Eishockey in Bietigheim und der Region Der „Olympia-Effekt“ lässt auf sich warten

Von Philipp Obergassner 

Mehr Zuschauer haben die Steelers in Bietigheim-Bissingen  dank der olympischen Spiele nicht bekommen. Dafür aber mehr Mitglieder. Foto: Baumann
Mehr Zuschauer haben die Steelers in Bietigheim-Bissingen dank der olympischen Spiele nicht bekommen. Dafür aber mehr Mitglieder. Foto: Baumann

Der sportliche Hype knapp eine Woche nach dem größten Erfolg der deutschen Eishockey-Männer in Pyeongchang ist bisher in der Region nur bei einem Verein angekommen.

Bietigheim-Bissingen - Knapp eine Woche ist es her, dass die deutsche Männer-Eishockey-Mannschaft bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang die Silbermedaille geholt hat. Der bisher größte Erfolg des deutschen Eishockeys gibt Anlass zur Hoffnung für eine Sportart, die sonst eher ein Nischendasein in der Republik führt. „Melden sich jetzt viele Kids zum Eishockey an? Das ist natürlich die Hoffnung“, sagte der Kölner Abwehr-Spieler Christian Ehrhoff nach den Spielen in Südkorea.

Eine Nachfrage bei den Vereinen in der Region ergibt: Die Hoffnungen sind Stand heute nur bedingt wahr geworden. Zum Beispiel bei den Steelers: „Wir hatten Anfang dieser Woche vier Anrufe von Eltern, die sich wegen der Olympischen Spiele für Eishockey als Sportart für ihre Kinder interessieren“, sagt Gregor Rustige. Außerdem habe es in dieser Woche acht Anmeldungen für die Breitensport-Mannschaft der Erwachsenen gegeben. Der Vereinsmanager des Bietigheimer Eishockey-Clubs ist überzeugt, dass es noch mehr werden: „3,2 Millionen Zuschauer haben das Finale gegen die Russen um 5 Uhr morgens gesehen. Diesen Hype gilt es jetzt zu konservieren.“

Die Regionalliga-Saison ist schon vorbei

In Stuttgart sieht die Sache hingegen anders aus: drei Anfragen für die Laufschule, bei der Anfänger das Kufenlaufen auf dem Eis lernen sollen, habe es in dieser Woche gegeben, sagt Wolfgang Krause, der Erste Vorstand des Stuttgarter Eishockey-Clubs. Das sei „normaler Durchschnitt“ für den Verein mit seinen 350 Mitgliedern.

Krause attestiert seinem Verein ein Aufmerksamkeits-Problem: „Viele schauen nach Bietigheim. Die Steelers sind wie ein Magnet.“ Die Stuttgarter spielen im Unterschied zu den Steelers nicht in der zweiten Bundesliga, sondern in der Regionalliga, dementsprechend sind auch die Trainingsmöglichkeiten begrenzter. Im Übrigen sei die Regionalligasaison schon vor Beginn der olympischen Spiele zu Ende gewesen, so dass sich keinerlei Effekt auf die Zuschauerzahlen einstellen konnte.

Krause kann den Begriff „Nischensportart“ nicht leiden. „Wir müssen da raus“, sagt er. Er hofft auf einen langfristigen Trend. „Wenn wir in den Medien besser wahrgenommen werden, kommen vielleicht auch mehr Leute.“ In diesen Tagen berichteten viele Medien über Eishockey, „aber in ein paar Wochen bricht das wieder zusammen“, befürchtet er.

Kommt der Hype mit Verzögerung an?

Die Eissportgemeinschaft Esslingen (ESG) kann auch von keinem Hype nach der Silbermedaille berichten. Eine neue Mitgliedschaft gab es in dieser Woche. „Im ersten Kindertraining nach Olympia war auch kein unerwarteter Ansturm bei uns. Alles wie bisher“, sagt Anja Janeck von der ESG-Geschäftsstelle. Sie erwartet aber, dass der Hype mit Verzögerung in Esslingen ankommen wird. Denn anders als beim Fußball könne man nicht spontan mit Eishockey anfangen. Da sei zum einen die umfangreiche und schwere Ausrüstung, die zuerst gekauft und dann auch zu jedem Training transportiert werden müsse – im Regelfall per Elterntaxi. Zum anderen müssten die Kinder erstmal das Schlittschuhlaufen auf Eis lernen.

Tenor aus allen drei Eishockey-Städten ist auch: Man fängt den Sport nicht einfach so als Jugendlicher oder gar Erwachsener an. Eine ideale Eishockey-Karriere beginne im Alter zwischen vier und acht Jahren – wer danach einsteigt, muss einen jahrelangen Trainingsrückstand aufholen und läuft in Gefahr, wegen schlechterer Leistung bei Spielen nur auf der Bank zu sitzen.

Positiver Trend seit Mai 2017

Laut Deutschem Eishockey-Bund (DEB) gibt es nicht erst seit Pyeongchang steigende Anmeldezahlen: „Wir haben seit Mai 2017 deutschlandweit einen positiven Trend bei den Anmeldungen“, sagt die Pressesprecherin Ronja Jenike. Damals fand in Deutschland die Eishockey-WM statt. Einen speziellen „Olympia-Hype“ könne man knapp eine Woche danach noch nicht erkennen. Nun hoffe man auf einen weiteren positiven Effekt durch die Eishockey-WM in Dänemark im Mai.

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