Eishockey-Nationalspieler Felix Schütz (Mitte) Foto: dpa

Deutschland schlägt in einem dramatischen Eishockey-Match Lettland 4:3 nach Penaltyschießen – und Felix Schütz erzielt dabei das wohl zweitwichtigste Tor seiner Karriere.

Köln - Fassungslos? Keineswegs! Felix Schütz ist anscheinend ein ganz hart gesottener Bursche. Da drückt der Stürmer exakt 32,8 Sekunden vor Schluss die Scheibe aus dem Gewühl zum 3:3 ins lettische Tor – und ermöglich so überhaupt erst die Verlängerung – und dann bleibt der Busche so verdammt cool. „Nein, fassungslos war ich nach meinem Ausgleich nicht“, erzählte der Eishockey-Profi, der in Schweden bei Rögle BK sein Geld verdient, völlig emotionslos, „wir hatten dieses Tor einfach verdient.“ In einem Krimi, wie ihn nur das Eishockey schreiben kann, zog die deutsche Nationalmannschaft am Dienstagabend vor fast 19.000 Fans in der Lanxess-Arena ins WM-Viertelfinale ein. 4:3 hatte die Truppe von Bundestrainer Marco Sturm die Letten nach Penaltyschießen geschlagen. Die 2:0-Führung wurde durch blöde Fehler wieder hergeschenkt, im letzten Drittel führten die Letten plötzlich 3:2 – bis Schütz den Puck ins Tor und Deutschland ins Glück stocherte. „Ich hab halt den Schläger reingesteckt“, meinte er bloß. Frederik Tiffels gelang im Penaltyschießen der entscheidende Treffer für Deutschland, das nun im Viertelfinale am Donnerstag (20.15 Uhr/Sport 1) auf WM-Favorit Kanada trifft.

Die Heim-WM 2017 war bislang nicht die Zeit von Felix Schütz. Der Stürmer hatte sich kaum in Szene setzen können, blieb glücklos, stand im Schatten von Patrick Reimer, Marcus Kink und Brooks Macek. Kein Vergleich zur Heim-WM vor sieben Jahren, dort ging der Stern des gebürtigen Erdingers auf, dort schoss er ein Tor, das in die Geschichte einging. In der Arena Auf Schalke machte Schütz vor 78.000 Zuschauern das 2:1 gegen die USA und legte so den Grundstein für fulminante zwei Wochen voller Begeisterung in Eishockey-Deutschland. „Es war das bislang wichtigste meiner Karriere“, sagte der 29-Jährige vor dieser WM. Sollte das 3:3 gegen Lettland nicht darüber hinauskommen, so dürfte es zumindest das zweitwichtigste seiner Laufbahn sein. Und womöglich gab es sogar ein Geheimrezept dafür, dass der Knoten nun offenbar platzte. Felix Schütz hatte seinen Schläger zuvor in den Mülleimer in der Kabine gedonnert. „Manche Spieler haben schon komische Rituale, so auch der Schützi“, meinte Torhüter Philipp Grubauer, „ich weiß nicht was bei ihm verkehrt ist – aber das kann er beim nächsten Spiel wieder genau so machen.“

Ob’s gegen Kanada wieder passiert, wollte Schütz nicht verraten. Dass es gegen den scheinbar übermächtigen Gegner extrem diffizil wird, steht da außer Frage. „Wir müssen uns bewusst machen, dass wir auch Eishockey spielen können, und dann bin ich gespannt, was passiert“, sagte der Schweden-Legionär. Und dann verlor Felix Schütz nach dem Lettland-Spiel doch noch kurz die Orientierung. Welchen Titel er sich den wünsche, wurde er gefragt, und diese Frage zielte darauf ab, welchen Song er in der Kabine nun gerne hören würde. „Den Titel“, rief er, „wir wollen Weltmeister werden.“ Sagte es und verschwand mit einem Grinsen vom einen Schulterpolster zum anderen.

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