Das Modehaus Aachener hat den Mietvertrag im Göppinger Einkaufszentrum Agnes auf Ende September gekündigt. Der Center-Manager fährt bei der Mietersuche dreigleisig. Mehrere kleine Läden machen ebenfalls dicht.
Seit etwa zwei Wochen ist klar, dass es für das insolvente Modeunternehmen Aachener keine Zukunft gibt. Die Dortmunder werden ihren Geschäftsbetrieb zum 30. September einstellen. Betroffen von dem Aus ist auch die Filiale im Einkaufszentrum Agnes. Auch hier werden zu diesem Zeitpunkt die Lichter ausgehen. „Der Mietvertrag wurde auf Ende September gekündigt“, bestätigt Center-Manager Joachim Trender.
Der Betrieb in der 6000 Quadratmeter großen Göppinger Dependance, die rund 60 Mitarbeiter beschäftigt, lief und läuft seit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens am 1. März dieses Jahres weiter – wie an allen anderen neun Filialstandorten auch. Das Modehaus Aachener ist in allen drei Etagen vertreten, die früher auch der Kaufhof bespielt hat.
Betroffen von der Schließung sind auch kleinere Läden
Betroffen ist von der Schließung jedoch nicht nur die große Aachener-Ladenfläche, sondern auch kleinere Läden. Dazu gehören die Schuhkette Tamaris, das Frottierwaren-Fachgeschäft Möve, der Modeladen Curvy sowie Lascana. Bis auf die Schuhe sei das Sortiment dieser Geschäfte auf der Großfläche von Aachener zu finden, betont Trender.
„Das Aus kommt zur Unzeit“, sagt Trender und meint damit die Sommerpause. In vielen Bundesländern seien Ferien, Gesprächspartner kaum ans Telefon zu bekommen. Dennoch bleibt er optimistisch: „Wir sind natürlich bestrebt, Lösungen aufzuzeigen.“ Trender fährt bei der Suche nach neuen Mietern dreigleisig. Eine Möglichkeit sei, die Flächen testweise beispielsweise jede Woche einem anderen Mieter zu überlassen, der sich auf diese Weise ausprobieren könne. „Diesen Testballon könnten wir bis zum Zeitpunkt x steigen lassen“, fasst der Chef des Einkaufszentrums zusammen. Er orientiert sich dabei an Erfahrungen aus einer anderen Stadt.
Anschließend könnte eine Interimslösung greifen, bis man dann ein mittel- oder längerfristiges Ergebnis hinbekomme. Die Gespräche für alle drei Szenarien liefen parallel. Er sei bereits im Austausch mit einem Textilhändler, der Aachener adäquat ersetzen könnte – „auch in dieser Dimension“, hatte Joachim Trender sofort nach Bekanntwerden der Schließung deutlich gemacht. Doch auch eine Aufteilung der Flächen sei denkbar. „Wir prüfen alle unterschiedlichen Varianten. Am Ende des Tages geht es darum, einen plakativen Einzelhandel für Göppingen zu bieten und die Leute abzuholen“, unterstreicht der Center-Manager. Bei all dem hat er auch einen Modekonzern im Blick, der seinen Stammsitz nördlich von Barcelona hat: Mango. Wie weit die Verhandlungen hier gediehen sind, will Trender nicht sagen. Nur so viel: „Es ist nach wie vor das Ziel, die Marke Mango nach Göppingen zu holen.“
Die Drähte laufen jedoch nicht nur in Richtung Spanien. Joachim Trender ist auch in Kontakt mit dem Stadtmarketingverein „Göppinger City“. Am Montag soll auf Einladung der Stadtverwaltung ein Gespräch stattfinden. Oliver Sihler, Geschäftsführer des Marketingvereins, macht kein Hehl daraus, dass der Handel schwer zu kämpfen hat: „Erst Corona mit Lockdown, dann Kostensteigerungen, Umsatzeinbrüche. Und jetzt noch Personalmangel“, zählt Sihler die Widrigkeiten auf. Auch Homeoffice führe dazu, dass weniger Menschen in der Stadt sind. Er sagt aber auch: „Trotzdem sind wir zuversichtlich und lassen uns nicht unterkriegen. Wir stehen allem offen gegenüber und wollen und werden den innerstädtischen Handel unterstützen. Das geht nur gemeinsam.“ Die Händler in Göppingen müssten zusammenarbeiten, „denn der Konkurrent sitzt nicht hier, sondern in einer anderen Stadt“. Oder im Netz.
Die Handelskette Depot beantragt ebenfalls Insolvenz
Dabei gab es diese Woche noch eine weitere schlechte Nachricht: Der Möbel- und Wohnaccessoires-Händler Depot mit rund 300 Geschäften und 4400 Mitarbeitern hat Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Die Deko-Kette reiht sich damit in die Zahl der pleite gegangenen Einzelhändler ein. Depot betreibt auch eine Filiale im Göppinger Agnes. Um die macht sich der Center-Manager aber keine Sorgen: „Der Geschäftsbetrieb geht ungestört weiter, das ist keine weitere Baustelle.“
Sommersongs und Schallplatten-Flohmarkt im Agnes
Veranstaltung
Am Freitag, 19. Juli, von 17 bis 18 Uhr ist Marcel Moser, Plattenliebhaber und Betreiber des Plattenladens Retrotain aus Deggingen, zu Gast im Nice Coffee im Agnes. Mit im Gepäck hat er einen tragbaren Plattenspieler und zehn Sommerhits, die er live auf Platte auflegt. Zwischen den Songs plaudern Gastgeber und Center-Manager Joachim Trender und Marcel Moser über Hintergründe der aufgelegten Titel, über das Hobby Vinyl und Mosers Weg zum eigenen Plattenladen. Der Eintritt ist frei.
Verkauf
Ergänzend zu dieser Veranstaltung findet am Samstag, 20. Juli, von 10 bis 20 Uhr ein Retro- und Schallplatten-Flohmarkt von Retrotain im Einkaufszentrum Agnes statt. Marcel Moser ist mit seinem Vinyl- und Retro-Games-Stand für einen Tag zu Gast im Erdgeschoss des Centers und bietet dort mehr als 1500 ausgewählte Schallplatten aller Genre, sowie Retro-Videospiele von den 80er Jahren bis heute an.