Sie haben das Post-Café in Harthausen übernommen: Semra Karaman (Zweite von links) mit ihren Kinder Gülsüm, Mustafa und Esma (von links). Foto: Caroline Holowiecki

Nach nicht mal einem Jahr hat im Dezember die Postfiliale in Harthausen wieder geschlossen. Nachfolger haben sich aber gefunden. Das Ganze ist nun ein echter Familienbetrieb

Viele im Ort werden aufatmen: Harthausen behält sein Post-Café. Nachdem der vorherige Betreiber das Geschäft an der Ortsdurchfahrt im Dezember nach etwa neun Monaten wieder aufgegeben hat, haben sich Nachfolger gefunden: die Familie Karaman. Bereits am 2. Januar haben Semra Karaman und ihr Sohn Mustafa den Laden im Zentrum des kleinen Filderstädter Ortsteils wieder eröffnet. Wie auch beim Vorgänger gibt es einen Schalter, an dem Post- und DHL-Dienstleistungen angeboten werden, zudem ein kleines Schreibwarensortiment sowie eine Café-Theke mit einigen Sitzplätzen.

 

Das Ganze ist ein echter Familienbetrieb. Wenn Mama Semra (56) und Bruder Mustafa (23) Unterstützung benötigen, springen auch die Schwestern Esma (25) und Gülsüm (18) Karaman ein. „Café und Post, das ist allein zu viel“, sagt die ältere. Die türkischstämmige Familie wohnt in Dettingen. „Der Wind hat uns hergefegt“, sagt Semra Karaman lächelnd, und Filderstadt sei eine schöne Stadt, findet ihr Sohn. Im Einzelhandel und in der Gastronomie hätten mehrere Familienmitglieder Erfahrung, und die Idee sei gewesen, einen ungezwungenen Treffpunkt zu schaffen. „Jeder darf kommen, wie er will“, sagt Esma Karaman. Harthausen sei durch seine dörfliche Struktur prädestiniert für so ein Vorhaben. Hier kenne jeder jeden. „Die Dörfer werden immer älter. Es ist doch schade, wenn man allein ist“, sagt Esma Karaman.

Dass es eine Post in kleinen Ortschaften gibt, ist längst nicht mehr selbstverständlich. Mit den Jahren ist das Netz mitunter löchriger geworden. Im August 2022 beispielsweise hat die kleine Filiale im Bonus-Markt in Stetten zugemacht. Grund dort: akuter Personalmangel. Die Karamans hoffen, dass die Menschen vor Ort sie unterstützen werden. Dafür wollen sie möglichst auf Kundenwünsche eingehen, versuchen Dinge zu besorgen, die nicht im Sortiment sind.

Jüngst habe man etwa einer Seniorin Socken beschafft. „Wir machen es für die Leute in Harthausen“, sagt Mustafa Karaman, er und seine Familie wünschen sich daher, dass die Kundschaft das mit Zuspruch würdigt. Wie und ob das Ladenkonzept langfristig ausgebaut werden soll, das steht nicht fest. Die Karamans wollen sich nicht festlegen. Semra Karaman sagt: „Wir sind spontane Menschen, wir machen nicht so viele Pläne.“