Barbara Käser gibt nach nahezu zehn Jahren ihr Schreibwarenlädle Avanti auf. Ende Juli ist Schluss. Was passiert dann mit der einzigen DHL- und Postfiliale im Teilort?
Punkt 12 Uhr löscht Barbara Käser im Schreibwarenladen Avanti die Lichter und lässt den Rollladen etwas herunter. Pause. Zwei Stunden hat die Frau aus Harthausen nun Zeit für ihr Mittagessen und fürs Durchschnaufen, nachmittags geht es weiter bis in den Abend hinein. Montags bis samstags hat das kleine Lädle an der Sielminger Hauptstraße geöffnet, und das wird tatsächlich rege genutzt, vor allem, weil hier die einzige DHL- und Postfiliale im Ortsteil integriert ist.
Nun steht aber eine Zäsur an. Barbara Käser hört auf. Zum 31. Juli schließt Avanti. Große gelbe Aufkleber an den Fensterscheiben ringsherum kündigen das nahende Aus an. „Aus gesundheitlichen Gründen kann ich das leider auf die Weise nicht mehr weiterführen“, sagt sie. „Ich muss mir ein neues Abenteuer suchen“, sagt die 59-Jährige. Seit 2017 führt die gelernte Kauffrau ihren Laden in der jetzigen Form. Angefangen hatte sie am Standort jedoch schon drei Jahre früher – als Postangestellte. Lediglich einen Postschalter habe es seinerzeit im Geschäft im Sielminger Zentrum gegeben, mehr nicht. Der restliche Raum sei leer gewesen.
Über das Jobangebot sei sie seinerzeit eher zufällig gestolpert. „Ich habe einen Zettel im Briefkasten gefunden“, erzählt sie, und da ihr Mann sie in der eigenen Firma zu dem Zeitpunkt nicht mehr unbedingt gebraucht habe, habe sie sich drauf eingelassen. Das Angebot, den Laden selbst zu übernehmen, habe sie rasch erhalten.
Sielmingen: Es gibt Interessenten für die Nachfolge
Heute gibt es bei Avanti neben den klassischen Post- und DHL-Dienstleistungen allerhand Schreib-, Büro- und Bastelwaren, Näh- und Strickzubehör, Lotto, Batterien, Geschenkartikel, Süßigkeiten und vieles mehr. „Das Sortiment ist nach dem Kundenwunsch erstellt“, sagt sie. Und das Angebot werde durchaus angenommen. Barbara Käser betont, dass die nahende Schließung keine wirtschaftlichen Gründe habe. „Es lohnt sich, und ich bin auch nicht zu alt. Ich wäre gern bis zur Rente geblieben“, sagt sie. Die Geschäftsaufgabe falle ihr schwer, doch sie habe sich schlichtweg für ihre Gesundheit entscheiden müssen.
Und jetzt? Barbara Käser würde sich wünschen, dass jemand den Laden eins zu eins übernimmt und in der bisherigen Form weiterführt, inklusive der Post. „Das wäre mir am liebsten, und es wäre mir auch für Sielmingen am liebsten“, sagt sie. Interessenten gebe es durchaus, man stehe in intensiven Gesprächen. Die Chancen stünden gut, sagt sie, die endgültige Entscheidung werde demnächst fallen. Und wenn sich alles zerschlägt? Dann werde sie zeitnah mit dem Ausverkauf starten müssen, „das ist das, was ich gar nicht will.“ Die Post werde sich in dem Fall selbst einen neuen Partner in Sielmingen suchen oder die Filiale mit eigenem Personal weiterführen müssen.