Durch das Facelifting im Sommer geht es auf der Filderbahnstraße nicht belebter als vorher zu. Gastronomen und Einzelhändlern ist das Lachen vergangen. Foto: Götz Schultheiss

Für Fußgänger und Behinderte ist die Neugestaltung der oberen Filderhauptstraße in Stuttgart-Möhringen ein Gewinn. Klagen kommen von Einzelhändlern und Gastronomen. Für sie erweist sich das Ganze als Verlust.

Möhringen - Am 2. Januar, so denkt man, werden die Leute doch wieder einkaufen wollen. In der im Sommer schmuck mit neuen Bäumen, behindertengerechten Bordsteinen, neuer Beleuchtung und Steinquadern zum Sitzen hergerichteten oberen Filderbahnstraße ist dies offenbar nicht der Fall. Dort herrscht sonntägliche Stille. Dementsprechend unzufrieden sind die Geschäftsleute.

Chris Bountouridis vom Lokal Anno 1897 ist ein Mensch, der das Für und Wider abwägt und höflichkeitshalber mit dem Positiven beginnt. „Für Fußgänger, für Behinderte und auch für Radfahrer ist die Umgestaltung toll. Auch die neue Straßenbeleuchtung ist super“, sagt er. Dann kommt er auf das Kardinalproblem zu sprechen: „Es fehlen Parkplätze, denn am Bahnhof und am Bürgerhaus will man parken.“ Menschen die einkaufen wollen, sagt er, kommen eben nicht nur zu Fuß oder mit dem Rad. Außerdem sei die Straße für Busse und Autos zu eng. „Jetzt werden auch noch beim Bahnhof zwei neue Gebäude gebaut, dabei bräuchten wir noch mehr Grün und vor allem beim Bahnhof und beim Bürgerhaus mehr Parkplätze. Außerdem kann ich immer noch nicht so etwas wie eine Ortsmitte erkennen.“ Die neuen Bäume seien gut, aber er könne nicht verstehen, dass die Wahl ausgerechnet auf Birnen gefallen sei: „Die Früchte fallen herunter und faulen am Boden. Wer räumt das weg, damit niemand ausrutscht?“

Beinahe-Schlägereien im Kampf um Parkplätze

Volkhard Lechler, der Inhaber der Filderbahnapotheke, ist erbost. Er leidet wie andere Apotheken auch unter Lieferengpässen für Medikamente, offenbar ein Kollateralschaden durch die Globalisierung, und nun hat er auch noch Geschäftseinbußen: „Wir haben 30 Prozent weniger Kunden, seit die Straße so gemacht ist. Das kostet natürlich Arbeitsplätze, denn wir brauchen nicht mehr so viel Personal.“ Dabei, fügt er hinzu, sei Möhringen einer der Stadtbezirke mit den höchsten Zuzugsraten in Stuttgart. Es gebe, sagt Lechler, zu wenig Parkplätze, und die wenigen seien bisweilen umkämpft: „Es hat deswegen schon fast Schlägereien gegeben.“ Außerdem seien die abgesenkten Bordsteine zwar gut für Rollstuhlfahrer, aber sie bieten keinen Schutz vor Autofahrern. „Eine unserer Kundinnen ist neulich mit dem Kinderwagen rausgegangen, gleichzeitig ist ein Autofahrer so rasch herangebraust, dass er beinahe auf die Frau und den Kinderwagen draufgefahren ist.“

Ebenso ungehalten wie Volkhard Lechler ist Hassan Top vom City-Grill. „Wir haben 25 bis 30 Prozent Kundenrückgang“, stellt er fest. Dazu trügen die rigorosen Kontrollen des städtische Vollzugsdienstes bei: „Die Leute haben Angst, zwei oder drei Minuten anzuhalten, um rasch einen Döner zu holen, weil sie sofort einen Strafzettel bekommen. Unser Laden muss doch laufen! So wie es jetzt geworden ist, ist es nicht schön. Die dauernden Kontrollen lassen den Leuten keine Luft mehr.“

Auch Ulrike Ranaldi, Co-Inhaberin von Schuh-Wolf, ist alles andere als zufrieden. „Die Straße sieht jetzt sehr schön aus, das steht für alle außer Frage, aber es wirkt sich nicht positiv für die Geschäftsleute aus.“ Mit dem Umzug des Drogeriegeschäfts Müller auf den Fasanenhof sei der große Frequenzbringer weg und das Delikatessengeschäft Längerer habe aufgegeben. „Die Leute laufen nicht mehr durch den Ort, das ist der springende Punkt.“

Der große Frequenzbringer ist weggezogen

Ein leidiges Thema, sagt Ulrike Ranaldi, seien die fehlenden Parkplätze und die „Abzockerei all derer, die nur mal schnell halten, um etwas abzuholen“. Potenzielle Kunden in der oberen Filderbahnstraße fänden nicht genügend Parkplätze. „Solange es großen Ketten außerhalb der Zentren leicht gemacht wird, fehlen uns die Frequenzbringer. Wir haben zwar Stammkunden, aber wir brauchen eben auch Laufkundschaft.“ Zu den verschiedenen Faktoren, die es den Händlern und Gastronomen im Herzen des Stadtbezirks Möhringens schwer machten, zähle natürlich auch das Verkehrsproblem in den Stuttgarter Fildervororten: „Wegen der täglichen Staus vermeiden es die Leute von außerhalb, nach Möhringen zu fahren.“

Athina Serbezi, stellvertretende Filialleiterin von Binder Optik, gibt sich verhalten: „Für uns hat sich durch die Neugestaltung nicht viel verändert. Die Kunden klagen aber, dass sie kaum Parkplätze finden. Ich selbst komme auch von außerhalb und erlebe das Problem jeden Morgen.“ Begeisterung klingt ganz anders.

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