Seit kurzem gibt es an der Durchfahrtsstraße in Filderstadts kleinstem Ortsteil wieder ein Lebensmittelgeschäft – allerdings ist das kein ganz normaler Laden.
Emil ist erst acht Jahre alt, aber das mit dem Zahlen per EC-Karte macht er schon wie ein Großer. Zuvor hat er ein Paket Dinkelmehl, eine Flasche Rapsöl, Karotten und Äpfel per Scanner erfasst, alles unter den wachsamen Augen seiner Oma Heidi Bauer. „Das ist wie im Spielzeug-Kaufladen, nur in echt“, sagt sie, während der Junge strahlend den Kassenzettel entgegennimmt, der aus der Kasse fährt.
„Harthausen ohne Laden geht nicht, ganz einfach. Als ich klein war, gab es zwei Läden an der Hauptstraße, alles weg.“
Markus Abrutat, Inhaber
Heidi Bauer und ihr Emil gehören zu den ersten neugierigen Kundinnen und Kunden, die das neue Harthäuser Lädle aufsuchen. Das hat am 5. März an der Ortsdurchfahrt von Harthausen eröffnet. Die Eheleute Caroline und Markus Abrutat haben das Geschäft aufgemacht, und zwar genau dort, wo vor fast genau einem Jahr ein Einkaufsladen mit frischem Gemüse geschlossen hatte – aus wirtschaftlichen Gründen. Seither hatte die Ladenfläche leer gestanden, sehr zum Verdruss vieler Menschen in der Nachbarschaft.
„Harthausen ohne Laden geht nicht, ganz einfach“, sagte Markus Abrutat, selbst Landwirt, im vergangenen Dezember im Gespräch mit unserer Zeitung. Zwar lebt er mittlerweile in Bonlanden, er ist aber in Harthausen aufgewachsen. „Als ich klein war, gab es zwei Läden an der Hauptstraße, alles weg“, erzählte er, auch Modeboutiquen, zwei Metzgereien und vier Bäckereien habe es gegeben. Heute drohe der kleinste Filderstädter Ortsteil auszubluten.
Neuer Laden in Harthausen: Hier geht’s nur mit Selbstbedienung
Mit dem neuen Harthäuser Lädle haben die Abrutats nun eine Lücke geschlossen. Ihr Geschäftsmodell ist ein besonderes: Es handelt sich um einen Selbstbedienungsladen mit regionalen Waren. Das heißt, vor Ort gibt es kein Personal, alles funktioniert automatisiert. Sogar der Zutritt. Um in den Laden zu gelangen, muss man an der Tür an einem kleinen Kästchen seine EC-Karte vorhalten.
Drinnen läuft es dann so, wie man es mittlerweile aus vielen Drogerien oder Discountern kennt: Waren aussuchen, Barcodes scannen, per EC-Karte bezahlen, fertig. Beobachtet wird man dabei von mehreren Kameras, die Aufnahmen werden im Sinne der Transparenz live auf einen großen Bildschirm übertragen. Die Inhaber wollen sich so vor Diebstahl und Vandalismus schützen.
Geöffnet ist der Laden täglich zwischen 9 und 20 Uhr. Bereits in den ersten Tagen sind die Gründer mit der Resonanz zufrieden. Viele Leute kämen mit ihren betagten Eltern, erklärt Caroline Abrutat, denn gerade für Menschen im Seniorenalter sei das Konzept noch fremdartig. „Viele haben noch nie eine Karte benutzt. Die freuen sich dann, wenn es klappt, und sagen: Ich kann das“, berichtet sie. Gerade für Ungeübte haben die Eheleute eine Schritt-für-Schritt-Anleitung ausgedruckt und auf der Theke hinterlegt. „Das wird sich schon einspielen“, sagt Caroline Abrutat.
Aktuell sind sie und ihr Mann noch regelmäßig da, um zu unterstützen. Morgens und mittags müssen sie ohnehin vor Ort Ware nachfüllen. Es gibt regionales und daher saisonales Obst und Gemüse, Nudeln, Brotaufstriche, Konserven, alkoholfreie Getränke, Eis und mehr. Die Eier kommen aus Harthausen, die Mehle aus Waldenbuch, die Salate aus Bernhausen.
Einmal die Woche wird zudem Brot verkauft im Harthäuser Lädle. Das Sortiment ist ein erster Testballon. „Wir werden es stetig ausbauen“, sagt sie. Vieles müsse sich noch finden, und etliche Menschen hätten den neuen Laden auch noch gar nicht entdeckt. „Aber die, die schon da waren, freuen sich“, sagt ihr Mann. Heidi Bauer jedenfalls gehört dazu. Sie betont: „Vor allen Dingen ist uns wichtig, dass wir hier unsere Gewerbetreibenden unterstützen.“