Der Oberligist ist mit fünf Trainer-Kandidaten noch in Gesprächen. Ende nächster Woche soll Vollzug gemeldet werden. Derweil deutet vieles auf ein Wiedersehen mit Keeper Vieregge hin.
Die Play-offs in der Eishockey-Oberliga sind noch in vollem Gange. Im Deggendorfer SC, den Memmingen Indians und den Tilburg Trappers sind bereits drei Teams ins Halbfinale eingezogen. Derweil herrscht bei den Stuttgart Rebels Stille auf dem Eis. Die Degerlocher haben bekanntlich Ende Februar den Einzug in die Pre-Play-offs knapp verpasst. Dennoch ist Bewegung im Verein, und zwar hinter den Kulissen. Die im September beginnende nächste Spielzeit wirft ihre Schatten voraus. Es gilt, eine teilweise neue Mannschaft zu „bauen“ – und vor allem einen neuen Trainer zu verpflichten.
Es ist nicht handelsüblich im Profisport, sich über einen Social-Media-Post auf die Suche nach einem neuen Headcoach zu machen. Die Rebels haben vor kurzem aber eben diesen Weg gewählt. „Viel Kritik mussten wir dafür einstecken“, sagt der Geschäftsführer Alexander Fuchs, zusammen mit dem sportlichen Leiter Matt Pistilli zuständig für personelle Verpflichtungen. Doch eine andere Möglichkeit sahen die Verantwortlichen auf der Waldau nicht. Warum? Wie üblich wurden über Agenten Kandidaten angeboten, es waren aber nur zwei dabei, die annähernd den Anforderungen entsprachen. Einer davon fiel dann auch noch durchs Raster.
Erfolgreicher war da schon der ungewöhnliche Weg. Insgesamt standen letztlich 15 Namen auf der Liste, die in Frage kommen konnten. Darunter auch große und bekannte Namen, die aber nicht in den finanziellen Rahmen passten oder auch sonst nicht mit den Vorstellungen der Rebels-Verantwortlichen übereinstimmten. Übrig geblieben sind fünf Optionen. Fuchs und Pistilli prüfen diese gerade auf Herz und Nieren, ob sie ins Anspruchsprofil passen. „Bis Ende nächster Woche wollen wir einen neuen Mann präsentieren“, sagt Pistilli.
Doch wie sieht besagtes Anforderungsprofil der Degerlocher aus? Neben einer kommunikativen Art sollte der Neue unter anderem Erfahrung mit der Arbeit und Entwicklung junger Spieler haben, ein modernes Spielsystem vermitteln, die Rahmenbedingungen in Stuttgart akzeptieren und gut vernetzt sein, beschreibt Fuchs. Keiner der Auswahlkandidaten sei eine Notlösung. Vorhanden sei bei manch einem ein enormer Erfahrungsschatz, in einem Fall sogar mit NHL-Spuren.
Der Trainer ist eine Sache, die Mannschaft eine andere. Und die Zusammenstellung dieser steht derzeit ebenfalls im Fokus von Fuchs und Pistilli. Wobei es aktuell mehr Ab- als Zugänge zu vermelden gibt. Definitiv weg sind der Kanadier Matteas Derraugh, der wegen zu vieler Importspieler und des Ausbleibens des erhofften deutschen Passes häufig auf den Zuschauererrängen anzutreffen war, sowie Jayden Lammel. Beide schauen sich in der DEL 2 um. Beim Kanadier Alex Blais, zuletzt bester Scorer der Rebels, stehen die Zeichen ebenfalls auf Abschied, garniert mit einem kleinen Fünkchen Hoffnung. „Wir sind gerade noch in Gesprächen, aber die finanziellen Vorstellungen gehen noch zu weit auseinander“, erläutert Fuchs. Ungewiss ist auch der Verbleib von Nico Geidl, einem der Gewinner der Runde – mit 26 Treffern war er bester Waldau-Torschütze. Auch mit ihm laufen Verhandlungen.
Unwahrscheinlich ist der Verbleib des Kapitäns Dane Montgomery. Der US-amerikanische Verteidiger wurde bereits in seinem ersten Jahr ins Allstar-Team der Oberliga Süd gewählt – übrigens als erster Rebels-Spieler überhaupt – und ist sicherlich interessant für höherklassige Vereine in ganz Europa. Sollte er jedoch keinen Club finden, dann steht für Montgomery die Rebels-Tür weiter offen. „Wir nehmen ihn sofort wieder, müssten dann nur überlegen, wie wir das finanziell stemmen können“, sagt Fuchs. Zudem sind die Abgänge von Verteidiger Nolan Renke und Torhüter Raphael Rödel fix. Auch Yannick Moder bekommt keinen Vertrag mehr.
Zugesagt haben indes bereits die Routiniers Jannik Herm und der sportliche Leiter und Stürmer Pistilli, der damit in seine zweite Runde mit Doppelfunktion gehen wird. Insgesamt wolle man um die zwölf Akteure aus dem Vorsaison-Kader behalten, es würden vielversprechende Gespräche laufen, so Fuchs. Auch für eine Rückkehr von Torhüter Nick Vieregge, der im März zum DEL-2-Verein Eispiraten Crimmitschau gewechselt ist, gebe es positive Signale, so Pistilli.