Eberhard Spreigl aus Fellbach: Eishockeyspieler auch noch mit 69. Foto: Yavuz Dural

Eberhard Spreigl hat die schnellste Mannschaftssportart der Welt mit sechs Jahren in Nordamerika kennen- und schätzengelernt. Jetzt ist er 69, lebt schon lange in Fellbach und ist im Training immer noch mit Schlittschuhen und Helm bei der Sache.

Fellbach - Wenn Eberhard Spreigl zwischen Oktober und März seine Sporttasche ins Auto packt, um sich auf den abendlichen Weg ins Training zu machen, dann kann es gelegentlich schon vorkommen, dass seine Fellbacher Nachbarn ihm neugierige Fragen bezüglich seiner Ausrüstung stellen. Der 69-Jährige hat in seinem Gepäck keine Fußballtrikots und auch keine Tennisschläger, sondern Schlittschuhe, Helm und Eishockeyschläger, was für einen Mann seines Alters doch eher ungewöhnliche Utensilien für die wöchentlichen Übungsstunden sind. „Ich spiele Eishockey, seitdem ich sechs Jahre alt war, und ich habe dabei nie eine längere Pause gemacht. Für mich ist das die normalste Form der Bewegung, normaler als für andere Turnen oder Tischtennis“, sagt der gebürtige Kemptener, der seit 24 Jahren unter dem Kappelberg lebt.

Eberhard Spreigl im Jahr 1962. Foto: Privat

Geweckt wurde seine Begeisterung für die schnellste Mannschaftssportart der Welt nicht im heimischen Allgäu, sondern in Nordamerika, wohin seine Eltern mit ihm – im Alter von sechs Jahren – 1956 auswanderten. Dort kamen seine jüngeren Brüder Chris und Hannes zur Welt. Zunächst ging es nach Toronto in Kanada. Später dann bis zur Rückkehr nach Deutschland im Jahr 1967 nach Los Angeles in den USA. „Ich stand mit meiner Highschool-Mannschaft zweimal in der Endrunde der besten Schulen im Bundesstaat Kalifornien, zum Teil habe ich mit den Jungs heute noch sporadisch Kontakt“, sagt Eberhard Spreigl, der nächstes Jahr mit Ehefrau, den drei Töchtern und den Enkeln den 70. Geburtstag in der alten Heimat am Pazifik feiern will.

Um die mögliche Einberufung in die Armee für den Vietnam-Krieg zu vermeiden, zog es die Eltern 1967 mit Eberhard und den jüngeren Brüdern zunächst ins Allgäu und von dort dann nach Rutesheim, wo der Vater einen Job bekam. Der älteste Sohn absolvierte bei einem großen Autobauer in Untertürkheim eine Lehre zum Bürokaufmann, dem Stern blieb er 39 Jahre lang bis zur Rente treu.

Nach dem Ende der aktiven Laufbahn machte der heutige Freizeitgolfer (Handicap 27) den Trainerschein

In Sachen Eishockey machten alle Brüder Karriere bis hoch zur zweiten Bundesliga, allerdings in unterschiedlichen Vereinen. „Hannes war in Landsberg und Augsburg, Chris in Kassel, Stuttgart und Braunlage und ich beim EV Ravensburg“, erzählt der Wahl-Fellbacher, der dann 1979/1980 auf der Waldau in Degerloch tatsächlich noch eine einzige gemeinsame Saison mit den Brüdern beim EHC Stuttgart in der Oberliga absolvierte. „Für eine ganz große Karriere in der ersten Liga in Deutschland oder der nordamerikanischen Profiliga hat meine Statur nicht gepasst. Ich war immer zu klein und zu schmächtig“, sagt Eberhard Spreigl, der als Mittelstürmer stets lieber den Nebenleuten die Tore auflegte, als sie selbst zu erzielen. Nach dem Ende der aktiven Laufbahn machte der heutige Freizeitgolfer (Handicap 27) den Trainerschein, war zunächst für Jugendteams in Esslingen, dann zehn Jahre lang für den TSV Plattenhardt (1981 bis 1991) in der untersten Klasse zuständig und führte schließlich den ESC Wernau bis in die Regionalliga.

Nach den Einheiten werden beim einen oder anderen Kaltgetränk die Eishockey-Anekdoten ausgegraben

„Ich war gelegentlich ein harter Hund, aber ich habe bis heute zu allen meinen ehemaligen Spielern ein herzliches Verhältnis. Da ist mir niemand mehr böse“, sagt Eberhard Spreigl, der donnerstag- und sonntagabends auf der Eisbahn in Esslingen einen Teil seiner ehemaligen Schützlinge trifft. Dann steht schon seit zwei Jahrzehnten das gemeinsame Eishockey-Training in einer Hobbymannschaft an, bei dem der Senior mit dem gleichen Ehrgeiz wie eh und je bei der Sache ist. Nach den Einheiten werden beim einen oder anderen Kaltgetränk die Eishockey-Anekdoten ausgegraben, allerdings nie, darauf legt der 69-Jährige Wert, solche über Prügeleien mit dem Gegner. „Da habe ich mich immer sehr zurückgehalten, die Strafzeiten haben sich während meiner Karriere in engen Grenzen gehalten“, sagt Eberhard Spreigl, der heute noch wie früher gern seine Sporttasche ins Auto packt, um sich auf den Weg ins abendliche Eishockey-Training zu machen.

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