Schwere Zeiten für den Einzelhandel: Das Center-Management arbeitet weiter daran, das Leo-Center zu beleben und attraktiv für die Kunden zu gestalten. Foto: Simon Granville

Der Textileinzelhändler New Yorker wird im Leo-Center Ende des Jahres einziehen und eine Ladenfläche von etwa 1000 Quadratmetern beanspruchen. Was die Leerstände in der Gastronomie betrifft, finden Gespräche statt. Doch dem Management sind auch die Hände gebunden.

Auch wenn sie aktuell insgesamt 14 Leerstände auf zwei Etagen zählt, ist die Managerin des Leo-Centers zuversichtlich, dass sich in nächster Zeit vieles bewegen wird. „Wir sind mit zahlreichen potenziellen Mietern im Gespräch, im Hintergrund tut sich einiges“, sagt Nadine Fensterer.

 

Zwei neue Verträge sind aktuell in trockenen Tüchern. Die Unterschrift eines künftigen Ankermieters ist gerade erst getrocknet: Der Textileinzelhändler New Yorker mit Stammsitz in Braunschweig wird Ende des Jahres, spätestens Anfang 2025 einziehen und eine Ladenfläche von mehr als 1000 Quadratmetern beanspruchen. „Das Unternehmen hat ein jüngeres modisches Konzept, wir erhoffen uns natürlich, dass wir damit eine jüngere Zielgruppe ansprechen, zumal wir auch viele Jugendliche im Center haben“, sagt Fensterer.

Es wird räumliche Veränderungen geben

Wo genau der neue Store im Center platziert werde, „das darf ich noch nicht sagen, weil wir in diesem Zusammenhang noch ein paar Umbauten tätigen müssen, Gespräche mit jeweiligen bestehenden Mietern finden noch statt“, sagt Fensterer. Es wird also darüber hinaus ein paar räumliche Veränderungen geben.

Im Erdgeschoss, schräg gegenüber der Metzgerei, wo früher die Bäckerei Trölsch direkt neben der Rolltreppe einen Verkaufsstand hatte, wird im April, vielleicht auch erst im Mai, ein Franchise-Partnerunternehmen von „Coffreez“ eröffnen. „Auch dieser Vertrag mit einem Unternehmen, das sich durch ein junges Konzept auszeichnet, ist unterschrieben“, sagt die Center-Managerin. An dieser Café-Bar wird es künftig kalte und warme Getränke sowie Crêpes in vielen Variationen geben.

Während im Erdgeschoss des Centers reges Treiben herrscht, erwartet den Besucher im Obergeschoss weiterhin große Tristesse. Nach seiner Insolvenz hat Dominik Sacher sein veganes Restaurant „King of Greens“ endgültig dicht gemacht. Die Öfen sind aus, Tische und Stühle sind menschenleer. Die Räumlichkeit neben dem Warenhaus Karstadt ist abgesperrt, nur der Name der Gastronomie prangt noch an den Wänden. „Hier sind die Gespräche mit einem potenziellen regionalen Nachfolger relativ weit fortgeschritten“, beteuert Nadine Fensterer. Gastronomie, die die Besucher zum Verweilen einlädt, sucht man in dieser obersten Etage derzeit vergeblich. Denn: Die Espressobar Leonardo im Erdgeschoss und die Cafés Eleni und Roma im Obergeschoss sind seit Herbst des vergangenen Jahres zu.

Wie geht es mit Karstadt weiter?

Das städtische Ordnungsamt hatte sie geschlossen, weil der Betreiber aller drei Lokale sein Gewerbe zwar abgemeldet, sie aber dennoch weiter geöffnet hatte. „Hier sind uns leider die Hände gebunden, weil das Insolvenzverfahren läuft. An die Flächen kommen wir derzeit nicht ran, doch wir führen auch hier Gespräche, weil wir uns auch wünschen, dass es im Obergeschoss wieder belebter wird.“ Die Hamburger ECE-Gruppe, die europaweit 150 Center betreibt, erwarte in den nächsten Wochen eine Aussage des Insolvenzverwalters.

Nach dem tiefen Fall des österreichischen Investors René Benko und seiner Signa-Holding hat nun die Galeria Karstadt Kaufhof GmbH beim Amtsgericht Essen einen Insolvenzantrag gestellt – den dritten in nur vier Jahren. Wie geht es mit Karstadt im Leo-Center weiter? „Wir sind auch da in Gesprächen und wissen, dass das Unternehmen bis zum Sommer eine Entscheidung treffen wird, dessen Ziel ist es, sich neu aufzustellen. Wir können jetzt abwarten, was sich da tut“, sagt Nadine Fensterer. Bis dahin werden die ECE-Verantwortlichen allerdings nicht tatenlos sein. „Wir sind dabei, Konzepte zu entwickeln, wie es im Falle einer Karstadt-Insolvenz mit der Fläche weitergehen kann.“

Alle sollten an einem Strang ziehen

Laut einer aktuellen Prognose des Handelsverbands Deutschland (HDE) wird sich die Lage vieler Innenstädte in Deutschland zusehends verschlechtern und im Jahr 2024 nochmals 5000 Geschäfte ihre Türen für immer schließen. Das wären seit dem Jahr 2020 bundesweit dann insgesamt 46 000 Geschäfte. Daher müssten, so ein Lösungsansatz des HDE, vor Ort alle Akteure aus Handel Kommunen, Gastronomie und Kultur zusammenarbeiten und an einem Strang ziehen, um vielerorts die Verödung ganzer Innenstädte zu verhindern. Eine große Herausforderung – auch in Leonberg.