Der Black Friday wird in Frankreich in diesem Jahr um eine Woche verschoben. Damit sollen die kleinen Geschäfte geschützt werden, die wegen des Corona-Lockdowns noch geschlossen haben. Foto: AFP/GABRIEL BOUYS

Wegen des Corona-Lockdowns wird die Rabattschlacht auf den 4. Dezember gelegt. Damit sollen die kleinen Geschäfte geschützt werden, die noch geschlossen haben.

Paris - Ungewöhnliche Zeiten verlangen ungewöhnliche Maßnahmen. Da ganz Frankreich unter einem rigiden Corona-Lockdown ächzt, wird der Black Friday verschoben. Der beliebte „Schnäppchentag“ findet in diesem Jahr eine Woche später, am 4. Dezember, statt. Selbst Amazon wird seine Rabattaktionen nicht wie traditionell vorgesehen am letzten Freitag im November starten. Diese Entscheidung hat der US-Onlineriese allerdings nicht ganz freiwillig gefällt, dazu war eine gewisse Überzeugungsarbeit der französischen Regierung notwendig.

Die Furcht der kleinen Händler

Im Wirtschaftsministerium war bis zuletzt fieberhaft über die Maßnahme verhandelt worden. Hintergrund war die große Furcht der französischen Einzelhändler: Amazon könnte mit seinem Internethandel am Black Friday am 27. November den großen Reibach machen, während kleine Buchläden, Spielwaren- oder Elektronikgeschäfte leer ausgehen. Denn während des seit drei mehr als Wochen geltenden Lockdowns in Frankreich sind die meisten Geschäfte geschlossen. Präsident Emmanuel Macron hat nun in einer Fernsehansprache am Dienstagabend verkündet, dass sie erst am Samstag, den 28. November, wieder öffnen dürfen. Ob der Freitag unter diesen Umständen „wirklich ein gutes Datum ist, den Black Friday abzuhalten?“, hatte Wirtschaftsminister Bruno Le Maire während der Verhandlungen in die Runde gefragt und lieferte seine eigene Überzeugung gleich mit: „Meine Antwort ist nein.“

Die Rabattschlacht wird aufgeschoben

Natürlich kann die Regierung nicht einfach anordnen, dass die Händler die Rabattschlacht aufschieben. Die aus den USA stammende Tradition eines Ausverkaufs am Freitag nach Thanksgiving - dem US-Erntedankfest - ist Sache der Privatwirtschaft. Doch in Frankreich war der Druck der Verbraucher vor allem auf Amazon schon in den vergangenen Wochen stetig gestiegen. Immer häufiger machten Boykott-Aufrufe die Runde, um den lokalen Handel zu schützen. Schließlich lenkte der US-Gigant ein – und auch andere Großhändler zogen mit. Die japanische Online-Plattform Rakuten zeigte sich ebenso zu einem verspäteten Black Friday bereit wie große französische Supermarktketten wie Carrefour.

Amazon steigert den Umsatz

Dieses kleine Entgegenkommen dürfte allerdings nicht allzu schwergefallen sein, denn die Internethändler haben vom Lockdown in Frankreich reichlich profitiert. Frédéric Duval, Amazon-Chef in Frankreich, erklärte dem Radiosender „France Inter“, dass die Umsätze der Onlineunternehmen während des Lockdowns generell um bis zu 50 Prozent gestiegen seien.

Frankreichs Wirtschaftsminister Bruno Le Maire äußerte sich sehr zufrieden über die erzielte Lösung. „Ich begrüße den Geist der Verantwortung des Onlinehandels, der die von mir gemachten Vorschläge akzeptiert hat“, sagte er. Nun müsse an der logistischen, technischen und juristischen Umsetzung gearbeitet werden. Der Grund: es ist nicht ganz einfach, eine Rabattaktion dieser Größenordnung zu verschieben. Die Supermärkte etwa haben ihre für den Black Friday längst gedruckt. Preissenkungen, die darin für den 27. November angekündigt sind, sind mit dem Aufschub eigentlich hinfällig. Der Minister zeigt sich allerdings zuversichtlich, dass auch für dieses Problem eine Lösung gefunden wird.

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