Paar auf dem Eis: Aljona Sawtschenko und Bruno Massot. Foto: dpa

Eiskunstläuferin Aljona Sawtschenko über ihre Hochzeit, die Ablösezahlung für Bruno Massot, die EM und Olympia-Gold.

Stuttgart - Frau Sawtschenko, ich könnte mir vorstellen, die Freude auf die EM in Bratislava ist riesig.
Ja, auf jeden Fall. Ich bin so froh, dass wir endlich bei einem internationalen Großereignis starten dürfen. Bruno Massot und ich haben gut trainiert, wir sind in guter Form und bereit für den Wettkampf. Wir mussten uns ein wenig in das neue Programm reintasten – es macht schon einen Unterschied, ob du nur trainierst oder auch Wettkämpfe bestreitest.
Der Neustart Ihrer Karriere mit dem neuen Partner Bruno Massot ist nach 18-monatiger Sperre geglückt. Gab es Tage, an denen Sie gezweifelt haben, dass alles gut ausgehen wird?
Wirklich gezweifelt nicht. Aber ich habe mich schon oft gefragt, warum das mit ­Brunos Nationenwechsel so schwierig und kompliziert sein muss. Wir wollen doch nur unseren Sport betreiben, aber plötzlich wird da zwischen zwei Verbänden ein kleines Politikum daraus. Das hat mich schon auch belastet, aber weil ich ein positiv denkender Mensch bin, war ich immer davon überzeugt, dass alles so kommen wird, wie es heute ist.
Hat es Sie geärgert, dass für Ihren Partner eine Ablösesumme wie im Fußball an den französischen Verband gezahlt werden musste?
Vergleichen Sie Eiskunstlauf bitte nicht mit Fußball, denn dort geht es um viele Millionen Euro. In unserem Sport ist das nicht ­üblich. Aber anscheinend ist es leider üblich, Ablösesummen zu verlangen. Ich verstehe das einerseits, weil der abgebende Verband eine Entschädigung für die Ausbildung möchte. Andererseits ist es mir unverständlich, denn Menschen sind keine Produkte, die man für Geld kaufen kann. Das ist traurig, aber so ist es eben.
Sie sind an der Ablöse beteiligt, Sie müssen 30 000 Euro beisteuern.
Ich bin froh, dass die DEU (Deutsche Eislauf-Union, d. Red.) uns geholfen hat, dass Bruno wechseln konnte. Wir haben keinen Druck, keine Fristen, an denen wir eine bestimmte Summe überweisen müssten – und das ist auch gut so. So machen wir uns keinen Druck und müssen auch nicht stets daran denken, etwa, dass wir beim Wettbewerb x mindestens die Summe y erlaufen müssen. Wir können uns auf unsere Leistung konzentrieren, und wenn die gut ist, erledigt sich das mit dem Geld von selbst.
Ein Erfolg bei der EM wäre daher aus finanzieller Sicht erfreulich.
Ja, aber man darf so etwas nicht einkalkulieren.
Aber Sie gehören zu den Medaillenfavoriten.
Viele Paare können Medaillen gewinnen, Medaillen kann man sich nicht aussuchen. Ob wir dazugehören, kann ich nicht sagen. Wir können nur unsere Leistung beeinflussen, und wir werden kämpfen, unsere beste Leistung in Bratislava zu zeigen. Wir wissen, was wir können, das müssen wir abrufen – alles andere liegt nicht in unserer Hand.
Auch der französische Verbandspräsident zählt Sie und Ihren Partner zu den Titelanwärtern.
Was soll ich dazu sagen? Das sind schöne Worte.
Immerhin haben zwei russische Paare verletzungsbedingt ihren Start absagen müssen – das erhöht die Chancen für Sie und Bruno.
Dann rücken andere starke Paare nach. Noch mal: Wir konzentrieren uns auf das, was wir beeinflussen können, und das ist unsere Leistung.
Ihr ehemaliger Paarlauf-Partner Robin Szolkowy wird wohl auch in Bratislava sein – als Trainer eines russischen Paares. Haben Sie noch Kontakt zu ihm?
Nein, die Trennung war nicht ganz harmonisch. Ich hatte versucht, Kontakt zu halten, aber er wollte das nicht. Jeder lebt seitdem sein Leben.
Sie haben damals in Chemnitz gelebt. Haben Sie alle Brücken abgebrochen, als Sie nach Oberstdorf gezogen sind?
Wir waren bei einem Schaulaufen im Dezember in Chemnitz, und es war schön, dass dort noch viele Fans von mir sind, die uns einen schönen Empfang beschert haben. Ein paar Freunde habe ich dort noch, aber ansonsten ist alles weg – ich habe nur noch viele schöne Erinnerungen an Chemnitz. Oberstdorf ist eine neue Epoche.
War es ein leichter Schritt, dorthin zu ziehen?
Ja, denn ich liebe die Berge. Auch die ­Trainingsbedingungen sind erstklassig. Es ist alles so, wie ich es mir erhofft hatte.
Nicht nur sportlich. Auch Ihren Verlobten Liam Cross haben Sie hier kennengelernt.
Ja, das kam ganz unerwartet. Ich war ja nicht auf der Suche, ich habe mich auf den Sport konzentriert. Ich habe ihn über Bekannte getroffen, bei denen wir Poker gespielt ­haben. Er hat damals ein bisschen mit mir geflirtet, ich habe es aber gar nicht bemerkt. Erst danach haben mich Freunde darauf hingewiesen. Ich kannte nicht einmal seinen Namen.
Und dann hat es gefunkt.
Wir haben uns ein paarmal übers Internet verabredet, sind Kaffee trinken gegangen und gemeinsam zum Essen.
Ist er ebenfalls Eiskunstläufer?
Nein, er hat auch nicht gewusst, wer ich bin und was ich mache. Wissen Sie, ich muss nicht jedem auf die Nase binden, was ich tue. Ich bin auch froh, dass er kein Eiskunstläufer ist, so dass wir auch andere Themen haben. Er kommt gut klar damit, dass ich viel Zeit für Training und Wettkämpfe investiere.
Wenn das so gut harmoniert: Wann wird geheiratet?
Wenn Sie mich so konkret fragen: in diesem Sommer hier in Oberstdorf im Festspielhaus. Es gibt keinen Grund, länger damit zu warten – zwischen uns passt es, wir sind sehr glücklich.
Wer hat den Antrag gemacht? Traditionell ist das ja der Mann.
Das war bei uns selbstverständlich auch so. Nur weil ich meine Karriere selbst in die Hand nehme, weil ich für mich viel festlege, heißt das noch lange nicht, dass ich wirklich restlos alles bestimme. In dieser Sache bin ich eine ganz traditionelle Frau und habe mich deshalb sehr über seinen Heiratsantrag gefreut.
Wie lange haben Sie überlegt, bis Sie Ja gesagt haben?
Nicht lange.
Wie lange werden Sie Ihre Karriere fortsetzen?
Auf jeden Fall bis zu den Winterspielen 2018. Ich spüre in mir: Ich bin noch nicht am Ende meines Weges, noch nicht am Limit angekommen. Ich genieße es noch immer, in Wettkämpfen zu starten – und zwei Jahre sind keine lange Zeitspanne, die sind schnell vorbei.
Olympia-Gold fehlt noch in Ihrer Sammlung.
Ich will diese Chance nutzen, und wenn es so sein soll, dass es klappt, wäre das wunderbar.
Nach Olympia 2018 ist definitiv Schluss?
Aus heutiger Sicht: ja. Dann bin ich 34, und wir beide haben vor, eine Familie zu gründen. Ich möchte auf jeden Fall Kinder, am liebsten zwei Mädchen, die später aufs Eis gehen (lacht). Und wenn es doch anders kommt, ist es auch gut.
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