Schweren Herzens schließt Markus Weimer sein Möbelhaus in der Hindenburgstraße. Foto: Simon Granville

Aus gesundheitlichen Gründen gibt Markus Weimer sein Traditionsgeschäft in der Hindenburgstraße Ende des Jahres auf. Damit geht eine 70-jährige Ära zu Ende.

Schweren Herzens muss Markus Weimer sein Lebenswerk, das inhabergeführte Traditions-Möbelhaus in der Leonberger Hindenburgstraße 58, am Ende des Jahres für immer schließen. „Aus gesundheitlichen Gründen“, sagt der sichtlich angeschlagene 64-Jährige. Damit geht auch die 70-jährige Ära eines Familienunternehmens zu Ende.

 

Ziemlich verwinkelt sind die insgesamt 650 Quadratmeter großen Ausstellungsräume, verteilt auf vier Geschosse. Hier präsentiert der Möbel-Experte seine hochwertigen Stücke. Schlafzimmer, Wohnzimmer, Esszimmer. Und natürlich Küchen. „Auf die habe ich mich in den letzten Jahren vor allem konzentriert.“ Wohnküchen seien derzeit der absolute Trend. „Dafür muss die Couchgarnitur nicht mehr so groß sein.“ Im Laden ist einiges los. Kundinnen und Kunden werden fachmännisch von den Möbel-Experten beraten. Im Verkauf hat Markus Weimer zwei Angestellte, hinzu kommt ein Schreiner sowie Mitarbeiter für die Auslieferung. Auch wenn er gerade anderweitig beschäftigt ist, seine Augen bleiben wachsam, er ist stets für die Kundschaft da.

Bis Ende des Jahres soll die Ware verkauft sein

Freunde des Geschäftsführers schauen gerade vorbei, wollen sich neu einrichten, sind sich aber noch nicht einig und benötigen noch etwas Bedenkzeit. „Leg uns bitte die Stühle zurück.“ Überall im Geschäft Rabattschilder mit auffällig roter Schrift. „Alles muss raus“, „Alles radikal reduziert“ – Markenmöbel aller Sortimentsbereiche, Musterküchen, Lampen oder Boutique-Artikel gibt es zum halben Preis. Bis zum Ende des Jahres möchte Weimer möglichst alles verkauft haben. Das andere reguläre Geschäft auf Bestellung läuft auch noch weiter. „Vorausgesetzt, es kann noch bis Ende des Jahres geliefert werden.“

Die Geschichte des Möbelhauses geht bis ins Jahr 1956 zurück. Albert Weimer, der Großvater des heutigen Inhabers, hatte in der Eltinger Karlstraße eine Schreinerei geführt – die heute die Erben weiterführen. 1956 ging daraus parallel das Möbelhaus in der Hindenburgstraße hervor, welches der Junior Günter, also Markus Weimers Vater, übernahm. „Für frühere Verhältnisse war das ein großes Möbelhaus.“ Ein weiterer Generationswechsel folgte im Jahr 2000. Die beiden älteren Geschwister von Markus Weimer gingen ihre eigenen beruflichen Wege. „Daher bin ich gar nicht gefragt worden, ob ich das machen möchte, das war einfach so“, sagt der heute 64-Jährige Geschäftsführer, der im elterlichen Betrieb nicht nur aufwuchs, sondern auch seine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann absolvierte. „Eine Alternative gab es im näheren Umkreis nicht.“ Nach der Lehre besuchte der spätere Junior-Chef eine zweijährige private Möbelfachschule in Köln, tauchte in die neuesten gestalterischen Trends ein und vertiefte sein kaufmännisches Wissen. „Ich wusste, wenn ich das Möbelhaus übernehme, werde ich mich auf die gehobene Schiene spezialisieren, das Exklusive hat mir schon immer gefallen.“ Mit dem früheren schweren Möbeltrend, der von rustikaler Eiche geprägt war, konnte er nie viel anfangen.

Als Geschäftsmann immer extrem viel gearbeitet

Ab sofort dominierte in seinen Verkaufsräumen das Leichte und Moderne. Im beschaulichen Eltingen brauchte er allerdings einen längeren Atem, sprich etwa zwei Jahre, bis er sich mit seinem Konzept etablieren konnte. „Mit den Jahren habe ich mir dann eine treue Stammkundschaft aufgebaut, daher war ich mit dem Umsatz auch immer zufrieden.“ Gar nicht so an die große Glocke hängen möchte er die Tatsache, dass er als Selbstständiger extrem viel gearbeitet hat – weil er es immer geliebt hat. Montag bis Samstagnachmittag war das Geschäft geöffnet, sonntags setzte er sich einige Stunden ins Büro. Auch seine Frau war im Geschäft mit eingespannt. „Wenn die Familie nicht mitgezogen hätte, wäre es schwierig gewesen.“

Von den riesigen Möbelhäusern, die sich in den 1970er-Jahren auf dem Markt stark platzierten und mit günstigen Preisen die Kunden lockten, hat sich die Familie Weimer, und vor allem später Markus Weimer, nie beirren lassen. „Das war nie eine Konkurrenz, weil wir uns eine exklusive Nische erschaffen haben“. Als die Räume zu eng wurden baute er an. „Ich habe den Eindruck, dass die Kunden wieder Service, Zuverlässigkeit und Kompetenz zu schätzen wissen, und sie akzeptieren, dass hochwertige Möbel ihren Preis haben.“ Markus Weimer weiß aber auch, dass man sich diese Qualität auch leisten können muss. Seine beiden Kinder hat er bei der Berufswahl freie Wahl gelassen, sie sind ihre eigenen Wege gegangen. „Das kann ich auch verstehen, denn im Einzelhandel wird es nicht einfacher.“ Ein großes Problem sei es vor allem, qualifizierte Mitarbeiter zu finden.

Das Möbelhaus mit seinem markanten Eingangsbereich. Foto: Simon Granville

Markus Weimer hat lange nach einem Nachfolger gesucht. Ohne Erfolg. Gekauft hat das Haus nun der Leonberger Verein Seehaus um den geschäftsführenden Vorstand Tobias Merckle. Er möchte in der Hindenburgstraße 58 ein Sport- und Präventionszentrum eröffnen und dort das Gewaltpräventions- und Selbstverteidigungsprogramm, das der Verein bereits im Seehaus anbietet, erweitern.