Petra Heiser übernahm 2019 in Leonberg einen kleinen Floristikladen, kurz danach kam der Lockdown. Sie ließ sich nicht entmutigen und hat jetzt sogar zwei Geschäfte.
Für die Kundschaft bleibt in dem kleinen Laden an der Ecke Bismarckstraße/Poststraße nicht viel Platz. Überall Blumen, Pflanzen, Deko-Artikel. Jetzt, da der Advent naht, ragen auch bronzene Engel und Hirsche zwischen all dem Grün hervor. Hier hat Petra Heiser ihren Traum verwirklicht: den Blütentraum.
So heißt das kleine Geschäft im Herzen des Leonberger Stadtteils Eltingen. Braucht es eine kleine Aufmerksamkeit für die abendliche Einladung? Oder eine passende Blume für die Dame des Herzens? Oder einfach nur einen bunten Strauß fürs heimische Wohnzimmer? Bei Blumen-Petra wird man gut bedient.
„Wir erfüllen individuelle Wünsche“
Und das im wahrsten Sinne des Wortes. „Persönliche Beratung und Service sind das A und O“, sagt die Chefin, die gemeinsam mit Nicole Schweizer und Ute Jeremias für die Kunden da ist. In Zeiten, in denen in jedem Discounter fertiggebundene Sträuße wirksam kurz vor der Kasse stehen und Großketten Blumen zu Tiefstpreisen anbieten, ist das Überleben als kleines Geschäft nicht einfach. „Unser Vorteil ist, dass wir nahezu alle individuellen Wünsche erfüllen können“, sagt Petra Heiser. „Das schafft Vertrauen.“
Der Bildhauer stellte den Kontakt her
Die Bindung zu ihren Kunden ist so groß, dass die Floristin, die im Dezember 60 Jahre alt wird, einen zweiten Laden übernommen hat. Seit Februar läuft auch die Blumenhandlung am Leonberger Waldfriedhof unter ihrer Regie. „Nachdem die früheren Betreiber aus gesundheitlichen Gründen aufhören mussten, hatte mich Andreas Geisselhardt angesprochen, ob ich das Geschäft nicht weiterführen könnte“, berichtet Petra Heisser. Der Chef der Bildhauerei hat seine Werkstatt direkt neben dem Blumenladen am größten Leonberger Friedhof und war an einer guten Nachfolge in der Nachbarschaft interessiert.
Doch leicht war für Petra Heiser die Entscheidung nicht: Übernehme ich mich da womöglich? Könnte mir das Ganze über den Kopf wachsen? Diese Fragen gingen der Geschäftsfrau nicht nur mehrere Tage lang durch den Kopf . „Ich hatte viele schlaflose Nächte und die Entscheidung immer wieder herausgezögert“, erinnert sie sich. „Doch dann hat der Mut und die Lust auf das Neue gesiegt.“ Zumal sie mit der Floristik-Meisterin Evelin Weber dort eine erfahrene Statthalterin hat.
Doch bevor es am Waldfriedhof unter neuer Leitung losgehen konnte, musste das Damen-Team erst einmal anpacken. „Unsere Vorgänger hatten jede Menge Keramik im Laden“, berichtet Heiser. „Das ist heute kaum noch gefragt. Außerdem sollte das Geschäft am Waldfriedhof genauso aussehen wie der Laden unten in der Stadt.“ Nicht nur die Optik erinnert an den Blütentraum, sondern auch der Name: Blütenzauber heißt ihr zweiter Laden.
Und natürlich ist auch die Philosophie eine ähnliche: „Die persönliche Ansprache ist noch wichtiger“, sagt Evelin Weber. „Unsere Kunden am Friedhof haben geliebte Menschen verloren. Wir hören ihnen zu, bei uns können sie einen Teil ihrer Trauer abladen.“ Dann lässt sich auch leichter das Geschäftliche besprechen: Wie soll der Sarg oder die Urne geschmückt werden? Ist in der Aussegnungshalle eine besondere Dekoration gewünscht? All diese Fragen müssen geklärt werden. „Um den Hinterbliebenen viel Arbeit abzunehmen, kommunizieren wir auch eng mit dem Bestattungsinstitut.“
Lediglich Grabpflege wird im Blütenzauber nicht angeboten. „Wir sind eine klassische Blumenhandlung, keine Gärtnerei“, sagt die Floristikmeisterin Weber. „Außerdem bräuchten wir dann mehr Personal.“ Was nicht bedeutet, dass das Frauenteam keinen engen Draht zu den städtischen Friedhofsgärtnern hat. „Roland Bauer und seine Kollegen, das sind richtig gute Leute“, meint Petra Heiser. Zu haben hingegen sind im Blütenzauber ganz normale Blumen, und jetzt, kurz vor den Adventswochen, natürlich festliche Accessoires.
Die Adventsausstellung am Samstag, 22. November, findet allerdings von 15 bis 18 Uhr im Stammgeschäft in Eltingen statt. „Unsere Kundschaft freut sich, wenn es etwas kuscheliger wird“, meint die Chefin. „Die neuen Trends sind Pfauenfedern und schwarze Kerzen auf dicken grünen Kränzen. Die klassischen Rottöne sind und bleiben freilich ein Dauerbrenner“. Der Erlös des Glühwein- und Punschverkaufs geht komplett ans Leonberger Hospiz.
Eigentlich hatte Petra Heiser eine Ausbildung zur Fotolaborantin absolviert. Doch ihre große Liebe galt immer den Blumen. Sie heuerte als ungelernte Kraft im Blumenladen „La Rose“ von Hildegard Kils an. „Mir war schnell klar, dass das mein Ding ist. Also hab ich noch eine Ausbildung gemacht. Das war schon ein komisches Gefühl, mit 39 unter lauter 14-Jährigen zu sitzen.“
Als sich ihre frühere Chefin altersbedingt im im Jahr 2019 zurückgezogen hatte, fasste die Mutter dreier Kinder sich ein Herz und übernahm den Laden. Ein gutes halbes Jahr später kam der erste Lockdown. Die frisch gebackene Unternehmerin ließ sich nicht entmutigen und verkaufte durchs Fenster.
„Ohne Beerdigungen geht es nicht“
Im Advent 2020 dann die nächste Ausgangssperre: „Ich hatte schon alles fürs Weihnachtsgeschäft gekauft“, erinnert sich Heiser. Zum Glück kannte sie Lea Deuss recht gut, die ein paar Ecken weiter den Hofladen Querbeet betreibt. „Als Lebensmittelhändlerin durfte sie öffnen und hat einen Teil meines Sortiments mitverkauft.“
Als ob das nicht genug wäre, ging auch noch der Betrieb ihres Mannes in die Insolvenz. Doch Petra Heiser machte immer weiter und trotzte der Marktmacht der Discounter und Ketten. Mittlerweile hat sie ihre Nische als Expertin für individuelle Wünsche gefunden. „Ohne Beerdigungen oder Feiern würde es aber nicht gehen“, sagt Petra Heiser, während sie ein bestelltes Adventsgesteck richtet. „Das Entscheidende aber ist der menschliche Kontakt.“