Erneut verliert der Einzelhandel in Stuttgart einen klangvollen Namen: Uli Knecht schließt im Januar nach 53 Jahren sein Geschäft an der Stiftstraße – verärgert über die Stadt und die schwierige Lage für den stationären Handel.
Der Ausverkauf unweit der Stiftskirche hat begonnen. „Mode, die raffiniert einfach ist“ – so lautet das Motto des Premiumhändlers Uli Knecht, der in seinem Sortiment auf Traditionsdesigner setzt, aber auch auf jüngere Luxus-Labels sowie auf seine Eigenmarke. Seine Mode mag „raffiniert einfach“ sein, „sportiv und bequem aus den besten Materialien“ noch dazu – doch alles andere als einfach und bequem ist es, ein Geschäft in der Stuttgarter City zu führen. Es sei ein seit Jahren härter werdender Kampf, wovon der Unternehmer ein Lied singen kann.
Uli Knecht, ausgebildeter Fotograf, war Anfang der 1970er einer der ersten, der wohlklingende Modemarken wie Armani oder Brioni nach Stuttgart gebracht hat. 1971 eröffnete er seinen Store in der Heimat, später baute er ein Filialnetz in Deutschland aus, war etwa in Düsseldorf, Berlin und Frankfurt vertreten.
„Es kommen immer weniger Leute zum Einkaufen in die Stadt“
Rasch hat sich Uli Knecht einen guten Namen gemacht als Premiumhändler mit dem richtigen Riecher für einen besonderen Stil und hohe Qualität. Umso härter trifft es viele Stuttgarterinnen und Stuttgarter, dass dieser Name Anfang nächsten Jahres aus dem Einzelhandel der City verschwindet. Die Knecht-Filialen in Frankfurt oder Düsseldorf sind schon länger geschlossen.
Der Modeunternehmer war 19, als er sein erstes Geschäft eröffnet hat. Heute ist er 73 Jahre alt. Uli Knecht ist in einem Alter, in dem man sich zur Ruhe setzen kann. Eine Nachfolge zu finden, sei aber kaum möglich in harten Zeiten. „Tatsache ist, dass immer weniger Leute in die Stadt zum Einkaufen kommen“, sagt Knecht, „und Tatsache ist, dass die Leute immer mehr sparen müssen.“ Außerdem verweist er auf hohe Mieten und fehlende Parkplätze. Sein Fazit: „Im Grunde spricht alles gegen den stationären Handel.“ Die Stadt Stuttgart unternehme zu wenig, um dies zu ändern. Er höre nun auf, weil sein Schwerpunkt nicht der Online-Verkauf sei. Für die Kundschaft gibt es nun Rabatte von 20 bis 50 Prozent im Uli-Knecht-Store an der Stiftstraße. Seine Angestellten, berichtet der Modehändler, gehen entweder in den Vorruhestand oder haben bereits neue Stellen gefunden. Noch stehe nicht fest, wer seine Geschäftsräume übernimmt.
City-Manager Holger Siegle bedauert die Schließung. Die Stiftstraße verfüge aber als Teil einer kleinen Luxusmeile über eine ordentliche Frequenz, sagt er. Dass der stationäre Handel keine Chance mehr habe, sieht Siegle nicht: „Stuttgart steht im Vergleich zu anderen Großstädten besser da, was Leerstand und Kundenfrequenz angeht.“ In der Umgebung der Stiftstraße seien auch keine Parkplätze weggefallen. Der Handel müsse „mit der Zeit gehen“. Da Uli Knecht nicht Mitglied in der City-Initiative sei, kann Siegle nicht beurteilen, ob es Fehler etwa beim Marketing gegeben habe.
Reutlingen punktet mit kostenlosem Parken ab der zweiten Stunde sowie mit kostenlosem Busfahren samstags. Wäre das nicht ein Vorbild für Stuttgart? Der City-Manager sagt, man müsse darüber diskutieren, und über alles nachdenken, was die Attraktivität einer Stadt aufwertet.