Anders als in dieser Szene hatten die Stuttgart Rebels um Nico Geidl (schwarz) gegen die Heilbronner Falken meist das Nachsehen. Foto: Günter E. Bergmann - Photography

Der Negativlauf der Stuttgart Rebels geht weiter. Im Derby gegen Heilbronn erleidet der Eishockey-Oberligist ein Heimdebakel. Abseits des Eises trauern die Degerlocher um eine Legende.

Einen Lichtblick können die Rebels dann doch mitnehmen aus dem Derby gegen die Heilbronner Falken: die Zuschauereinnahmen. Schließlich füllten an die 1500 Fans die Eiswelt auf der Waldau – großer Andrang also, wenn auch nicht komplett ausverkauft. Ansonsten war es jedoch ein Sonntagabend zum Vergessen für den Stuttgarter Eishockey-Oberligisten. Die Degerlocher gingen mit 1:7 unter und kassierten damit die fünfte Niederlage in Folge. „Das war ein inakzeptabler Auftritt von uns“, sagt Matt Pistilli, Verteidiger und sportlicher Leiter der Rebels.

 

Auch der Geschäftsführer Roland Schmid kritisiert: „Wir sind zu keinem Zeitpunkt in das Spiel reingekommen.“ Vor der Partie hatte er noch auf die derbyeigenen Gesetze und dementsprechend auf eine Überraschung gegen den favorisierten Tabellenvierten gehofft. Doch schon auf den Rängen waren die Stuttgarter den Gästen klar unterlegen, zumindest lautstärketechnisch. Die mitgereiste Fanszene der Falken füllte mehrere Tribünenblocks. Mit ihren Gesängen und einem rot-weiß-blauen Fahnenmeer sorgte sie phasenweise gar für Auswärtsspiel-Atmosphäre aus Rebels-Sicht.

Falken schocken die Rebels früh

Einen stillen Moment gab es nur, als die ganze Halle der Stuttgarter Eishockey-Legende Vaclav „Venci“ Niesner gedachte. Der Tscheche, von 1991 an über viele Jahre als Spieler und Trainer fürs Stuttgarter Eishockey aktiv, war an Heiligabend nach schwerer Krankheit verstorben.

Nach diesem emotionalen Innehalten wurde Heilbronn auf dem Eis seiner Rolle als Spitzenteam schnell gerecht. Gerade einmal guts 60 Sekunden waren gespielt, als die Ambitionen der Rebels den ersten Dämpfer erhielten. Nach einem Konter der Falken behielt Niklas Jentsch vor dem Tor die Ruhe – 0:1. Anschließend drückten die Gastgeber zwar auf die schnelle Antwort, doch Alex Blais traf im Powerplay nur den Pfosten. Auf der anderen Seite zeigte sich der Gegner dagegen erneut eiskalt. In der sechsten Minute landete ein abgefälschter Fernschuss von Gunars Skvorcovs im Kasten von Rebels-Keeper Nick Vieregge.

„Da war der Stecker gefühlt bereits gezogen“, sagt Schmid. Das galt erst recht, nachdem Jentsch kurz vor Ende des ersten Drittels zum zweiten Mal zugeschlagen hatte. So lagen die Stuttgarter nach 20 Minuten bereits drei Tore in Rückstand. Und im zweiten Abschnitt entwickelte sich die Partie dann gar zum Debakel für die Rebels. Erst schloss Thore Weyrauch ein starkes Solo per Treffer ab, dann erhöhten Calder Anderson und Frederik Cabana auf 0:5 beziehungsweise 0:6.

Programm der Rebels bleibt hart

„Wir waren defensiv wie offensiv schlecht und haben viel zu viele Zweikämpfe verloren“, lautet das Fazit von Pistilli. Schmid ergänzt: „Das geht gegen diese sehr starke Heilbronner Mannschaft nicht; die stehen nicht umsonst da oben.“ An der bitteren Klatsche änderte auch das achte Saisontor von Dane Montgomery nichts mehr. Stuttgarts Kapitän und Topscorer erzielte nach tollem Dribbling in der 40. Minute den Ehrentreffer. Danach folgte allerdings kein Rebels-Aufbäumen mehr. Stattdessen gelang Anderson im Schlussdrittel noch das 1:7 – Saisontor 21 und Scorerpunkt 48 für den kanadischen Falken-Angreifer.

„Nur noch drei“, skandierten die Gäste-Fans nun höhnisch. Eine zweistellige Niederlage blieb den Rebels am Ende zwar erspart. Dennoch ist die Lage auf der Waldau aktuell düster. Mitten in der intensivsten Saisonphase mit neun Spielen innerhalb von nur 19 Tagen schlittert die Mannschaft von Trainer Jan Melichar immer tiefer in die Krise. Und mit den drittplatzierten Tölzer Löwen wartet nach Heilbronn an diesem Dienstag (19.30 Uhr) bereits die nächste Topmannschaft als Gegner. Schmid spricht deshalb von einem „knallharten Programm“. Sollte sich die Stuttgarter Negativserie auch in Oberbayern fortsetzen, droht dem Tabellenelften ein wachsender Rückstand auf die angepeilten Pre-Play-off-Ränge.

Hinzu kommt, dass das Comeback des Torjägers Wyatt Schingoethe weiter auf sich warten lässt. Der US-Amerikaner, der ebenso wie Nico Geidl bei 15 Treffern steht, musste im Derby erneut passen. „Er hat eine Oberkörperverletzung“, sagt Pistilli, ohne diese präzisieren zu wollen, nachdem Schmid zuletzt noch von einer krankheitsbedingten Pause gesprochen hatte. Auch in Tölz falle Schingoethe vermutlich aus. Doch trotz der negativen Vorzeichen glaubt Schmid an die Trendwende: „Wir werden den Bock umstoßen, da sind wir alle optimistisch.“

Die Statistik zum Spiel

Tore

0:1 Jentsch (2.), 0:2 Skvorcovs (6.), 0:3 Jentsch (20.), 0:4 Weyrauch (27.), 0:5 Anderson (34.), 0:6 Cabana (37.), 1:6 Montgomery (40.), 1:7 Anderson (50.).

Strafzeiten

Stuttgart zehn Minuten / Heilbronn sechs Minuten

Zuschauer

1500