind. Eine meiner Kolleginnen kam aus Seoul, die andere aus Moskau.

Welchen sportlichen Stellenwert hat „Skate America“?

Die Veranstaltung ist im Weltcupkalender die Saisonpremiere für die Seniorinnen und Senioren und daher etwas ganz Besonderes. Dort wollen sich nach Möglichkeit alle Sportlerinnen und Sportler zeigen, die der Weltklasse angehören. Gleichzeitig ist es für alle Beteiligten eine tolle Möglichkeit, zu schauen, was sich neben neuen Lauf-Elementen auch in musikalischer Hinsicht und ebenso bei den Kostümtrends getan hat.

Hatten Sie auch Zeit, um Land und Leute kennen zu lernen?

Nur wenig. Ich habe es trotzdem geschafft, eine der berühmten Shows in Las Vegas anzuschauen. Das war für mich schon etwas ganz Besonderes, in einer solchen Show mitten im Publikum zu sitzen – natürlich mit Maske. Ich habe es mir auch nicht entgehen lassen, die weltbekannten Wasserspiele am Hotel Bellagio anzusehen – und im dortigen Casino binnen kurzer Zeit den Mindesteinsatz von 25 US-Dollar zu verspielen (lacht).

Von diesem Mittwoch an gilt in Baden-Württemberg die sogenannte Corona-Warnstufe. Hat diese auch Auswirkungen für das Eiskunstlaufen auf der ­Waldau?

Ja. Wir testen wieder engmaschiger. Außerdem dürfen Eltern nicht mehr in die Eishallen, um den Jüngsten unseres Nachwuchses die Schlittschuhe anzuziehen. Das ist bei schlechtem Wetter ein echtes Problem.