Hefe im Wurstsalatdöschen Foto: privat

Eigentlich gibt es wieder genug Hefe für alle. Doch sie ist dennoch längst nicht in allen Supermärkten erhältlich. Und wenn, dann teils nicht in der üblichen Verpackung – und teils nicht am üblichen Ort. Woran liegt das?

Stuttgart - Gehen muss man immer noch weit, um an Hefe zu kommen, die dann wiederum den Teig zum Gehen bringt. In drei Stuttgarter Supermärkten ist weder Frisch- noch Trockenhefe zu bekommen. Auch im kleinen spanischen Supermarkt ist nichts zu finden. „Viele Kunden fragen danach, aber leider habe ich nichts“, sagt die Inhaberin. Sie überlegt: „Aber warten Sie, ich habe noch ein paar Päckchen Trockenhefe, eigentlich für mich privat“, sagt sie und reicht sie mit den Worten „Backen Sie was Schönes“ über den Tresen.

Backen – darauf haben sich in der Coronakrise viele Menschen zurückbesonnen. Privatpersonen kauften plötzlich so viel Hefe wie nie zuvor – auch im Übermaß. Hefe gehörte in den Anfangstagen der Pandemie zu den begehrtesten Produkten. Doch während die Regale mit Klopapier und Mehl wieder gefüllt sind, herrscht am Platz, an dem sonst die Hefe steht, in vielen Läden noch immer gähnende Leere. Warum ist das so?

Die Hefe gibt es in Wurstsalatdöschen an der Metzgertheke

„Ja, Klopapier gibt es gerade in Hülle und Fülle“, sagt Eric Klunker, Bereichsleiter/Metzger bei der Rewe-Filiale am Marienplatz. Auch beim Fleisch und bei der Wurst, beim Mehl und beim Zucker herrsche kein Mangel mehr. „Seit zwei Wochen haben wir auch wieder Hefe“, sagt er. Allerdings sei die Hefe derzeit nicht in ihrem gewohnten Gewand – und nicht nur und auch nicht immer an ihrem gewohnten Platz zu finden. Das könne bei den Kunden für Irritationen sorgen. „Da unser eigentlicher Lieferant zu Corona-Zeiten nicht liefern konnte, haben wir auf einen Fremdlieferanten zurückgegriffen“, sagt Klunker. Dessen Hefe käme aber nicht in den in Folie verpackten 42-Gramm-Würfeln daher, sondern als 500 Gramm-Block. Die zerteile er eigenhändig in 100-Gramm-Einheiten und packe sie in Wurstsalatdöschen. „Die stehen dann wie gehabt im Kühlregal – oder, wenn sie dort aus sind, bekommt man sie an der Metzgertheke“, sagt Klunker. Bald sei der Vorrat abverkauft, dann greife man wieder auf die gewohnten Hefewürfel zurück.

Matthias Pusch, Pressesprecher von Tegut, bestätigt, dass „es bei der Hefe noch zu Engpässen kommt“. Das sei eine Nachwirkung daraus, dass die Kunden zu Anfang der Pandemie „wie verrückt Hefe gekauft haben“. Er erwarte aber, dass sich das in rund 14 Tagen wieder einspiele.

Die Hefeindustrie freut sich über die Wertschätzung – Großabnehmer sind aber weggebrochen

Beschwerden über Engpässe bei der Hefe erreichen auch Markus Weck, Geschäftsführer des Deutschen Verbands der Hefeindustrie immer wieder. „Das verstehen wir zum Teil selbst nicht mehr“, sagt er. Es sei genug Hefe da. Im März habe es hingegen eine Knappheit gegeben. „Die Kunden haben teilweise übermäßig viel gekauft .“ Der Mangel und die Berichte darüber befeuerten die Situation, ein Engpass bei den Verpackungsmaterialien verschärfte sie zusätzlich. „Inzwischen müsste wieder überall Hefe da sein“, sagt Weck. Da dem aber nicht überall so sei, habe man die Vermutung, dass einige Supermärkte „bei der Bestellung der Hefe nachlässig waren“. Ein Supermarkt verdiene nicht eben viel bei neun bis zwölf Cent pro Stück Würfelhefe, darum vermute man, dass sie „beim einen oder anderen etwas aus dem Fokus geraten“ sei. Das werde sich aber bald wieder einspiele. „Wir freuen uns über die große Nachfrage beim Privatkunden und darüber, dass die Hefe mehr Wertschätzung erfährt“, sagt Weck. „Aber dafür sind uns die großen Hefeabnehmer weggebrochen, da die Gastronomie ja geschlossen hat.“

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